Ein Transparent mit dem Schriftzug "Lasst uns unsere Ruhe!"
Anwohner protestierten im Jahr 2009 im Frankfurter Riederwald gegen den geplanten Tunnelbau. Angeblich soll es mit dem Tunnel aber sogar noch ruhiger werden. Bild © picture-alliance/dpa

Frankfurt wächst, der Verkehr wächst mit - aber die Einwohner sollen davon möglichst nichts merken. Wie das funktionieren soll, erklärte der Verkehrsminister am Mittwoch. Eine Schlüsselrolle spielt ein seit Jahrzehnten umstrittenes Bauprojekt.

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Mehr Einwohner, mehr Autos, mehr Baustellen, aber weniger Lärm - so in etwa lassen sich die Pläne und Prognosen für Frankfurt zusammenfassen, die Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Mittwochabend bei einer Informationsveranstaltung in Frankfurt-Riederwald vorstellte. "Durch umfassende Lärmschutzmaßnahmen wird es für viele Frankfurter leiser, obwohl insgesamt mehr Fahrzeuge unterwegs sein werden", sagte er laut einer Mitteilung.

Ein Schlüssel für diese erstaunliche Vorhersage liegt Al-Wazir zufolge im Riederwaldtunnel, dem geplanten Verbindungsstück zwischen den Autobahnen A66 und A661. Mit dem umstrittenen Tunnel könne das städtische Straßennetz "signifikant entlastet werden".

Knapp 109.000 Autos am Tag

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Tarek Al-Wazir

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Al-Wazir: "Deutliche Entlastung des innerstädtischen Verkehrs"

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Laut der neuen, am Mittwoch vorgestellten Verkehrsprognose sollen im Jahr 2030 knapp 109.000 Autos durch die noch zu bauende Röhre fahren. Dadurch wären weniger Autos auf den bisher stark belasteten Straßen "Am Erlenbruch" und "Hanauer Landstraße" unterwegs. So sollen "Am Erlenbruch" laut der Mitteilung im Jahr 2030 noch 14.200 Autos täglich fahren statt bislang 22.100.

Allerdings war man bisher davon ausgegangen, dass diese Zahl sogar auf 8.600 Autos am Tag sinken könnte - so war es auch am Mittwochabend noch auf der vom Ministerium betriebenen Website www.tunnelriederwald.de nachzulesen. Das war allerdings noch die alte Verkehrsprognose aus dem Jahr 2013. Damals war man davon ausgegangen, dass ab 2015 die Bevölkerung in Frankfurt zurückgeht, auf 650.000 im Jahr 2025. Inzwischen schätzt man, dass es im Jahr 2030 sogar 807.000 Einwohner sein könnten.

Künstlicher Regen gegen Schadstoffe

Dennoch, sagte Al-Wazir demnach, sei das ausgebaute Netz leistungsfähig: "Insbesondere droht kein überlastungsbedingter Rückstau in den neuen Riederwaldtunnel" - das wäre ein K.O-Kriterium für das seit 37 Jahren geplante Projekt gewesen. Lediglich "zähfließend" werde der Berufsverkehr wohl sein, aber das werde sich im Rhein-Main-Gebiet nie vermeiden lassen.

Und die gesetzlichen Vorgaben, was die Belastung der Anwohner durch Stickstoffdioxid und Feinstaub betrifft, würden eingehalten, sobald der Tunnel fertig sei, heißt es in der Mitteilung weiter. Derzeit würden die Schadstoffwerte "punktuell" überschritten, und das könne während der Bauarbeiten noch zunehmen.

Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, prüft das Ministerium, die Baustelle künstlich beregnen zu lassen, außerdem könnten die Lkw in einer eigenen Waschanlage gereinigt werden und die Ladung abgedeckt werden.

Baubeginn frühestens in zwei Jahren

Um die Anwohner vor Lärm zu schützen, sollen bis zu zehn Meter hohe Wände mit der Baustelle wandern - zum Vergleich: Die Berliner Mauer war 3,60 Meter hoch. Und wenn der Tunnel fertig ist, soll es "für die allermeisten Anwohner" trotz mehr Verkehr leiser werden.

Bis es aber soweit ist, liegt noch einige Arbeit vor dem Ministerium - Al-Wazir hat in einem umstrittenen Schritt sogar eine eigene Abteilung für den Tunnel in seiner Behörde geschaffen. Ende 2017 soll das Planänderungsverfahren beginnen, Ende 2019 oder Anfang 2020 soll dann der Tunnelbau beginnen - sieben Jahre Bauzeit sind veranschlagt.