Dreiercollage aus einem herabzeigenden und einen heraufzeigendem Pfeil sowie einem Fragezeichen
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Jeden Monat veröffentlicht die Agentur für Arbeit die aktuellen Arbeitslosenzahlen. Doch wer ist im Sinne des Statistikers "arbeitslos"? Nicht jeder der Arbeitslosengeld erhält, zählt automatisch dazu. Wir haben die wichtigsten Fragen dazu für Sie beantwortet.

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Wer gilt als arbeitslos?

Auf den ersten Blick ist recht klar definiert, wer in Deutschland als arbeitslos gilt: Erwachsene, die keine Arbeit haben, aber eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung suchen und sich persönlich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben. Diese drei Kriterien gibt das Sozialgesetzbuch III vor.

Schüler, Studenten und Rentner werden generell nicht zu den Arbeitslosen gezählt. In der Statistik taucht außerdem nur auf, wer über 15 Jahre alt ist.

Wer taucht in den Zahlen nicht auf?

Wie so oft, gibt es auch hier Ausnahmen von der Regel. Wer vorübergehend nicht arbeiten kann, weil er krankgeschrieben ist, wird in der Statistik nicht erfasst. Menschen, die sich nicht arbeitslos melden, weil sie zum Beispiel die Kinder betreuen oder Angehörige pflegen, zählen ebenfalls nicht mit dazu.

Dasselbe gilt für Menschen, die von der Agentur für Arbeit gefördert werden, zum Beispiel durch Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, einen Ein-Euro-Job oder einen Gründungszuschuss. Wer über 58 Jahre alt ist und seit mindestens einem Jahr Arbeitslosengeld II bekommt, in dieser Zeit aber keinen sozialversicherungspflichtigen Job angeboten bekommen hat, wird auch nicht mitgezählt.

Jobsuchende, die ihren Pflichten nicht nachkommen, weil sie zum Beispiel nicht an Maßnahmen der Agentur für Arbeit teilnehmen oder Jobangebote verweigern, fehlen in der Statistik auch.

Ist jeder arbeitslos, der Arbeitslosengeld erhält?

Nein, einen direkten Zusammenhang zwischen dem Anspruch auf Arbeitslosengeld I oder II und der Definiton "arbeitslos" im Sinne des Statistikers gibt es nicht. Denn viele Menschen stehen dem Arbeitsmarkt aus verschiedenen Gründen nicht zur Verfügung, sind zum Beispiel krankgeschrieben oder nehmen an einer Förder- oder Weiterbildungsmaßnahme teil. Sie werden nicht hinzugerechnet.

Wer zwar mindestens 15 Stunden die Woche arbeitet, aber trotzdem nicht genug verdient, erhält Arbeitslosengeld II. Diese Aufstocker gelten ebenfalls nicht als arbeitslos.

Was sind saisonbereinigte Zahlen?

Über das Jahr hinweg gibt es typische Schwankungen bei der Zahl der Beschäftigten. Das liegt zum einen an den Jahreszeiten, zum anderen an festen Terminen wie den Ferien. Vor allem in der Baubranche schwanken die Arbeitslosenszahlen dadurch stark. Im Winter sind sie prinzipiell höher als im Sommer.

Für diese Schwankungen haben die Statistiker Durchschnittswerte errechnet. In den saisonbereinigten Zahlen werden diese von den eigentlichen Arbeitslosenzahlen abgezogen. So sollen Trends auf dem Arbeitsmarkt ohne die Verzerrung durch Faktoren wie die Jahreszeiten besser erkennbar sein.

Welche anderen Statistiken gibt es?

Neben den klassischen Arbeitslosenzahlen gibt die Agentur für Arbeit auch noch weitere Zahlen heraus.

Zur "Arbeitslosigkeit im weiteren Sinne" zählen zusätzlich Menschen, die von der Agentur gefördert werden, zum Beispiel durch Weiterbildungen oder Ein-Euro-Jobs, so wie Arbeitslosengeld II-Empfänger über 58 Jahren, die in den letzten zwölf Monaten kein Jobangebot bekommen haben. Im November 2017 lag diese Zahl bundesweit 15 Prozent über der offiziellen Arbeitslosenzahl von 2.368.411.

Bei der "Unterbeschäftigung im engeren Sinne" werden zusätzlich zu diesen Menschen auch die mitgezählt, die krankgeschrieben sind, sowie Personen, die eine Förderung von Arbeitsagentur wie zum Beispiel einen Gründungszuschuss erhalten. Damit lag die Zahl im November 40 Prozent über der offiziellen Arbeitslosenzahl.

Bei der "Unterbeschäftigung im weitesten Sinne" werden zusätzlich zu dieser Gruppe auch noch Kurzarbeiter und Menschen in Altersteilzeit erfasst. Betrachtet man diese Zahl im selben Monat, liegt sie 42 Prozent über der offiziellen Arbeitslosenzahl.

Weitere Informationen

Was steckt hinter der Statistik?

Die Statistik betrachtet prinzipiell alle Erwachsenen, die ohne Arbeit sind, einen Job suchen und sich arbeitslos gemeldet haben. Wer krankgeschrieben ist, von der Agentur für Arbeit gefördert wird oder sich nicht arbeitslos meldet, fällt raus. Fragen und Antworten zur Statistik finden Sie hier.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 03.01.2018, 19.30 Uhr