Bahnstrecke Schenklengsfeld
Der Eisenbahnverein in Schenklengsfeld will eine stillgelegte Nebenbahnstrecke verkaufen. Bild © Johannes Hesse/Förderverein Werra-Fulda-Bahn

Kaum noch Mitglieder, kein Geld: Ein Förderverein in Osthessen will verzweifelt seine Bahnstrecke loswerden. Eine ebay-Kleinanzeige könnte die Rettung bringen. Der Gemeinde wäre ein Scheitern lieber.

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Eigentlich hatte sich Jürgen Baumgardt eine schnellere Lösung gewünscht. Doch noch heißt es durchhalten. Also macht sich der Vorsitzende des Fördervereins Werra-Fulda-Bahn e.V selbst Mut: "In der Ruhe liegt die Kraft!" Viel Zeit bleibt ihm aber nicht. Maximal ein Jahr gibt er sich noch, um die Bahnstrecke bei Schenklengsfeld (Hersfeld-Rotenburg) loszuwerden.

Lange träumte sein Verein davon, den Abschnitt der Hersfelder Kreisbahn zwischen den Bahnhöfen von Schenklengsfeld und Heimboldshausen zu erhalten. Eine Dampflok für Touristen sollte hier verkehren. Doch der Nachwuchs fehlt, die Kosten steigen. Deshalb muss der Verein die stillgelegte, zwölf Kilometer lange Bahnstrecke samt Lokschuppen und Nebengebäude nach 27 Jahren in neue Hände gegeben werden. Sogar über eine ebay-Kleinanzeige hat er sie angeboten: "Komplette Eisenbahnstrecke abzugeben".

Der Preis ist Verhandlungssache. Der Verein würde auch für einen Euro verkaufen, wenn der Erhalt der Strecke garantiert wäre.

"Ich fange vorn an zu schneiden und hinten geht es wieder los"

Denn dem 59-jährigen Baumgardt wächst die Arbeit über den Kopf. Dreimal pro Tag ist er auf der Draisine unterwegs. Mit den Schneidarbeiten entlang der Strecke kommt er kaum noch hinterher: "Gerade hat sich eine Gemeinde beschwert, dass die Hecken in den Weg wachsen. Ich fange vorn an zu schneiden und es geht hinten schon wieder los."

Zudem überfordern den Verein die laufenden Kosten. Die beziffert Baumgardt auf bis zu 4.000 Euro im Jahr. Ein Großteil davon gehe für die Gebäudeversicherung, Grundsteuer, Strom und Regenwasserabgabe drauf. Zahlen könne der Verein das nur mit Mühe, unter anderem weil er eine Wohnung in dem Gebäude vermietet. Doch das Geld wird knapp.

400 Anfragen, sechs seriöse Angebote

40.000 Mal wurde die ebay-Anzeige seit ihrem Erscheinen im März angeklickt. Es gab 400 Anfragen und 30 Angebote. Sechs Angebote prüft der Verein nun, weil sie ihm realisierbar erscheinen.

Darunter sind unter anderem Pläne für Dampflok- oder Draisinenfahrten, berichtet Baumgardt. Neben Wanderfahrten, einem Bahnradweg sowie einer Testanlage für Schienensensoren seien auch Angebote für die Maschinenhalle im Gespräch. Doch die Auswahl gestaltet sich aufwändig: Wie zukunftsträchtig sind die Ideen, passen die Rahmenbedingungen, können die rechtlichen Auflagen erfüllt werden?

"Wir machen keinen Notverkauf"

Im Finanzausschuss der Gemeinde Schenklengsfeld sind Baumgardt und sein Stellvertreter Johannes Hesse mit der Bitte um Unterstützung vorstellig geworden - und abgeblitzt. Nicht einmal für die Übernahme der Versicherungskosten habe sich eine Mehrheit gefunden. Statt Hilfe anzubieten, forderte der Ausschuss, der Verein solle erst einmal ein konkretes Konzept mit den Ideen der Interessenten erarbeiten.

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Mitgliederschwund mit Folgen

Der Förderverein Werra-Fulda-Bahn e.V. wurde 1994 gegründet. Er will einen Teil der stillgelegten Bahnstrecke der Hersfelder Kreisbahn vom Schenklengsfelder Bahnhof bis zum Bahnhof Heimboldshausen erhalten und einen Bahnverkehr zu touristischen Zwecken zu ermöglichen. Unter anderem pflegt der Verein die Bahnstrecke, saniert den Lokschuppen und restauriert Lokomotiven und Waggons. Derzeit zählt er nur noch rund 20 Mitglieder. Bei der Gründung waren es rund 50, darunter auch viele ehemalige Eisenbahner.

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Baumgardt ist enttäuscht. "Ein professionelles Konzept von einem Fachmann erarbeiten zu lassen, kostet mindestens 10.000 Euro, wenn man es vernünftig machen will." Er hat sich von der Gemeinde mehr erhofft: "Wir machen das ja hier nicht für uns, sondern damit der Bahnstreckenanschluss bestehen bleibt."

Und wenn sich keines der vorgeschlagenen Projekte als realisierbar erweist? "Wir machen keinen Notverkauf", betont Baumgardt. Eher würde sich der Verein auflösen und die Strecke samt Liegenschaften an das Land Hessen zurückgeben.

Im Notfall geht das Gelände zurück ans Land

Bürgermeister Stefan Gensler (CDU) wäre das angesichts der klammen Schenklengsfelder Haushaltskasse gar nicht so unrecht: "Wir haben keine Mittel, um den Verein zu unterstützen", sagt Gensler. "Und ich sehe keine großen Investor, der die Bahnstrecke aktivieren möchte."

Würde die Strecke zurückgegeben, müsste das Land aktiv werden. Das hat nach Ansicht Genslers das Geld, um sich um Strecke und Gelände zu kümmern. "Dann würde vielleicht ein Biotop dorthin kommen oder ein Radweg." Fördervereinsvorsitzender Baumgardt hingegen befürchtet den Verfall: "Hier würde eine Bauruine entstehen. Wenn man die Vergangenheit vergisst, ist das nicht gut."