Geldscheine werden an einem Geldautomaten abgehoben
Geld aus dem Automaten: Nach Feierabend in manchen Fällen kostenpflichtig. Bild © picture-alliance/dpa

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so teuer? Drei Volks- und Raiffeisenbanken in Hessen verlangen zu bestimmten Tageszeiten höhere Gebühren fürs Geldabheben. Was Verbraucherschützer Kunden nun raten.

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Schild Volks- und Raiffeisenbank

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das steckt hinter den Bargeld-Gebühren

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Manche Bankkunden sollten beim Geldabheben am Automaten auf die Uhr schauen: Denn drei Banken in Hessen bitten sie je nach Tageszeit zur Kasse. Inhaber bestimmter Konten der Volksbank Frankfurt und der Raiffeisenbank Oberursel müssen nach Geschäftsschluss Gebühren zahlen. Im Fall der Raiffeisenbank Offenbach/Bieber kommt beim "VR-Privatkonto" eine Gebühr für das Nutzen des Geldautomaten zwischen 13 und 14 Uhr hinzu.

Verbraucherschützer kritisieren das. "Hier zeigt sich die Kreativität der Banken, interne Kosten zum Nachteil des Verbrauchers zu splitten", sagt Michael Dettelbacher von der Verbraucherzentrale Hessen hessenschau.de.

"Hier wird getrickst"

Die betroffenen Banken bestätigten am Mittwoch einen entsprechenden Bericht des Verbraucherportals Biallo, verteidigen aber ihre Gebührenmodelle nach der Uhr. "Kunden, die sich für dieses Modell mit Einzelabrechnung entschieden haben, zahlen bei uns tagsüber keine Buchungsgebühren, dafür nach Geschäftsschluss 35 Cent", sagt der Pressesprecher der Frankfurter Volksbank, Michael Köhler. Dieses Modell existiere bereits seit rund 20 Jahren. Auch stünden Konten ohne derartige Gebühren zur Auswahl. Auch die anderen Banken argumentieren so.

Doch das lange Bestehen der Gebührenmodelle lässt Portalgründer Horst Biallo unbeeindruckt. "Hier wird getrickst", sagt er. Zum einem, weil die Banken die von ihnen erhobenen Gebühren für das Geldabheben nicht öffentlich machten. "Das geht, indem sie den Vorgang nicht Abhebegebühr nennen, sondern dafür eine Buchungsgebühr erheben."  Dadurch müsse der Automat  beim Abheben die dafür erhobene Gebühr nicht anzeigen. Zum anderen, weil die gerade langjährige Existenz dieses Gebührenmodells beweise, "dass es die kostenlose Bargeldversorgung, mit denen die Banken immer geworben haben, nie gegeben hat", wie Biallo sagt.

"Bank-Wechsel ist einfach"

Michael Dettelbacher von der Verbraucherzentrale Hessen warnt, dass die Kontomodelle der Banken inzwischen dermaßen komplex seien und so häufig geändert würden, dass selbst die Verbraucherzentrale sich schwer tue, bestimmte Kontomodelle zu empfehlen.

Einen Tipp hat Dettelbacher trotzdem für Bankkunden: "Sich einen Überblick über das eigene Bankverhalten zu schaffen, indem man sich die Kontoauszüge des letzten halben Jahres ansieht." Kunden sollten wissen, wie oft sie wie viel Geld an Automaten abheben, wie viele Überweisungen, Daueraufträge und Auslandsüberweisungen sie tätigen – und sich dementsprechend das günstigste Kontomodell aussuchen.

Auf ärgerliche Gebühren könnten Verbraucher reagieren, "wenn sie sich flexibel zeigen", sagt Dettelbacher: "Inzwischen ist es sehr  einfach geworden, die Bank zu wechseln. Es muss nicht mehr der Kunde mühsam einzeln bestehende Lastschriften umziehen, sondern das übernimmt die Bank."

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