Autos mit hohem Schadstoffausstoß dürfen nicht in Darmstadt fahren.
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Drohen wegen des Dieselskandals Fahrverbote in den Städten? Die Stadtregierungen von Frankfurt, Offenbach und Darmstadt halten davon nichts. Wir zeigen Ihnen, an welchen Straßen in Hessen besonders dicke Luft herrscht.

Dienstag dieser Woche, 7 Uhr morgens an der Hügelstraße in Darmstadt: Pendler kriechen Richtung Innenstadt. Stop and Go. Wahrscheinlich ist es jetzt keine gute Idee ganz tief einzuatmen. Stickstoffdioxid (NO2) liegt in der Luft. 71,4 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft misst zu dieser frühen Stunde die stationäre Messstation des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm.

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Luftmessstation in Limburg

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Ähnlich sieht es an anderen Orten in Hessen aus - an der Friedberger Landstraße in Frankfurt, an der Fünffensterstraße in Kassel und an der Universitätsstraße in Marburg. Die Messstationen des HLNUG messen dort regelmäßig deutliche Überschreitungen des NO2-Grenzwerts. Und nicht nur dort:

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Zehntausenden Dieselfahrzeugen drohen Fahrverbote

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Stickoxide ...

... sind Gase, die unter anderem die Atemwege und Augen reizen können. Die aus Stickstoff- und Sauerstoffatomen bestehenden Umweltgifte entstehen bei vielen Verbrennungsvorgängen. Vor allem Stickstoffdioxid (NO2) ist gefährlich. Laut Umweltbundesamt ist es für Asthmatiker ein Problem, weil es dazu beiträgt, dass sich die Bronchien verengen. Es schädigt auch die Schleimhäute. Ist man länger NO2 ausgesetzt, kann dies laut Bundesgesundheitsministerium die Lungenfunktion beeinträchtigen und zu chronischen Herz-Kreislauferkrankungen führen.

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Bereits seit November 2015 klagt die Deutsche Umwelthilfe gegen das Land Hessen auf die Einhaltung der Grenzwerte. Die Konsequenz könnten Fahrverbote sein. Betroffen wären zehntausende Dieselfahrzeuge, die die Norm Euro 6 nicht erfüllen. Ein Urteil könnte noch in diesem Sommer fallen.

Dass Fahrverbote möglich sein könnten, zeigt ein Urteil des Verwaltungsgericht Stuttgart. Das hatte am Freitag einer Klage der Deutschen Umwelthilfe stattgegeben, nach der der vom Land Baden-Württemberg aufgestellte Luftreinhalteplan verschärft werden muss, um Grenzwerte für Stickoxide nicht zu überschreiten. Das würde ab Januar 2018 ein Fahrverbot für Diesel-Pkw bedeuten, die nicht die Euro-6-Norm erfüllen.

Auch bei dem Diesel-Gipfel am Mittwoch in Berlin wird es um mögliche Fahrverbote für Dieselfahrzeuge wegen der deutlich zu hohen Luftverschmutzung gehen.

Oberbürgermeister gegen Fahrverbote

Die hessischen Städte selbst halten nicht viel von Fahrverboten. "Das wäre genauso absurd, als wenn wir durch das Schützen von einzelnen Bäumen den Klimawandel aufhalten wollten", sagt Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD).

Es gibt zwar in Offenbach ein Nachtfahrverbot für Lkw ab 3,5 Tonnen auf der viel befahrenen Mainstraße. Aber selbst der Oberbürgermeister glaubt nicht so recht an die Wirksamkeit. "Das sind so kleine Alibi-Geschichten, die symbolisch zeigen, dass wir als Kommunen das Problem mit unseren Möglichkeiten ernst nehmen", sagt er.

Partsch: Würden Mobilität lahmlegen

Im Gegensatz zu den Städten habe die Bundesregierung nämlich erst nach dem Dieselskandal und Kartellabsprachen der Autoindustrie das Thema erkannt, kritisiert Schneider. Auch Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) wendet sich gegen Fahrverbote. "Mit solchen ultimativen Maßnahmen wird man die Mobilität in den Städten lahmlegen", sagt er. Darmstadt investiere lieber in die Infrastruktur für Fahrräder und in den Öffentlichen Nahverkehr.

Auch Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hält nichts von Fahrverboten und sieht die Automobilindustrie in  der Pflicht. Die Stadt selbst würde einiges tun. "Gerade in der Friedberger Landstraße haben wir einen Teil des Busverkehrs durch eine neue Straßenbahnlinie ersetzt", sagt er.