John Cryan, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank
John Cryan, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank Bild © picture-alliance/dpa

Der Deutsche-Bank-Vorstand hat nach dem zweiten Milliardenverlust in Folge erneut auf einen Bonus verzichtet. Den übrigen Top-Managern des Frankfurter Geldinstituts wurden ihre Boni drastisch gekappt.

Bei der Deutschen Bank sinkt die Vergütung der Mitarbeiter - und der gesamte Vorstand verzichtet gleich ganz auf Boni. Konzernchef John Cryan bekam nur sein Grundgehalt von 3,8 Millionen Euro ausgezahlt, wie aus dem am Montag veröffentlichten Vergütungsbericht der Bank hervorging. Weniger verdienten nach bisher vorliegenden Zahlen von 26 Unternehmen aus dem Dax nur die Vorstandschefs von E.ON, Infineon und der Lufthansa.

Cryans Vorgänger Anshu Jain und Josef Ackermann hatten zeitweise zweistellige Millionenbeträge erhalten. Die Zeiten haben sich geändert - nach zwei Jahren mit Milliarden-Verlusten und zahlreichen Rechtsstreitigkeiten, von denen einige noch offen sind: Auch wenn das Jahr 2017 optimal laufen sollte, liegt die Gehaltsobergrenze bei der Deutschen Bank bei 9,85 Millionen Euro je Vorstand. Insgesamt kostete der Vorstand Deutschlands größte Bank im vergangenen Jahr 25,8 (2015: 22,7) Millionen Euro.

316 Deutsch-Banker verdienen mindestens eine Million

Mit dem Boni-Verzicht reagierte der Vorstand auf die drastische Kürzung der variablen Vergütungen für den Rest der Belegschaft. Insgesamt wurden die Boni um 77 Prozent auf rund 500 Millionen Euro zusammengestrichen. Die gesamten Personalkosten gingen dadurch um 1,6 Milliarden auf 8,9 Milliarden Euro zurück. 316 Deutsch-Banker verdienten 2016 mindestens eine Million Euro, ein Jahr zuvor waren es noch 756. Die beiden Spitzenverdiener lagen laut Vergütungsbericht zwischen sechs und sieben Millionen Euro.

Zum ersten Mal seit Jahren beschäftigt die Deutsche Bank weniger als 100.000 Mitarbeiter, obwohl im Controlling und in Überwachungs-Funktionen neue Stellen geschaffen wurden und ausgelagerte Aufgaben in den Konzern zurückgeholt wurden. Die Mitarbeiterzahl sank 2016 um 1.360 auf 99.744. Der größte Teil des Stellenabbaus steht der Deutschen Bank noch bevor. Mit der Wiedereingliederung der Postbank dürfte er nochmals verschärft werden.

Sendung: hr-iNFO, 20.03.2017, 11.20 Uhr