Passagiere am Frankfurter Flughafen
Passagiere am Frankfurter Flughafen Bild © Imago

Harte Konkurrenz, niedrige Preise: UFO-Tarifvorstand Nicoley Baublies sieht die Löhne am Frankfurter Flughafen unter Druck. Vor allem die Fraport sei nun in der Pflicht.

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Seit vier Monaten hat Ryanair zwei Flugzeuge am Frankfurter Flughafen stationiert. Der Billigflieger nutzt ein vom Land genehmigtes Rabatt-Programm des Airports. Das hat eine Debatte über die Arbeitsbedingungen am Flughafen ausgelöst. So streiten die Gewerkschaft Verdi und der Check-in-Dienstleister AHS um einen Tarifvertrag. Nicoley Baublies ist Tarifvorstand der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO. Er arbeitete als Lufthansa-Flugbegleiter und ist seit fünf Jahren in der UFO-Spitze und Vorsitzender der von ihm mitinitiierten Industriegewerkschaft Luftverkehr IGL.

hessenschau.de: Herr Baublies, seit vier Monaten ist der Frankfurter Flughafen auch ein Billigflieger-Standort. Mehr Flugzeuge, mehr Passagiere: Das bedeutet mehr Arbeit am Boden und in der Luft. Da müssten Sie doch eine positive Bilanz ziehen?

Nicoley Baublies: Auf gar keinen Fall! Was ja passiert, ist, dass die Ryanair kommt und eine Condor stellt die gleiche Strecke ein. Die Condor zahlt aber das Doppelte an Gebühren. Das heißt auch: Doppelter Verteilungsspielraum für die Mitarbeiter, die hier für die Sicherheit am Flughafen zuständig sind, für die Passagiere, das Gepäck und so weiter. Es ist wirklich eine klare Lohnvernichtungmaschine, was hier gerade passiert.

hessenschau.de: Der Luftverkehr ist ein internationales Geschäft. Der Flughafen sagt, wir dürfen nicht zwischen schlechten und guten Airlines unterscheiden. Muss es da nicht zum Beispiel heißen: Lieber Ryanair hier als in Köln-Bonn?

Baublies: Ryanair hat hier wirklich eine Lex Ryanair. Das Thema heißt: Ich locke einen günstigen Anbieter her – und der vernichtet nicht nur gute Arbeitsplätze, sondern kriegt es auch noch für die Hälfte. Dieses Wachstum macht keinen Sinn. Das ist für die Gäste nicht gut, die am Ende schlechtere Dienstleistungen kriegen. Vor allen Dingen: Der Flughafen tut so, als hätte er mit  der Abwärtsspirale und den entsprechend übrigbleibenden Verteilungsspielräumen nichts zu tun.

hessenschau.de: Wie sollte er denn Einfluss nehmen?

Baublies: Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft ist gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Fraport. Die komplette Industrie, vertreten durch Herrn Schulte, hat natürlich die Möglichkeit  zu sagen: Liebe Leute, ähnlich wie in der Autoindustrie oder anderen Industrien, hier läuft was schief. Die EU macht hier wirklich auch viel Müll. Ich muss zum Beispiel dreifach ausschreiben, der Billigste kriegt dann den Auftrag, der billige Jakob vernichtet aber Arbeitsplätze.

hessenschau.de: Spüren Sie schon konkret Auswirkungen, dass Frankfurt zum Billigflieger-Standort geworden ist?

Baublies: Momentan fliegt Ryanair noch mit wenigen Maschinen. Die ganz konkreten Auswirkungen sind noch nicht sehr groß. Aber: Die Ankündigung anderer, Strecken hier aufzugeben, und andere Anbieter, die sich nicht zutrauen, auf den gleichen Strecken wie Ryanair zu fliegen - das passiert schon. Die folgenden Flugpläne beinhalten das.

hessenschau.de: Ist der Druck, Kosten und Löhne zu senken, am Flughafen gestiegen? Bislang hatte man eher den Eindruck, Frankfurt sei ein Edel-Hub.

Baublies: In Frankfurt ist schon länger nicht alles Gold, was glänzt. Der Druck in der Branche hat mehrere Ursachen. Eine ist, dass die WTO-Regularien, die ansonsten überall für einen fairen Handel sorgen sollen, ausdrücklich nicht für die Flugbranche gelten. In den letzten Jahren hat sich das gezeigt über die Emirate, über Turkish Airlines bis zu Ryanair: Solche Airlines nutzen die lokale Gesetzgebung aus, man schützt aber die Märkte in Deutschland nicht davor.

hessenschau.de: Was heißt das konkret?

Baublies: Das heißt, hier am Flughafen steht neben einem Flugzeug ein anderes, dessen Mitarbeiter keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall erhalten, die Tickets beider Maschinen konkurrieren aber miteinander. Das ist eine Abwärtsspirale. In Deutschland kommen dann etwa mit der Luftverkehrsabgabe Anbieter und ihre Dienstleister noch stärker unter Druck. Ganz am Ende der Nahrungskette kann die einzelne Firma wahrscheinlich wenig dagegen tun, aber dass die Branche so wenig tut und dass die Regierungen so wenig tun, das könnte sich schon ändern.

Das Gespräch führte Frank van Bebber.

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