Ein Hai in einem Aquarium.
Ähnlich wie hier in München sollen auch in Pfungstadt Besucher künftig die Fische besichtigen können - doch es gibt Widerstand. Bild © picture-alliance/dpa

Der Bürgermeister bleibt gelassen, der Investor schimpft schon mal auf die Aktivisten: Vor dem Bürgerentscheid in Pfungstadt über Europas größtes Hai-Aquarium stecken Befürworter und Gegner ihre Positionen ab.

Die Nachricht, dass Gegner des geplanten Groß-Aquariums "Shark City" in Pfungstadt (Darmstadt-Dieburg) einen Bürgerentscheid über das Projekt erzwingen wollen, hat Bürgermeister Patrick Koch (SPD) im Urlaub erreicht. Entsprechend entspannt sieht er die geplante Abstimmung. "Ich finde es nicht verkehrt, falls es zum Entscheid kommt", sagt er hessenschau.de. "Dass das Thema emotionalisiert, war von vornherein klar. Aber mir fehlt die Fantasie, mir vorzustellen, dass 5.000 Pfungstädter zur Wahl gehen und dagegen stimmen."

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass mehr als 2.000 Pfungstädter für einen Bürgerentscheid über das geplante größte Hai-Aquarium Europas mit etwa 150 Tieren unterschrieben haben. Am 7. August wollen die Initiatoren die Unterlagen der Stadt übergeben. "Ich kenne ja bisher noch nicht mal die konkrete Fragestellung", sagt Koch. Voraussichtlich im September werde sich die Stadtverordnetenversammlung damit befassen, eine Abstimmung wäre eventuell im November möglich, skizziert Koch den Fahrplan.

"Bevölkerung von verfälschten Fakten verführt"

Auch bei der "Seven Seas Aquarium Gesellschaft" in Grünstadt, die Shark City in Pfungstadt bauen will, ist man nicht überrascht. "Ja, wir haben mit einer solchen Entwicklung gerechnet", lässt Geschäftsführer Thomas Walter mitteilen. "Überall, wo es um Tiere geht, sind Tierschützer auf den Plan gerufen."

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"Shark City" in Pfungstadt

Nach Vorstellung von Bürgermeister Koch sollen Anfang 2018 die Bagger in Pfungstadt anrollen, bis Ende des Jahres soll dann "das größte Indoor-Hai-Aquarium" Europas entstehen. Für 20,5 Millionen Euro will die "Seven Seas Aquarium Gesellschaft" ein zweistöciges Gebäude mit 5.000 Quadratmetern Grundfläche bauen. Herzstück soll ein 10,5 Millionen Liter fassendes Becken werden. Rund 150 Haie sollen dort die jährlich erhofften 550.000 Besucher zu sehen bekommen. Der Betreiber betont, es werde auf artgerechte Haltung Wert gelegt - große Arten wie Tigerhai, Hammerhai oder gar der Weiße Hai würden nicht kommen. Gegner bestreiten, dass in den Aquarien eine artgerechte Haihaltung überhaupt möglich ist.

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Aber im Fall Pfungstadt müsse man differenzieren, sagt Walter: Manche Bürger wollten schlicht und einfach gefragt werden, andere seien "mit leicht bis schwer verfälschten 'Fakten' verführt" worden oder glaubten, das Projekt würde von der Stadt finanziert, und sie wollten lieber ein Schwimmbad.

"Zudem gibt es jene, die per se gegen jegliche Aquarien und Zoos sind." Was man da erlebe, habe "zum Teil mit seriöser Kritik nichts mehr zu tun", findet Walter. Er hoffe, dass sich die Pfungstädter "nicht für die Lautesten" entscheiden, "sondern für eine langfristige Unterstützung des Themas Hai, für sich und die potenzielle Zukunft der Stadt".

"Widerstand kaum nachzuvollziehen"

Explizit kritisiert Geschäftsführer Walter "Sharkprojekt Germany", eine Organisation, die unter anderem für eine Info-Broschüre gegen Shark City verantwortlich sei, die in 20.000-facher Auflage in Pfungstadt verteilt wurde. Walter sagt: "Deren Widerstand ist aufgrund der Historie und der zum Teil fehlenden Erfahrung, was das Verhalten von Haien und deren Eignung für Aquarien angeht, für uns mittlerweile kaum nachzuvollziehen."

Sharkproject-Regionalleiter Martin Trösch entgegnet: "Das ist lächerlich. Die haben in Sinsheim verloren und werden auch jetzt wieder verlieren. Wenn sie mit solchen Argumenten arbeiten, zeigt das, dass sie keine vernünftigen Argumente mehr haben." In Sinsheim war "Shark City" zuerst geplant, dann aber gescheitert - offiziell aus planungsrechtlichen Gründen, nach Angaben der Gegner aber am Bürgerwillen.

Angst vor Bauruine

Den Willen der Bürger zieht Jochen Bier täglich aus dem Briefkasten. Er ist Vertrauensperson im Bürgerentscheid, noch immer laufen bei ihm Unterschriftenlisten ein. Was die Abstimmung betrifft, ist er vorsichtig optimistisch. Immerhin sei es schon mal gelungen, die Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit dem Vorgehen der Stadt auszudrücken.

Bier ärgert sich sowohl über die Mitglieder des Stadtparlaments, die sich seiner Meinung nach nicht ausreichend über das Projekt informiert haben und nun "eine weitere Bauruine in Pfungstadt riskieren", als auch über die künftige Betreibergesellschaft. Der wirft er vor, nur auf Profit aus zu sein.

"Mit Fakten punkten"

Bürgermeister Koch hält dagegen: "Alle Fraktionen im Stadtparlament - und ich - sind der Meinung, dass das ein gutes Projekt ist. Und die Mehrheit der Pfungstädter vermutlich auch. Es gibt keinen politischen Streit darüber in der Stadt."

Aber voraussichtlich bald einen Wahlkampf. In dem will auch Seven Seas Aquarium eingreifen: Geschäftsführer Walter teilt mit, man werde "selbstverständlich geeignete Maßnahmen ergreifen, unser Konzept und den Nutzen für die Haie und Pfungstadt – und natürlich auch für uns selbst - zu erklären und dabei mit Fakten punkten".

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