Fischer Burkard in seinem Boot auf dem Main
Franz Georg Burkard auf dem Main bei Seligenstadt Bild © hessenschau.de

Vom Fischfang im Main kann niemand mehr leben. Trotzdem wirft Franz-Georg Burkard die Netze aus - aus alter Tradition und weil seine Kunden das Besondere mögen. Wenn nur das Wasser nicht so sauber wäre.

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Franz-Georg Burkard ist nicht begeistert von seinem Fang. Gerade mal ein halbes Dutzend Fische hat sich in seinen beiden Netzen verfangen, die er am Vorabend im Main bei Seligenstadt (Offenbach) gestellt hatte. "Das war nichts", sagt der 57-Jährige.

Die Tradition aufrecht erhalten

Als einer der letzten fischt Burkard noch kommerziell im Main mit Netzen. Für den Forellenzüchter ist das aber kaum mehr als ein bescheidenes Zubrot. "Damit wir ein bisschen die Tradition aufrecht erhalten." Immerhin gibt es die Seligenstädter Fischerzunft seit 1546. Aber von der Mainfischerei leben? "Die Zeiten sind vorbei", sagt Burkard.

Sein kleines Boot steuert er trotzdem noch sporadisch durch den Fluss. Es gebe im Main nicht mehr genügend Fische, sagt Burkard. Der Artenreichtum sei zwar da: Hechte, Welse, Zander - doch nicht mehr in der Menge, wie es früher der Fall war.

"Der Main ist zu sauber"

Der Fischer hat dafür eine Erklärung, die überrascht: Der Main sei nicht zu dreckig, sondern zu sauber. "Wir hatten früher viel mehr Nährstoffe", beklagt Burkard. Heute komme das Wasser aus der Kläranlage. "Da ist überhaupt kein Geist mehr drin."

Günther Sauer vom Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg formuliert das anders. Die Reduktion bestimmter Abfallstoffe folge gesetzlichen Vorgaben und wirke der übermäßigen Ausbreitung von Algen und Mikroorganismen entgegen, von denen Kleinsttiere lebten, die wiederum den Fischen als Nahrung dienen. Ziel sei ein "ökologisch guter Zustand" des Mains. Dies bedeute nicht unbedingt einen großen Fischbesatz.

Hauptsächlich ein paar Rotaugen

Burkards Boot ist am ersten Netz angelangt. Schwager Janosz holt es langsam ein und entfernt minutenlang nur Grünzeug aus den Maschen. Erst als das Fanggerät schon fast komplett im Boot ist, kommt ein einsames Rotauge zum Vorschein. "Schwach", kommentiert Burkard.

In Netz Nummer zwei sind ein paar Fische mehr hängengeblieben, hauptsächlich die grätenreichen Rotaugen, auch ein kapitaler Zander ist dabei. Die Frühjahrssaison neigt sich ihrem Ende zu. Erst im Herbst sei wieder mit besseren Fängen zu rechnen.

Familientradition seit über 200 Jahren

In der wievielten Generation Fisch das Leben seiner Familie bestimmt, weiß Burkard selbst nicht so genau. Schon sein Urgroßvater habe Fisch verkauft. "Das reicht mehr als 200 Jahre zurück." Heute geht das nur noch mit der Zucht.

Einige tausend Forellen tummeln sich in den Becken des Familienbetriebs in Seligenstadt. Meist steht Ehefrau Alina im Hofladen und bringt die frische Ware direkt an die Kunden. Die wissen die Qualität zu schätzen und kommen gerne wieder. "Wir fahren keinen Porsche, aber wir können von dem Geschäft leben", sagt die Frau des Fischers.

Genuss für Feinschmecker: Fische aus dem Main

Was ihr Mann im Main fängt, geht größtenteils in die Frankfurter Kleinmarkthalle. Dort betreibt Burkard freitags und samstags einen Stand. Viele seiner Kunden dort seien Asiaten. "Die suchen das Außergewöhnliche. Das gibt es sonst nirgends."

Den Verzehr der Mainfische kann der Seligenstädter uneingeschränkt empfehlen. "Da gab es noch nie Probleme", versichert er. "Die sind besser als aus manchem See, schmecken überhaupt nicht muffig oder so. Also, ich habe da überhaupt keine Bedenken."