Ein Ryanair-Flugzeug im Wartestand
Ryanair-Maschine im Wartestand Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Trotz Nachtflugverbot landen am Frankfurter Flughafen immer wieder Maschinen nach 23 Uhr. Bei diesen Verspätungen war Billigflieger Ryanair im September einsame Spitze. Das Verkehrsministerium prüft, ob System dahinter steckt.

Für mehr als ein Drittel der verspäteten Nacht-Landungen am Frankfurter Flughafen sind im September Flugzeuge der Ryanair verantwortlich gewesen. Das geht aus einer Aufstellung aus der Stadtverwaltung Neu-Isenburg hervor, die der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Hessen veröffentlicht hat. Das hessische Verkehrsministerium bestätigte die Angaben am Montag.

Demnach gingen im September 39 der rund 110 verspäteten Landungen nach 23 Uhr auf das Konto von Ryanair-Maschinen. Das Verkehrsministerium prüft nun, ob die Verspätungen schon an der Flugplanung des irischen Billigfliegers liegen, wie ein Sprecher mitteilte. Dies wäre unzulässig.

Anteil aller Billigflieger am Flugaufkommen: 2-4 Prozent, Anteil von Ryanair an den Spätlandungen im September 2017: 35 Prozent
Weniger als zwei Prozent aller Flüge in Frankfurt bestreiten Billigflieger, mehr als 35 Prozent aller Spätlandungen (Zahlen für den September 2017) entfallen allein auf Ryanair Bild © hessenschau.de

Verspätungen darf es demnach nur dann geben, wenn der planmäßige Zeitpunkt der Landung vor 23 Uhr liegt und der Grund der Verspätung sich nicht aus der Flugplangestaltung ergibt.

Ryanair bietet im Sommerflugplan vier Verbindungen an, vormittags nach Mallorca und Málaga und zurück, nachmittags und abends nach Alicante und Faro hin und zurück. Dabei landet die Maschine aus Alicante laut Plan um 22.35 Uhr, die Maschine aus Faro um 22.45 Uhr.

"Fluggesellschaft in die Pflicht nehmen"

BUND-Landesgeschäftsführer Thomas Norgall kritisierte, dass Ausnahmeregelungen über Gebühr in Anspruch genommen werden. Er fordert, die Fluggesellschaften "in die Pflicht zu nehmen: Wer rücksichtslos ständig nach 23 Uhr landet, der sollte keine Landeerlaubnis erhalten." Außerdem sei eine Ausweitung des Nachtflugverbots von sechs auf acht Stunden nötig.

Kritik wegen gestrichener Flüge

Der "Low-Cost-Anteil" am Flugaufkommen in Frankfurt, unter den auch die Ryanair-Machinen fallen, beträgt etwa zwei bis vier Prozent, wie ein Fraport-Sprecher sagte.

Ryanair ist gerade erst in die Negativ-Schlagzeilen geraten, weil die Airline im Winterflugplan von November bis März europaweit etwa 18.000 Flüge streicht, auf die schon etwas weniger als 400.000 Passagiere gebucht sind. Ryanair hatte dies auch damit begründet, man wolle wieder pünktlicher werden - zuletzt sei die Pünktlichkeitsquote auf unter 80 Prozent gefallen. Betroffen von den Streichungen ist auch Frankfurt, unter anderem wurden Abendflüge von und nach Alicante abgesagt. Hier fallen dadurch rund 500 Verbindungen weg.

Sendung: hr-iNFO, 16.10.2017, 18.00 Uhr