100 Tage nach der Übernahme durch den französischen PSA-Konzern legt Autobauer Opel am Donnerstag seinen Sanierungsplan vor. Wie es zurück in die Gewinnzone gehen soll und was auf die Mitarbeiter in Rüsselsheim zukommt? Fragen und Antworten.

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Opel-Arbeiter in Rüsselsheim

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found 100 Tage nach Opel-Übernahme: Wie geht es weiter in Rüsselsheim?

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Gut drei Monate hatte der neue Opel-Chef Michael Lohscheller Zeit, um nach der Übernahme des Unternehmens durch den französischen Autokonzern PSA einen Sanierungsplan auszuarbeiten. Das Ziel: Opel bis 2020 aus der Verlustzone führen. Nach genau 100 Tagen werden am Donnerstag früh die Mitarbeiter des Rüsselsheimer Autobauers auf einer Betriebsversammlung über den Zukunftsplan informiert, dann die Öffentlichkeit. Fragen und Antworten zur Situation bei Opel.

Warum muss Opel saniert werden?

PSA-Chef Carlos Tavares erwartet von Opel schwarze Zahlen. Er hat dabei ziemlich konkrete Vorstellungen: Bis 2020 soll Opel einen operativen Gewinn von zwei Prozent des Umsatzes erwirtschaften, 2026 sollen es dann bereits sechs Prozent sein. Zunächst einmal gibt er dabei dem Opel-Management selbst die Chance, das Unternehmen wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Sollte die Rückkehr in die Gewinnzone nicht gelingen, könnte das drastische Folgen für die Opelstandorte in Deutschland und Europa haben.

Was wird im Sanierungsplan stehen?

Es geht vor allem darum, die Kosten zu senken, so dass am Ende mit jedem verkauften Fahrzeug Geld verdient wird. Dabei dürften sich die Manager noch einmal alle Abläufe und Strukturen in Verwaltung, Entwicklung und Produktion genau angeschaut haben. PSA Chef-Tavares hatte zuletzt mehr Effizienz bei Opel gefordert.

Zudem muss in Zusammenarbeit mit PSA geschaut werden, wo durch enge Zusammenarbeit Kosten gespart werden können. Hier bieten sich die Bereiche Einkauf, Entwicklung und gemeinsame Nutzung von Autoplattformen an. Erste Erfahrungen in der Zusammenarbeit konnten die Unternehmen bereits sammeln: Mit dem CrosslandX und dem GrandlandX stehen bei den Opelhändlern zwei Autos, die in Zusammenarbeit mit PSA entwickelt wurden. Insgesamt beziffert Opel das Einsparpotenzial durch die künftige, noch engere Zusammenarbeit auf 1,7 Milliarden Euro.

Was bedeutet das für Rüsselsheim und die Mitarbeiter?

Der Betriebsrat hat in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2018 ausgeschlossen seien. Darüber hinaus würden Produktzusagen für einzelne Werke, die noch aus der GM-Zeit stammen, auch über 2020 hinaus Arbeitsplätze sichern. PSA-Chef Tavares will eine generelle Arbeitsplatzgarantie für die Zeit nach 2018 nicht abgeben, er betonte allerdings auch, dass ein Jobkahlschlag nicht die Lösung sei.

Dennoch herrscht bei den Mitarbeitern Nervosität, nicht nur mit Blick auf die Produktion in den einzelnen Werken, sondern auch etwa im Rüsselsheimer Design- und Entwicklungszentrum. Welche Rolle kann das Zentrum künftig im PSA-Konzern spielen, fragen sich die Mitarbeiter.

Der Wechsel von General Motors zu Peugeot Citroen hat aber auch Einfluss auf die zahlreichen Zulieferer, die sich unter anderem in und um Rüsselsheim angesiedelt haben. Nicht jeder kann sich sicher sein, auch in Zukunft noch Komponenten an das Werk zu liefern oder mit Dienstleistungen beauftragt zu werden. Rüsselsheims Oberbürgermeister hatte zuletzt davon gesprochen, dass viele Zulieferer in Rüsselsheim bereits Zurückhaltung bei Aufträgen von Opel verzeichnen würden.

Wie steht Opel aktuell da?

Das Opel-Image hat sich in den vergangen Jahren deutlich verbessert. Die Rüsselsheimer punkteten mit neuen Fahrzeugmodellen und überraschenden Werbekampagnen wie "Umparken im Kopf", als Opel mit dem eigenen Image spielte.

Auch die Marktanteile haben sich verbessert, wenn man auch noch Welten von früheren Höchstwerten entfernt ist. Zuletzt ging der Marktanteil in Europa allerdings wieder etwas zurück, und das Unternehmen fährt noch immer Verluste ein. Dazu beigetragen haben auch externe Effekte wie der Brexit oder der Rückzug vom russischen Markt.

Im PSA-Konzern spielt Opel allerdings eine deutlich wichtigere Rolle als zuvor bei General Motors. Hier ist Opel gemessen an der Zahl der verkauften Autos die wichtigste Marke: Im September wurden in Europa 90.000 Opel- oder Vauxhall-Fahrzeuge neu zugelassen. Peugot kam auf rund 75.000, Citroen und der Ableger DS auf zusammen etwas unter 50.000 Autos.

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Logos von Opel und Peugeot

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Opel-Händler: "Das Geschäft läuft wie gewohnt weiter"

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