Fraport Flughafen Frankfurt Passagiere Andrang Schalter
Passagiere stehen Schlange in einer Schalterhalle des Frankfurter Flughafens. Bild © picture-alliance/dpa

Fraport will nach dem ersten Passagierrückgang seit sieben Jahren wieder mehr Gäste an den Frankfurter Flughafen holen. Dazu gehörten auch Billigflieger, sagte Fraport-Chef Schulte, der eine Prognose bis 2023 wagte.

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In Frankfurt soll die Zahl der Fluggäste von zuletzt knapp 61 Millionen in diesem Jahr um zwei bis vier Prozent zulegen. Noch vor 2023 erwarte man rund 68 Millionen Passagiere im Jahr, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte.

Mit Blick auf das Wachstum werde der Bau des Terminals 3 wie geplant vorangetrieben, erklärte Fraport. Die Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts sei für 2023 vorgesehen.

Streit mit Lufthansa

Im vergangenen Jahr war die Zahl der Fluggäste um 0,4 Prozent gefallen. Das war das erste Minus seit 2009. Um die Trendwende zu schaffen, hat Fraport die irische Billigfluglinie Ryanair nach Frankfurt. Zum Ärger des Großkunden Lufthansa, der nun mehr Konkurrenz bekommt. Erst am Donnerstag hatte Lufthansa die finanzielle Starthilfe des Flughafens für Ryanair kritisiert.

Doch Schulte hält an dem Kurs fest. "Wir müssen uns bewegen, da wir in den vorigen Jahren Passagiere, die Low-Cost fliegen, an die Flughäfen Köln/Bonn oder Stuttgart verloren haben.", erklärte er. In Frankfurt kommen Billigflieger derzeit auf einen Anteil von vier Prozent, an anderen Drehkreuzen sind es nach früheren Aussagen von Schulte 20 Prozent bis 30 Prozent.

An den Werten lasse sich die Entwicklung in Frankfurt in den nächsten fünf bis zehn Jahren ablesen, sagte Schulte. Ryanair stationiert noch diesen Monat zunächst zwei Flugzeuge in Frankfurt, im Herbst wird die Flotte auf sieben aufgestockt.

Schulte äußert sich gelassen - SPD mahnt

Schulte gab sich im Tonfall gelassener als Lufthansa am Vortag, als diese die Stationierung neuer Maschinen am Flughafen München angekündigt hatte. Lufthansa werde die Langstrecke auch in Frankfurt ausbauen, zeigte sich der Fraport-Chef überzeugt. Zudem komme sie 2018 mit ihrer Billigtochter Eurowings nach Frankfurt. Über das umstrittene Rabattsystem sei man in konstruktiven Gesprächen, sagte Schulte.

SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel mahnte die schwarz-grüne Landesregierung, auf einen Ausgleich zwischen der Lufthansa und Fraport hinzuarbeiten. "Allerdings kann ich bisher kein wie auch immer geartetes Engagement des Kabinetts erkennen", sagte er. Die Vorsitzende der Linken-Fraktion im Landtag, Janine Wissler, warnte vor weiterem Wachstum. "Die Logik und die Interessen des börsennotierten Privatunternehmens Fraport stehen eklatant gegen die Interessen der Menschen, die von Lärm und Schadstoffen betroffen sind", sagte sie.

Vorstand erwartet Milliarden-Gewinn

Geschäftlich profitierte Fraport voriges Jahr von Sondererlösen. Das operative Ergebnis stieg 2016 um ein Viertel auf den Rekordwert von 1,05 Milliarden Euro. Einen großen Teil dazu trägt eine Entschädigung von knapp 200 Millionen Euro für ein fehlgeschlagenes Terminalprojekt auf den Philippinen bei. Zudem verkauften die Hessen im Geschäftsjahr 10,5 Prozent der Anteile am Airport im russischen St. Petersburg für 40,1 Millionen Euro. Die Dividende werde deshalb um 15 Cent auf 1,50 Euro je Aktie erhöht.

Der Jahresumsatz stagnierte aber wegen der rückläufigen Passagierzahlen bei 2,6 Milliarden Euro. Für das Geschäftsjahr 2017 rechnet der Vorstand mit einem operativen Ergebnis von 980 bis rund 1,02 Milliarden Euro.