Passagiere stehen an Schaltern im Terminal 2 des Frankfurter Flughafens Schlange.
Passagiere stehen an Schaltern im Terminal 2 des Frankfurter Flughafens Schlange. Bild © Imago

Marathon-Schichten zum Dumpinglohn? Ein Check-in-Dienstleister und eine Gewerkschaft streiten am Frankfurter Flughafen um einen Tarifvertrag. Erneut geht es um Arbeitsbedingungen im Low-Cost-Zeitalter.

Für die Menschen vor dem Schalter geht es in den Urlaub, für die dahinter in die Altersarmut: So zumindest beschreibt die Gewerkschaft Verdi die Lage von Mitarbeitern des Check-In-Dienstleisters AHS am Flughafen Frankfurt.

"Das Geschäftsmodell von AHS ist nicht sozialverträglich, die Leute hier in Frankfurt brechen mitunter zusammen. Sie arbeiten oft ohne Pause, länger als zehn Stunden", sagt Gewerkschaftssekretär Sebastian Marten vom Verdi-Flughafenbüro zu hessenschau.de. "Wir wollen aus der Mindestlohnecke raus und einen Tarifvertrag, der die Existenz unserer Mitglieder sichert."

Neuer Tarifkonflikt am Flughafen

Die harschen Worte zeigen: Am Flughafen droht erneut ein Tarifkonflikt zu eskalieren. Die Aviation Handling Services GmbH und Verdi liegen weit auseinander, auch wenn AHS-Sprecher Tim Alexandrin sagt, man habe schon an anderen Standorten mit Sozialpartnern wie Verdi kooperiert. Für Frankfurt sagt er: "Derzeit laufen die Terminabstimmungen, erste Verhandlungen finden voraussichtlich bereits im September statt."

AHS ist einer von mehreren unabhängigen Check-in-Dienstleistern, die sich am Flughafen anbieten. Rund 230 AHS-Mitarbeiter kümmern sich in Frankfurt um Passagiere von 17 Airlines. Nach Verdi-Angaben unter Überlast, weil fast ein Viertel der Stellen unbesetzt sei.

Mitarbeiter nach Frankfurt geholt

Der AHS-Sprecher lässt durchblicken, dass die Belastung in der Tat hoch ist. "Derzeit leisten unsere Mitarbeiter Herausragendes", sagt er. Man habe bereits Mitarbeiter anderer Standorte nach Frankfurt geschickt, um sie zu entlasten. Der überwiegende Teil der Mitarbeiter in Frankfurt bekäme aber mehr als den Mindestlohn, widerspricht er der Gewerkschaft.

Flughafenbetreiber Fraport sieht sich bei dem Streit außen vor. Airlines und Dienstleister machten die Verträge unter sich aus, sagt ein Sprecher. Bei Check-In-Leistungen herrsche freier Wettbewerb, anders als auf dem Vorfeld, wo eine begrenzte Zahl an Firmen per Ausschreibung zugelassen wird.

"Am Ende der Nahrungskette"

Doch der aufziehende Konflikt könnte am Ruf des ganzen Frankfurter Flughafens kratzen: Seit den Rabatten für Billigflieger Ryanair beäugt die Öffentlichkeit, was Ramschpreise für die Arbeitsbedingungen bedeuten.

AHS beschreibt den Druck in der Branche: "Generell stehen die Bodenverkehrsdienste am unteren Ende der Nahrungskette im Luftverkehr." Die Margen seien besonders gering, der Wettbewerb hoch, Besserung unter den aktuellen Marktbedingungen kaum in Sicht, sagt Sprecher Alexandrin.

Verdi sieht Flughäfen verantwortlich

Die Gewerkschaft glaubt, in so einer Lage komme der Konkurrenz ein Preisdrücker in ihren Reihen ganz gelegen. Zwar ist AHS ein kleiner Dienstleister, der im vergangenen Jahr gerade einmal 1,4 Millionen der 60,8 Millionen Passagiere in Frankfurt abfertigte. Andere Dienstleister, darunter Fraports eigener, zahlen tarifgebunden bessere Löhne als AHS.

Doch die beim Verdi-Bundesvorstand für Flughäfen zuständige Tarifsekretärin Katharina Wesenick sagt: "AHS macht im Interesse der Flughäfen Dumpingpreise." Sie glaubt an folgende Strategie: Niedrige Kosten sollen viele Fluglinien mit vielen Passagieren anlocken, weil Flughäfen heute mit Parkgebühren, Läden und Gastronomie den größten Profit machten.

"Steuerzahler subventioniert mit"

Ein wenig um die Ecke gedacht argumentiert Verdi zudem, Fraport sei nicht so gänzlich ohne Einfluss bei AHS. Fraport besitze 30 Prozent der Anteile am Flughafen Hannover, der wiederum 29,75 Prozent der AHS-Holding. Auch die anderen Anteilseigner seien größtenteils öffentlich betriebene Flughäfen.

Indirekt betreibe so die öffentliche Hand ein privates Unternehmen ohne Tarifbindung, dessen Mitarbeiter ihre Löhne anschließend nicht selten vom Amt aus den Sozialkassen aufstocken ließen, sagt Wesenick. "Letztlich werden so die Flugtickets vom Steuerzahler subventioniert."

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