Hessencheck Versorgung - ein Zuge fährt durch einen Bahnhof
Bild © Imago/Collage: hessenschau.de

Schule, Ärzte und Nahverkehr: Einrichtungen wie diese spielen im Alltag eine unverzichtbare Rolle für die Menschen. Doch wie gut ist Hessen hier aufgestellt? Eine Analyse in neun Grafiken und Karten.

Einkaufen, Arbeit oder Arztbesuch: Wer kein eigenes Auto besitzt, ist in weiten Teilen Hessens auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Was in Städten wie Frankfurt oder Kassel vielleicht ohnehin die bessere Alternative ist, kann andernorts zu einer großen Belastung werden - nämlich dann, wenn die Anbindung ans ÖPNV-Netz zu wünschen übrig lässt. Trotz einer hohen Abdeckung gibt es auch in Hessen einige Lücken. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat untersucht, wie weit die durchschnittliche Entfernung (Luftlinie) in den 426 Städten und Gemeinden zur nächsten Haltestelle mit einem Anschluss an ein Mittelzentrum ist. Als Mittelzentrum gilt eine Stadt, die in der Regel mindestens 35.000 Einwohner hat und über eine Infrastruktur mit Einrichtungen wie Fachärzten, Krankenhaus, Kino und weiterführenden Schulen verfügt.

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Fazit: Vor allem im Osten Hessens werden die Wege ziemlich weit. Spitzenreiter in dieser Wertung ist der Ort Hilders in der Rhön. Dort beträgt die Distanz zur nächsten Haltestelle elfeinhalb Kilometer, gefolgt vom benachbarten Ehrenberg (10.800 m). Weite Strecken sind neben der Rhön auch im Vogelsberg, in Teilen Hersfeld-Rotenburgs und ganz im Süden Hessens an der Tagesordnung. Das heißt nicht, dass man aus diesem Ort gar nicht wegkommt - der Anschluss an ein Mittelzentrum ist aber nicht ohne Umsteigen möglich.

Wie pendeln die Hessen zur Arbeit?

Auf die Frage, wie die Hessen zur Arbeit pendeln, gibt es eine klare Antwort: mit dem Auto. Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer (55%) setzt auf seinem Weg zur Arbeit auf dieses Verkehrsmittel. Busse und Bahnen zusammen genommen nutzen rund 13 Prozent diese Verkehrsmittel für den längsten Streckenabschnitt ihres Arbeitsweges. Mit dem Fahrrad kommen etwas über vier Prozent der Arbeitnehmer an ihren Arbeitsplatz.

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Ein Blick auf die Distanzen zeigt, warum zumindest Fahrrad oder Fußmarsch keine Option sind: Mehr als 40 Prozent der Arbeitnehmer hat einen einfachen Weg zur Arbeitsstätte von mehr als zehn Kilometern. Knapp jeder Vierte hat dagegen einen Weg von weniger als fünf Kilometern, knapp vier Prozent arbeiten von zu Hause.

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Medizinische Versorgung

Kurze, schnelle Wege sind gerade im Krankheitsfall von Vorteil. Doch wie weit der Weg zum nächsten Arzt ist, das kann in Hessen recht unterschiedlich aussehen. Von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Hessen liegen Zahlen vor, wie weit die Entfernung zum nächsten Hausarzt ist. In diesem Fall wurden die konkreten Distanzen über Straßen oder Schienen bemessen, nicht die Luftlinien-Entfernungen. Auch hier zeigt sich wieder der Vogelsberg als "Kreis der weiten Wege". Rund acht Kilometer (8.110 m) muss man dort - im Durchschnitt - zurücklegen, wenn man einen Hausarzt aufsuchen möchte, im Werra-Meißner-Kreis beträgt die Distanz 6.840 Meter. Gerade in diesen Kreisen mit ihrer hohen Altersstruktur können diese Distanzen für ältere Menschen ohne Auto zu einem Problem werden.

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Die Zahl der Einwohner, die ein Hausarzt versorgen muss, liegt in Hessen im Schnitt bei ungefähr 1.500 Menschen - mit einigen Schwankungen. Gerade im Landkreis Darmstadt-Dieburg können die Wartezeiten für Patienten besonders lang werden: Dort versorgt ein Hausarzt knapp 2.000 Menschen. In Hersfeld-Rotenburg sind es dagegen nur knapp 1.400.

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Der Weg zum nächsten Supermarkt

Zum Brötchen holen muss man nicht unbedingt in den nächsten Supermarkt. Für den Großeinkauf bietet sich eine Einrichtung in der Nähe aber trotzdem an. Doch auch hier zeigen sich erhebliche Schwankungen. Wieder ganz vorn: der Vogelsbergkreis. Mehr als 2.000 Meter beträgt die durchschnittliche Entfernung zu einem Supermarkt. Im Odenwaldkreis sind es laut BBSR etwas mehr als 1.800 Meter. Auch hier handelt es sich wieder um Luftlinien-Distanzen - die tatsächliche Wegstrecke auf der Straße kann deutlich mehr betragen, gerade in hügeligen und waldreichen Gebieten.

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Wie gut surft Hessen im Internet?

Der Ausbau mit Breitbandinternet ist in Hessen in vollem Gange. Doch noch sind nicht alle Gebiete des Landes mit einem schnellen Anschluss versorgt. Der TÜV Rheinland misst im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), wie weit der Breitbandausbau fortgeschritten ist. Fazit: Bei den Bandbreiten bis mindestens 2 Mbit pro Sekunde ist der Anschluss der Ortschaften bis auf einige Mini-Lücken schon recht flächendeckend. Bei 6 Mbit/s, was für bequemes Internetsurfen Minimum sein sollte, werden die Löcher an einigen Stellen hingegen schon etwas größer. Im Schwalm-Eder-Kreis etwa liegt die Abdeckung nur bei 92 Prozent. Richtig auseinander geht es bei den großen Bandbreiten von 30 Mbit/s und mehr. Hier liegen die Werte in einigen Landkreisen noch deutlich unter 50 Prozent.

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Gemessen wird dabei ohnehin nur der Anschluss der Ortschaften ans Breitbandnetz. Wie es dann ganz konkret in den Haushalten aussieht, hängt noch von vielen anderen Faktoren wie etwa dem jeweiligen Anbieter oder dem Anschluss auf der "letzten Meile" vom Verteilerkasten an den heimischen Router ab.

Wie steht es um die Pflege?

Die Hessen werden immer älter. Damit steigt aber auch der Anteil an pflegebedürftigen Menschen im Land. Dies trifft besonders stark auf die Landkreise im Norden und Osten Hessens zu, die immer älter werden, während zudem Jüngere abwandern. Zwischen der Zahl an Pflegebedürftigen in Hessen und den zur Verfügung stehenden Heimplätzen klaffen oftmals Lücken, auch wenn natürlich nicht immer alle Pflegebedürftigen auch in einem Pflegeheim betreut werden müssen. Im Werra-Meißner-Kreis kommen nach Zahlen des BBSR 534 pflegebedürftige Menschen auf 10.000 Einwohner. Im Gegenzug gibt es knapp 160 Pflegeheimplätze. Im Main-Taunus-Kreis beträgt die Zahl der Pflegebedürtigen nur knapp die Hälfte.

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Kinderbetreuung schwankt zwischen Stadt und Land

Im Bereich der Kinderbetreuung ist in den vergangenen Jahren viel passiert. Gerade bei der Ganztagsbetreuung (mindestens 7 Stunden pro Tag) zeigen sich große Unterschiede in Hessen. Tendenziell werden vor allem in den Großstädten Kindergartenkinder (3-6 Jahre) und Kleinkinder (unter 3) stärker auf diese Weise betreut. In Frankfurt sind inzwischen zwei Drittel aller Kindergartenkinder ganztags in Betreuung - im Landkreis Kassel ist es dagegen nur jedes Vierte.

Recht unterschiedlich ist auch, um wie viele Kinder sich eine Erziehungskraft im Kindergarten oder der Kita zu kümmern hat. Hier zeigen sich eher die Städte im Vorteil: So kommen in Frankfurt im Schnitt 6,4 Kinder auf eine Erziehungskraft, während es im Landkreis Fulda fast elf Kinder sind.

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