Hessencheck Datenanalyse Wohnen
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Miete oder Eigentum, allein oder in der Großfamilie: Wie die Hessen wohnen, was sie dafür zahlen und wo der größte Bedarf besteht, kann sehr verschieden sein. Eine Analyse in neun Grafiken und Karten.

So setzen sich die Haushalte zusammen

Es ist ein Trend, der besonders ins Auge sticht: Der Hesse wohnt zunehmend allein. Seit der Anfangszeit des Bundeslandes hat sich die Zahl der Singlehaushalte beständig erhöht. Wurde 1950 nur knapp jeder fünfte Haushalt von nur einer Person bewohnt, so beträgt der Anteil heute mehr als 40 Prozent. Auch die Zahl der Zweipersonenhaushalte hat über die Jahrzehnte zugenommen, wobei die Tendenz zuletzt wieder rückläufig war. Auf dem absteigenden Ast dagegen: klassische "Familienhaushalte" mit drei, vier oder noch mehr Personen.

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Natürlich ist damit noch nichts über den Beziehungsstatus einer Person gesagt (darüber gibt es keine zuverlässigen Statistiken), sondern nur ob sie alleine lebt oder nicht. Doch nicht überall sind die Verhältnisse die gleichen. Schon auf Kreisebene sind die Unterschiede zwischen den Großstädten und den eher ländlichen Gebieten in Hessen recht groß (siehe unten). Noch spannender wird es, wenn man sich einzelne Städte und Gemeinden anschaut. Die letzten verfügbaren Zahlen sind zwar von 2011, doch die Tendenz dürfte geblieben sein.

"Singlehauptstadt" war demnach Gießen: Fast jeder zweite Haushalt (48,8%) in der vor allem von Studierenden geprägten Stadt war nur von einer Person bewohnt. Ebenfalls recht weit vorne zu finden: Kurstädte wie Bad Nauheim (43%) und Bad Orb (42%). Das erscheint nur auf den ersten Blick seltsam, leben dort doch besonders viele ältere Menschen, die häufig verwitwet und damit - statistisch gesehen - ebenfalls Bewohner von "Singlehaushalten" sind.

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So viel Wohnfläche haben die Hessen

Wie viel Wohnraum steht den Menschen in Hessen zur Verfügung? Das ist sehr unterschiedlich und hängt vor allem mit der Einwohnerdichte zusammen. Die Faustregel lautet: Je mehr Menschen zusammen auf einer Fläche leben, desto niedriger wird die Wohnfläche pro Kopf. Im Vogelsberg, wo durchschnittlich nur 74 Menschen pro Quadratkilometer leben, hat jeder Bewohner im Schnitt 55 Quadratmeter allein für sich zur Verfügung. In Offenbach sind es nur 37 Quadratmeter.

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Wer sich wie viel Wohnfläche leisten kann, hängt natürlich nicht nur mit dem zur Verfügung stehenden Angebot zusammen, sondern auch mit den finanziellen Mitteln. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat daher ausgerechnet, wie viel Wohnfläche ein Haushalt sich leisten kann, wenn für die Miete 25 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens aufgewendet werden. Die Unterschiede sind erstaunlich. Im Schwalm-Eder-Kreis kann sich ein Haushalt damit eine 113 Quadratmeter große Wohnung leisten. In Offenbach bekommt man nur 68 Quadratmeter. In der Stadt sind die Mieten zwar deutlich günstiger als beim Nachbarn Frankfurt (70 m²), aber die Menschen sind in der Regel auch ärmer.

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So günstig oder teuer wohnen die Hessen

Wie teuer (oder günstig) ist das Wohnen in Hessen überhaupt? An dieser Stelle werden die Unterschiede in Hessen noch brisanter. Amtliche Statistiken für Preise von Mietwohnungen oder -häusern gibt es hessenweit nicht. Der Markt bestimmt das Angebot. Das Institut Wohnen und Umwelt in Darmstadt fragt regelmäßig 120 verschiedene Online-Plattformen ab, auf denen Wohnraum angeboten wird, und ermittelt Durchschnittswerte. Auch wenn dabei nur Neuvermietungen berücksichtigt werden können sowie der soziale Wohnungsmarkt größtenteils ausgeschlossen ist, sind die Zahlen sehr aussagekräftig.

Mit einer durchschnittlichen Quadratmetermiete von 13,11 Euro nimmt Frankfurt den unrühmlichen Spitzenplatz in dieser Kategorie ein. Aber auch in den Taunus-Städten Bad Homburg und Kronberg sowie in Wiesbaden werden zweistellige Preise aufgerufen. Am günstigsten lebt es sich hingegen in Bad Karlshafen. In dem Kurort im Landkreis Kassel kostet ein Quadratmeter im Schnitt 3,92 Euro Miete - dreieinhalb mal weniger als in Frankfurt.

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Noch größer sind die Preissprünge in den vergangenen Jahren aber beim Wohneigentum, konkret bei Häusern, gewesen. Weil die Fallzahlen niedriger sind als auf dem Mietmarkt, liegen nur Zahlen für Landkreise und kreisfreie Städte vor (Der besseren Vergleichbarkeit wegen beziehen sich die Preise auf ein Referenzobjekt: freistehendes Einfamilienhaus, 40 Jahre alt, 150 m² Wohnfläche). Weitgehend losgelöst vom Rest des Landes hat sich offenbar Frankfurt: Ein Einfamilienhaus kostete dort im vergangenen Jahr im Schnitt 654.000 Euro. Drei Jahre zuvor waren es nur 480.000 Euro. Im laufenden Jahr dürfte der Wert auf über 700.000 Euro klettern.

Am anderen Ende der Skala befindet sich der Vogelsbergkreis, wo eine vergleichbare Immobilie lediglich 120.000 Euro kostet. Dort sinken die Preise inzwischen sogar: Noch vor drei Jahren lag der Wert um 4.000 Euro höher.

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zum Video hessenreporter: Hessencheck - wie wir wohnen

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Wohnung oder Haus?

Leben die Hessen eher in großen Mehrfamilienhäusern oder in Ein- und Zweifamilienhäusern? Die Ergebnisse sind nicht überraschend, interessant ist aber ihr Ausmaß: Die meisten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gibt es (relativ zur Zahl der Haushalte betrachtet) in Frankfurt (87,3%), gefolgt von den weiteren Großstädten. Im Vogelsberg bewohnen die Haushalte dagegen überwiegend Ein- und Zweifamilienhäuser (78,6%). Interessant ist, dass sich das Verhältnis nahezu umdreht: In Frankfurt ist der Anteil der Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mehr als vier Mal so hoch wie im Vogelsberg.
Ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis haben die Landkreise Groß-Gerau und Hochtaunus.

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Eigentümerquote und Leerstand

Ähnlich unterschiedlich sind die Ergebnisse auch bei der Frage, wer in den eigenen vier Wänden wohnt. Im Vogelsberg (63,6%) und im Schwalm-Eder-Kreis (62,2%) beträgt die Eigentümerquote deutlich über 60 Prozent. In einzelnen Gemeinden klettert sie sogar weit über 70 Prozent. In den großen Städten wohnen die Menschen hingegen überwiegend zur Miete. In Frankfurt bewohnt nur jeder Fünfte (20,2%), in Offenbach nur jeder Vierte (23,2%) die eigene Immobilie. Hessenweit betrachtet hält sich das Verhältnis die Waage (Eigentümerquote 49%). Damit liegt das Land leicht über dem Bundesdurchschnitt von 46 Prozent.

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Leerstand ist in vielen Regionen Hessens ein Problem. Den mit Abstand größten Leerstand gibt es im Werra-Meißner-Kreis. 6,6 Prozent aller Wohnungen stehen dort leer. Den geringsten Leerstand gibt es überraschend nicht in einer kreisfreien Großstadt, sondern im Main-Taunus-Kreis mit 2,5 Prozent (gleichauf mit Darmstadt). Betrachtet man die Gemeinden, gehen die Daten noch weiter auseinander (um die Werte zu betrachten, die Karte umschalten). Spitzenreiter ist Schwarzenborn mit einer Quote von 12,2 Prozent. Der relativ kleine Ort ist stark geprägt von der Bundeswehr, die dort im Zuge von Umstrukturierungen viele zivile Stellen abgebaut hat. Hinter Schwarzenborn folgen Bad Karlshafen (10%) und Sensbachtal (9,1%). Den geringsten Leerstand hat der Main-Taunus-Ort Hochheim (1,7%),

Wo werden die meisten neuen Wohnungen benötigt?

Weil immer mehr Menschen ins Rhein-Main-Gebiet drängen, besteht dort eine große Nachfrage nach Neubauwohnungen. Wenig überraschend liegt Frankfurt beim Neubaubedarf in absoluten Zahlen vorn. Im Durchschnitt werden hier bis 2030 jedes Jahr 2.290 neue Wohnungen benötigt, wobei die Zahlen von Jahr zu Jahr rückläufig sind (im Jahr 2030 laut Prognose nur noch 1.060 neue Wohnungen). Wenn man die Daten auf die Einwohner umrechnet, ergibt sich ein anderes Bild. Relativ gesehen ist in Darmstadt die Nachfrage am größten. Hier werden pro 10.000 Einw. bis 2030 im Schnitt 44 neue Wohnungen benötigt, gefolgt von den um Frankfurt liegenden Kreisen Groß-Gerau und Main-Kinzig. Schlusslichter sind Werra-Meißner (11) und Kassel-Stadt (12).

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