Hessencheck Geld & Arbeit - Szene in einem Großraumbüro
Bild © Imago/Collage: hessenschau.de

Armut und Reichtum liegen in Hessen eng beieinander. Wie viel Geld die Hessen verdienen und womit, ist dagegen sehr unterschiedlich. Eine Analyse in neun Grafiken und Karten.

Eine Zahl fällt auf den ersten Blick ins Auge: 3,34 Millionen Hessen waren im vergangenen Jahr erwerbstätig. So viele wie noch nie in der Geschichte des Landes. Der Aufwärtstrend hält nun schon seit rund zehn Jahren an. Das hängt zum einen mit der steigenden Zahl an Einwohnern in Hessen und der guten Konjunkturlage zusammen, aber auch mit einer Veränderung des Arbeitsmarktes: Immer weniger Hessen arbeiten in Vollzeit, dafür gibt es immer mehr Teilzeitarbeitskräfte.

Externer Inhalt Ende des externen Inhalts

Wo arbeiten die Hessen?

Die Bundesagentur für Arbeit unterteilt die Berufswelt in rund 20 Wirtschaftszweige mit mehr als 80 Berufsgruppen. Den größten Zweig stellt mit rund 436.000 Arbeitnehmern das verarbeitende Gewerbe dar (in unten stehender Grafik der blaue Bereich links oben), gefolgt von Handel (dunkelgrau) sowie dem Gesundheits- und Sozialwesen (rot). Die Berufsgruppen, die sich dem Dienstleistungssektor zuordnen lassen, machen insgesamt rund 78 Prozent aus.

Externer Inhalt Ende des externen Inhalts

Die Größen der Branchen haben sich über die Jahre stark verändert. Langfristige Vergleiche sind aber schwierig, weil die Einteilung vor einigen Jahren komplett umgestellt wurde. Zwischen 2007 und 2015 gab es den größten Zuwachs im Bereich Erziehung und Unterricht - ein Plus von 26.198 Arbeitnehmern. Das Sozialwesen wuchs um 25.865 Arbeitnehmer. Das größte Minus gab es in den Gruppen "Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen" (-8.475) sowie "Herstellung von chemischen Erzeugnissen" (-6.610).

Übrigens: Die drei größten Arbeitgeber in der hessischen Wirtschaft gehören zu den Bereichen Handel und Verkehr. Die Fluglinie Lufthansa beschäftigte im August innerhalb Hessens rund 37.000 Menschen, die Supermarktkette Rewe 31.200 und die Deutsche Bahn 27.000.

Was verdienen die Hessen?

3.987 Euro - so viel verdiente ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer in Hessen im vergangenen Jahr im Durchschnitt im Monat. Damit liegt das Bundesland im Deutschlandvergleich ganz weit vorn. Nur im Stadtstaat Hamburg lag der Verdienst noch ein wenig höher (4.027 Euro). Frauen bekommen im Durchschnitt deutlich weniger als Männer. In Hessen lag ihr Verdienst 2015 bei 3.480 Euro - rund 700 Euro weniger als bei den Männern (4.203 Euro). Das heißt zunächst noch nicht, dass Frauen ungerechter bezahlt werden. Bei dem Durchschnittsvergleich wird nicht berücksichtigt, in welchen Branchen Frauen und Männer tätig sind.

Externer Inhalt Ende des externen Inhalts

Weit auseinander gehen die Verdienste auch zwischen den unterschiedlichen Branchen. Das mit großem Abstand höchste Einkommen beziehen Arbeitnehmer im Bereich Finanzen und Versicherungen: im Schnitt 7.700 Euro. Besonders viele dieser Jobs sind im Rhein-Main-Gebiet rund um Frankfurt angesiedelt und erklären auch den Erfolg sowie das hohe Preisniveau der Region. Finanziell am schlechtesten aufgestellt sind Arbeitnehmer im Gastgewerbe, also in Hotels und Gaststätten. Sie verdienen durchschnittlich gerade mal ein Drittel von dem was Arbeitnehmer in der Finanzbranche bekommen: 2.667 Euro.

Externer Inhalt Ende des externen Inhalts

Wie viel steht den Haushalten von den Bruttolöhnen aber am Ende eigentlich zur Verfügung? Unten stehende Grafik zeigt die Verteilung der Nettoeinkommen der privaten Haushalte. Dabei werden die Einkommen aller Haushaltsmitglieder zusammengerechnet. Jeder dritte Haushalt in Hessen hat demnach im Monat netto zwischen 900 und 2.000 Euro zur Verfügung. Das mag eventuell wenig vorkommen, hängt aber mit der Größe der Haushalte zusammen. Zwei von drei Haushalten in der Kategorie 900-2.000 Euro sind Einpersonenhaushalte, also zum Beispiel auch alleinlebende Studenten oder verwitwete Rentner. Mehr als 30 Prozent der Haushalte haben ein Nettoeinkommen von mehr als 3.200 Euro, darunter fallen vor allem Mehrfamilienhaushalte, also Familien.

Externer Inhalt Ende des externen Inhalts

Wie sind die Einkommen im Land verteilt?

Um Informationen über regionale Unterschiede bei den Einkommen zu bekommen, muss man sich das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte anschauen. Dieses wird pro Kopf angegeben und enthält auch Einkünfte aus anderen Quellen, zum Beispiel Mieteinnahmen oder Zinsen sowie auch Sozialleistungen. In den letzten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2014 gibt es einen klaren Ausreißer: Im Hochtaunuskreis lag der Wert bei knapp 30.000 Euro. Damit befindet sich der Kreis, in dem unter anderem die edlen Taunus-Orte Königstein und Kronberg liegen, auch bundesweit ganz vorn. Nur im Kreis Starnberg bei München sind die Einkommen noch höher. Am anderen Ende der Skala sind die Großstädte Kassel (18.621 €) und Offenbach (17.459 €).

Externer Inhalt Ende des externen Inhalts

Grundsätzlich steigen die Zahlen von Jahr zu Jahr an, was in Anbetracht von Inflation und steigenden Ausgaben ja auch verständlich ist. Interessant sind aber die Unterschiede im regionalen Vergleich. So ist das verfügbare Haushaltseinkommen pro Kopf im Landkreis Kassel seit 2000 um 47 Prozent gewachsen. Auch im Vogelsberg, Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg betrug der Anstieg mehr als 40 Prozent. Allerdings kommen diese Kreise von einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Im Hochtaunuskreis, wo das Einkommensniveau schon immer hoch war, kletterte der Wert im gleichen Zeitraum mit 12,2 Prozent am geringsten. Auffällig ist in diesem Vergleich die Stadt Offenbach. Hier lag das Niveau schon im Jahr 2000 niedrig und kletterte bis 2014 auch nur um 17 Prozent.

Das Rätsel von Dietzhölztal

Auf Gemeindeebene liegen hessenweit keine aktuellen Zahlen vor, die letzten sind von 2010. Angegeben werden darin die durchschnittlichen zu versteuernden Einkünfte je steuerpflichtigem Einwohner. Damals ganz vorne: Königstein mit Einkünften von knapp 89.000 Euro je Steuerpflichtigem. Jeder 40. gab dort an, Einkünfte über 500.000 Euro zu haben. Auf Rang drei der Statistik liegt Dietzhölztal. Das erscheint höchst überraschend, hat die kleine Lahn-Dill-Gemeinde doch so gar nichts mit den mondänen Taunus-Orten Königstein und Kronberg zu tun. Hier handelt es sich um einen statistischen Effekt: In dem Ort leben einige wenige Superreiche, darunter der Gründer des Schaltschrankherstellers Rittal, die den Schnitt massiv nach oben ziehen.

Externer Inhalt Ende des externen Inhalts

Armut und Arbeitslosigkeit

Auch Arbeitslosigkeit und Kinderarmut sind im Land unterschiedlich verteilt. Wie eng beides zusammen hängt, zeigen die beiden unten stehenden Karten. In beiden Kategorien ist Offenbach das Schlusslicht: Jedes dritte Kind bzw. Jugendliche (34,5%) unter 18 Jahren ist dort laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung von Armut betroffen. Die Arbeitslosenquote beträgt knapp zehn Prozent. Oftmals zeigen sich starke Gegensätze zwischen den hessischen Großstädten, wo Arbeitslosigkeit und Armut in der Regel höher sind, und dem benachbarten Umland. Besonders ausgeprägt ist dieser Konflikt zwischen der Stadt und dem Landkreis Kassel. Während die Arbeitslosenquote im Kreis nur bei vier Prozent liegt, ist sie in der Documenta-Stadt mehr als doppelt so hoch (8,9%). Bei der Kinderarmut ist der Gegensatz ähnlich groß.

Externer Inhalt Ende des externen Inhalts

Wofür geben die Hessen ihr Geld aus?

Bei den Ausgaben der Haushalte gibt es einen Posten, der heraussticht: Im Durchschnitt 930 Euro gibt jeder Haushalt für Wohnen und Energieversorgung aus (Stand 2013). Dahinter folgen Ausgaben für Verkehr undd Transport (362 €) sowie Nahrungsmittel und Getränke (352 €). Schlusslicht ist die Bildung: Dafür gibt jeder Haushalt durchschnittlicht im Jahr 25 Euro aus.

Externer Inhalt Ende des externen Inhalts
Videobeitrag

Video

zum Video hessenreporter: Hessencheck - Jobs, Tops und Flops

Ende des Videobeitrags