Macron Wahlsieger
Der neugewählte Präsident Emmanuel Macron am Sonntagabend vor dem Pariser Louvre. Bild © picture-alliance/dpa

Hessens Wirtschaft zeigt sich erleichtert über den Wahlsieg von Emmanuel Macron in Frankreich. Viele Unternehmer hoffen auf gute Geschäfte - einige Wirtschaftsvertreter warnen aber auch vor zu viel Euphorie.

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Am Tag nach der Präsidenten-Wahl in Frankreich ist in Hessens Wirtschaft vor allem eines zu spüren: ein erleichtertes Aufatmen über den sozialliberalen Wahlsieger Emmanuel Macron - und eben nicht Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National. Sie hätte Frankreich Abschottung in der Wirtschaftspolitik und einen europafeindlichen Kurs verordnet. Macron sei eine gute Wahl, ist sich die hessische Wirtschaft grundsätzlich einig, weil er die EU und den so wichtigen Binnenmarkt stärken will.

Chemische Industrie : Frankreich als Handelspartner "lebensnotwendig"

Die möglichen wirtschaftlichen und politischen Folgen einer Präsidentin Le Pen hätten die Wirtschaft verunsichert, sagt Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie mit Sitz in Frankfurt: "Weil damit die EU und der Euro auf dem Spiel gestanden hätten."

Denn der europäische Binnenmarkt und die enge Vernetzung mit der französischen Wirtschaft sind lebensnotwendig für die hessischen Unternehmen. Frankreich ist Hessens drittwichtigster Handelspartner in den Industriezweigen Chemie, Pharma und Maschinenbau.

Eine "Agenda 2010" für Frankreich?

Große Erleichterung war daher auch beim Verband der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) spürbar. VDMA-Chef Thilo Brodtmann betonte gegenüber hr-iNFO, wie wichtig Frankreich für Hessen sei. Viele kleine und mittelständische Unternehmen pflegten intensiven Handel mit dem Nachbarland - insofern sei der Wahlausgang für die hessische Bevölkerung genauso wichtig wie für die Bundesbevölkerung.

Macron sei ein Hoffnungsträger, findet Stefan Hoehl, Arbeitsmarktexperte bei der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU). Er hofft, dass Frankreich mit dem neuen Präsidenten wirtschaftlich wieder stärker wird: "Beim Wirtschaftswachstum hat Frankreich in den letzten Jahren etwas vor sich hingedümpelt, genauso bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit."

Das hemme auch die deutsche Wirtschaft. Arbeitsmarktexperte Hoehl fordert daher Strukturreformen in Frankreich, ähnlich der Agenda 2010 in Deutschland. 

Banken warnen vor zu viel Euphorie

Macron scheint solchen Reformen nicht abgeneigt. Er hat bereits angekündigt, das Arbeitsrecht lockern, 120.000 Stellen im öffentlichen Dienst streichen und 60 Milliarden Euro einsparen zu wollen. Doch das Kürzen sozialer Errungenschaften löst in Frankreich schnell Protest aus – schon einige Vorgängerpräsidenten bissen sich etwa an der Abschaffung der 35-Stunden-Woche die Zähne aus. Macron will sie nun zumindest aufweichen.

Mehrheiten für seine Wirtschaftspolitik zu finden, das dürfte die Herausforderung für den parteilosen Macron werden. Bei vielen Linken in Frankreich ist er schon jetzt unbeliebt – und als Neoliberaler verschrien. Das Land ist gespalten.

Der Chefökonom der Frankfurter DZ-Bank, Stefan Bielmeier, warnt deshalb vor zu viel Erleichterung über Macron. Der Rechtspopulismus sei keinesfalls besiegt. Im Gegenteil: Gebe es unter Macron keine deutliche Besserung, sei die Gefahr groß, dass Le Pen bei den nächsten Wahlen in fünf Jahren triumphiere.