Zwei Roboter, im Hintergrund Hollick und Rhein.
Sieht aus wie Lego, kann aber Leben retten: Entwickler Matthias Hollick (links) und Wissenschaftsminister Boris Rhein stellen Rettungsroboter vor. Bild © picture-alliance/dpa

671 Millionen Euro hat Hessen in den letzten Jahren in ein Programm gesteckt, das Forschung und Entwicklung fördern soll. Die Erwartungen sind hoch. Inzwischen werden Ergebnisse sichtbar - ein Rettungsroboter zum Beispiel.

Es ist dunkel. Überall liegen Steine, Erde rieselt von der Decke. Surrend bahnt sich Tracker seinen Weg. Eine Tür ist im Weg, Tracker öffnet sie. Treppenstufen, Tracker besteigt sie. Er ist ein Rettungsroboter. Seine Mission: Verschüttete Menschen finden.

Ähnliche Szenen könnten sich in Zukunft abspielen, wenn der an der TU Darmstadt entwickelte Roboter zur Arbeit geschickt wird. Tracker käme dann zum Einsatz, wenn es für Menschen oder Spürhunde zu gefährlich wäre, zum Beispiel in Kernkraftwerken. Er arbeitet weitestgehend selbstständig, kann komplexe Aufgaben in Katastrophenszenarien lösen und 3D-Karten erstellen. Er braucht keine Fernsteuerung, sondern trifft selbst Entscheidungen, zumindest teilweise.

Der Roboter ist ein Beispiel dessen, was Hessen mit dem Forschungsprogramm "LOEWE" erreichen will. Loewe steht für "Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz" und ist ein Programm der Landesregierung, das seit 2008 wissenschaftliche Projekte in Hessen fördert oder überhaupt möglich macht. Wie zum Beispiel den Rettungsroboter. "In dieser Konstellation wäre das Projekt ohne Loewe-Förderung nicht zustande gekommen", berichtet Entwickler Matthias Hollick, Professor an der TU Darmstadt.

Insgesamt 1,5 Milliarden Euro an Unterstützung

Insgesamt rund 671 Millionen Euro hat die hessische Landesregierung zwischen 2008 und 2016 in Loewe gesteckt. EU, Bund und Wirtschaft haben noch einmal 760 Millionen Euro dazu gegeben, außerdem haben beteiligte Unternehmen noch 64 Millionen Euro an Eigenmitteln zur Verfügung gestellt. Insgesamt also rund 1,5 Milliarden Euro, und das nur bisher.

Eine Menge Geld, die "interdisziplinäre und standortübergreifende Forschung auf Spitzenniveau" erreichen soll, sagt Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) am Mittwoch in Wiesbaden, als er den Loewe-Jahresbericht für das Jahr 2015 vorstellte. Im laufenden Jahr sollen 58 Millionen Euro aus dem Loewe-Fördertopf in hessische Forschungsprojekte fließen.

1.330 neue Stellen an Unis

Für die Landesregierung gilt das Programm Loewe als Erfolg - es sei ein Alleinstellungsmerkmal für Hessen, erklärt Ministeriumssprecherin Sissi Hajtmanek. 1.330 zusätzliche Stellen seien in Hochschulen dank Loewe zusätzlich entstanden, darunter 185 Professoren. "Vor wenigen Jahren war Hessen noch kein berühmtes Forschungsland", sagt Hajtmanek. "Das hat sich durch Loewe geändert."

Und auch die Wirtschaft profitiert - "wo Unis sind, wächst die Wirtschaft stärker", sagt Hajtmanek. Konkret heißt es dazu im Jahresbericht: In jedem Unternehmen, das an Loewe teilnimmt, werden zwei Arbeitsplätze gesichert, in jedem zweiten Unternehmen entstehe ein neuer Arbeitsplatz.

Mehrere Unis beteiligt

Doch das passiert in einem Zweig des Loewe-Programms, der vor allem die Vernetzung von Hochschulen und kleinen bis mittelständischen Unternehmen zum Ziel hat. Den Roboter Tracker betrifft es nicht - Hollick und seine Kollegen betreiben Grundlagenforschung. Sie nehmen an Wettbewerben teil und erzielen dort "sehr, sehr gute Ergebnisse", berichtet Hollick.

Er ist Teil des Schwerpunkts "Nicer", eine Kooperation zwischen der TU Darmstadt und den Unis Marburg und Kassel - an allen drei Standorten werden Lösungen für Katastrophenfälle entwickelt. Mit 4,5 Millionen Euro unterstützt Hessen das Projekt drei Jahre lang.

Aber bis Tracker oder seine Nachfolger tatsächlich einsatzbereit sind und Roboter Menschen in aller Welt retten, werden sicherlich noch einige Jahre vergehen, schätzt Hollick. Aber er betont auch, dass die an der TU Darmstadt geleistete Arbeit auch für die Wirtschaft interessant ist. "Es gibt große Industrieunternehmen, die Interesse an Robotern mit derartigen Fähigkeiten haben", sagt er. Diese könnten etwa auf Ölbohrinseln eingesetzt werden.

Sendung: hr-iNFO, 19.04.2017, 15.40 Uhr