Besucher auf der IAA vor einer Mercedes-Benz-Studie
Besucher auf der IAA vor einer Mercedes-Benz-Studie Bild © picture-alliance/dpa

Feuerwerk, Lasershows, Videospektakel: In der Vergangenheit investierten Autobauer Millionen in ihren Auftritt auf der IAA in Frankfurt. Doch dieses Mal bleiben viele Hersteller fern. Das Konzept der Messe steht auf dem Prüfstand.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Nicht mehr zeitgemäß? Die IAA vor dem Wandel

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Die Liste der Absagen für die diesjährige Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt liest sich durchaus beeindruckend. Wie schon 2015 fehlen auch dieses Jahr wieder Volvo und Aston Martin. Der italienisch-US-amerikanische Konzern Fiat-Chrysler bleibt mit seinen Marken ebenso fern wie Peugeot und DS.

Auch Nissan und Mitsubishi haben abgesagt - und BMW hält nicht mal ein Eckchen für seine Luxustochter Rolls-Royce bereit. Ein Alarmzeichen für die Frankfurter Automesse? Nicht unbedingt.

Absagen auch bei anderen Automessen

"Grundsätzlich muss sich die IAA noch nicht in Frage stellen", sagt Sven Henkel, Marketingprofessor an der EBS Business School in Oestrich-Winkel. Allerdings würden sich die Hersteller schon fragen, ob das Format einer solchen Riesen-Messe eigentlich noch das richtige sei.

Ähnliche Erfahrungen wie die IAA machten zuletzt auch andere: Auf der Automesse in Paris fehlten wichtige Autohersteller wie Volvo und Ford - und Anfang des Jahres blieben unter anderem Suzuki und Porsche der Messe in Detroit fern.

Zuletzt hatte der Elektroautobauer Tesla hr-iNFO bestätigt, dass auch er nicht zur IAA kommen werde. Das Unternehmen sehe sich nicht als traditioneller Autobauer, teilte das Unternehmen mit. Deswegen suche man Veranstaltungen, auf denen eine Autopräsentation eher überraschend sei.

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Autohersteller ändern Strategie

Eine Strategie die Jan Landwehr von der Frankfurter Goethe-Universität durchaus nachvollziehen kann. Landwehr ist Psychologe und Professor für Marketing. Auf einer so extrem großen Messe, wie der IAA, bestehe die Gefahr "in der Flut von Neuheiten unterzugehen", sagt er. Auf anderen Messen - die nichts mit Autos zu tun haben -  könne man mit weniger Budget eventuell einen stärkeren Aufmerksamkeitseffekt produzieren.

Unterhält man sich mit Verantwortlichen aus der Branche, bekommt man dies im Prinzip bestätigt. Immer wieder lassen Hersteller einzelne Messen sausen, wenn Sie der Ansicht sind, dort nicht die geeignete Zielgruppe zu erreichen. Porsche etwa stellte den neuen Panamera einfach bei einer eigenen Veranstaltung in Berlin vor - und Nissan ging in diesem Jahr lieber auf die Cebit in Hannover, als im September in Frankfurt ein Autobauer unter vielen zu sein.

Marketingexperte: Autos sind heute deutlich komplexer

Mit dem Marketing der Autoindustrie und Verkaufskonzepten der Zukunft beschäftigt sich auch EBS-Professor Henkel. Er hält Automessen wie die IAA als Plattform für die Kundenansprache heutzutage für ungeeignet. "Es reicht nicht mehr, nur Autos in eine Halle zu stellen", sagt er.

Autos seien heute deutlich komplexer, sagte er. "Es geht um Telematik, es geht um On-Board-Entertainment-Systeme. Die möchte der Kunde ausprobieren", sagt er. Sich in einer überfüllten Messe kurz in ein Auto zu setzen, sei nicht mehr der richtige Zugang.

IAA-Veranstalter gibt sich gelassen

Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) - Veranstalter der IAA - sieht die Absagen für die Messe, offiziell zumindest, gelassen. Absagen habe es auch früher immer mal wieder gegeben, heißt es, viele seien zurückgekehrt. Auch dieses Jahr seien über 50 Marken auf der Messe vertreten, zudem eine hohe dreistellige Zahl an Zulieferern. Für die Zukunft sieht man sich beim VDA gerüstet. Schriftlich heißt es: Man entwickle die Messe konsequent weiter.

Dennoch, so wie die Autoindustrie sich wandelt, so werden sich wohl auch die Automessen wandeln. Vielleicht dann gemäß dem Motto: "Weniger ist mehr."