Das alte Polizeipräsidium in Frankfurt steht seit 15 Jahren leer.
Das alte Polizeipräsidium in Frankfurt steht seit 15 Jahren leer. Bild © picture-alliance/dpa

Seit 15 Jahren rottet das ehemalige Polizeipräsidium in Frankfurt vor sich hin. Lange war unklar, was mit dem Grundstück passiert, jetzt steht es offiziell zum Verkauf. Die Stadt will dort möglichst viele Wohnungen bauen, doch das ist nicht so einfach.

Ab sofort können interessierte Investoren ihr Kaufangebot für das im Landesbesitz befindliche alte Polizeipräsidium abgeben, teilte das Finanzministerium am Dienstag mit. "Die Chancen, dass sich auf diesem Filetstück in absehbarer Zeit etwas tut, stehen daher gut", sagte Minister Thomas Schäfer (CDU).

Suche nach Investoren läuft

Zusammen mit dem Immobiliendienstleister BNP Parisbas Real Estate als eine Art Makler soll nun ein geeigneter Investor für das 15.000 Quadratmeter große Grundstück mit dem in Teilen denkmalgeschützten Gebäude zwischen Messe, Europaviertel und Hauptbahnhof gefunden werden. Vor Jahren hatte das Land den Kaufpreis auf rund 90 Millionen Euro veranschlagt. Verhandlungen mit mehreren Investoren waren aber zu keinem Ergebnis gekommen.

Seit dem Umzug der Polizei im Jahr 2002 in das Präsidium an der Adickesallee verfällt das alte Gebäude. Zwischenzeitlich wurde es als Club und Filmkulisse genutzt. Sowohl Land als auch die Stadt Frankfurt hoffen nun, dass auf dem Grundstück bald etwas entsteht. Der Leerstand sei für beide "ohne Frage ärgerlich", so Schäfer, doch jetzt könne man "einen wichtigen Schritt voran gehen". Auch Mark Gellert vom Frankfurter Planungsdezernat ist erfreut, dass es nach jahrelangem Stillstand "einen Schritt weitergeht".

Der Stadt sind die Hände gebunden

Doch von Euphorie ist man bei der Stadt weit entfernt. Frankfurt braucht dringend bezahlbaren Wohnraum, nach Schätzungen von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) suchen derzeit bis zu 30.000 Menschen eine Wohnung.

Doch der Stadt sind bezüglich der künftigen Bebauung des Areals die Hände gebunden. Das Grundstück gehört dem Land, und das propagiert in einer Mitteilung eine eher gewerblich ausgerichtete Mischnutzung aus "Wohnen, Büro und Hotel", auch ein Hochhaus könne auf Grundlage des geltenden Baurechts entstehen. Die Ausgestaltung der Bebauung bleibe dem künftigen Investor überlassen.

Noch keine Gespräche zwischen Stadt und Investoren

Am liebsten würde die Stadt den 15 Jahre alten Bebauungsplan ändern. "Wir wollen stärker Richtung Wohnungsbau und sozialer Infrastruktur gehen", so Gellert. Zuletzt war in der Stadt von einigen hundert Wohnungen, möglicherweise aber auch Kitas, Schulen und sozialen oder kulturellen Einrichtungen auf dem Grundstück die Rede. Das im Bebauungsplan vorgesehene 145 Meter hohe Hochhaus im Hof des alten Polizeipräsidiums sei dagegen verzichtbar. Natürlich kann die Stadt eine solche Änderung im Bebauungsplan jederzeit vornehmen, doch das wiederum hätte sehr wahrscheinlich abschreckende Wirkung auf Investoren. Auch der Grundstückswert könnte sinken.

Deswegen hofft Gellert, den Bebauungsplan in Zusammenarbeit mit dem künftigen Käufer anpassen zu können. Man müsse klarmachen, dass auch mit dem Bau von Wohnraum Geld zu verdienen ist. Allerdings gäbe es im Moment keinerlei Kontakt zwischen Stadt und potenziellen Investoren.

Sendung: hr-iNFO, 26.09.2017, 15.00 Uhr