Blick in ein Rechenzentrum des Cloud-Anbieters OVH
Blick in ein Rechenzentrum des Cloud-Anbieters OVH Bild © OVH

Den größten Internetknotenpunkt der Welt hat Frankfurt. Der Cloud-Riese OVH baut sein erstes deutsches Rechenzentrum mit 45.000 Servern aber in Limburg - und hat dafür gute Gründe.

Eine Viertelmillion Server hat der französische Internetdienstleister OVH nach eigenen Angaben bislang in Betrieb, um seinen Kunden externe IT-Infrastruktur bereitzustellen. In Deutschland greifen kleine und mittelständische Unternehmen, aber auch ein größerer Konzern wie Villeroy & Boch auf die angebotenen Cloud-Lösungen zurück, auf Rechenleistung und Datenspeicherung. Da der Bedarf durch die fortschreitende Digitalisierung enorm steigt, errichtet OVH demnächst in Hessen sein erstes deutsches Rechenzentrum.

Auf dem Gelände einer alten Druckerei im Limburger Stadtteil Offheim soll im April ein Zentrum an den Start gehen, das nach und nach auf eine Betriebsgröße von 45.000 Servern anwachsen soll. Der Antrag für den Umbau des Gebäudes ist gestellt, die ersten Teilgenehmigungen liegen vor, wie Limburgs Bürgermeister Marius Hahn (SPD) am Montag mitteilte. OVH ist nach eigenen Angaben in der Cloud-Branche einer der größten Anbieter weltweit und europäischer Marktführer.

Strom und Datenströme

"Ein wahrer Glücksfall" sei der Standort in Limburg, hieß es schon kurz vor Weihnachten aus der Deutschland-Zentrale in Saarbrücken zu den Plänen. Da ist zum einen die Nähe zu Rhein-Main. Frankfurt als größter Internet-Knotenpunkt der Welt ist keine 100 Kilometer von Limburg entfernt, im digitalen Datenverkehr macht das keine ganze Millisekunde aus. Fast alle Daten, die in Deutschland durch das Netz gehen, laufen über Frankfurt. Die internationalen Glasfaserkabel, die sich hier bündeln, lenken auch große Datenströme aus und nach Osteuropa oder Asien. So kommt OVH zu direkten Verbindungen über sein Glasfasernetz nach Brüssel, Paris, Amsterdam, London.

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Expansionspläne

Das Unternehmen OVH mit Sitz im französischen Roubaix betreibt nach eigenen Angaben mit weltweit 1.400 Mitarbeitern 17 Rechenzentren. Dazu gehört ein eigenes Glasfasernetzwerk mit Präsenzpunkten in drei Kontinenten. Bis Ende 2017 sind zehn neue Rechenzentren geplant: zwei in den USA, weitere in Australien, Singapur, Polen, Italien, Spanien, England, den Niederlanden - und in Limburg. Innerhalb von fünf Jahren sind Investitionen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro geplant.

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Aber warum nicht gleich nach Frankfurt? Limburg hatte, was dem Unternehmen wichtiger war, als eine Adresse in der Großstadt: ein vergleichsweise günstig zu erwerbendes Industriegebäude und ein Umspannwerk in direkter Nachbarschaft zum Betrieb. Die Stromversorgung ist laut OVH "einer der wichtigsten Punkte bei der Planung eines Rechenzentrums“. Personalintensiv ist der Betrieb nicht. Im April sollen sechs Techniker in dem Datencenter beginnen, später werde es weitere Einstellungen geben. Über die Investitionskosten schweigt OVG. Von Ausgaben in Höhe von knapp 30 Millionen Euro sprechen Stadtpolitiker.

Unterschied zu Amazon und IBM

Im Großraum Frankfurt befindet sich nach Auskunft des Verbands der Internetwirtschaft eco mehr als die Hälfte aller deutschen Rechenzentren. An mehr als 50 Standorten werden sie von mehr als 35 Unternehmen betrieben, darunter IBM und Amazon Web Services. OVH, das nun in Limburg aktiv wird, legt auf einen Unterschied Wert: Das französische Unternehmen unterliege anders als die US-Konkurrenz nicht dem "Patriot Act".

Dieses Anti-Terrorgesetz erlaubt in Folge der Anschläge vom 11. September 2001 US-Behörden wie der NSA ohne richterlichen Beschluss den Zugriff auf die Daten aller Server von US-Unternehmen - und auf die ihrer Niederlassungen im Ausland. Neben der guten Wirtschaftslage und der sicheren Stromversorgung hat OVH strengere Datenschutzregelungen als Hauptgrund dafür ausgemacht, dass unter Kunden und Interessenten in Deutschland die Nachfrage nach einem deutschen Rechenzentrum gestiegen sei.