Abflughalle am Kassel Airport
Abflughalle am Kassel Airport Bild © picture-alliance/dpa

Nach mehreren Rückschlägen neue Hoffnung für den Kassel Airport: Der Regionalflughafen wird im Sommer wieder touristische Linienflüge anbieten. Partner ist der Reiseveranstalter Schauinsland-Reisen.

Der Reiseveranstalter Schauinsland-Reisen teilte am Dienstag mit, dass man zusammen mit der Stralsunder Fluggesellschaft SundAir im Sommer ein Flugzeug am Kassel Airport stationieren werde. Damit wird es an dem Regionalflughafen wieder einen Sommerflugplan geben.

Ziel: 30.000 Fluggäste im Sommer

Wie SundAir ausführte, werde man ab dem 1. Juli einen Airbus A319 am Flughafen Kassel bereitstellen. Geplant seien insgesamt 13 Flüge pro Woche: vier Verbindungen nach Mallorca, je zwei nach Fuerteventura, Gran Canaria und Antalya sowie drei nach Kreta.

Die Flüge könnten bereits ab Ende der Woche gebucht werden, es werde einen Sonderkatalog geben. Ziel sei es, im Sommer 30.000 Fluggäste ab Kassel in den Urlaub zu schicken.

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Kassel Airport

Der Regionalflughafen in Calden im Kreis Kassel wurde im April 2013 eröffnet. Der Bau wurde komplett aus Steuergeldern finanziert, die Baukosten liegen bei 282 Millionen Euro, das Defizit lag 2015 bei sechs Millionen Euro. Die junge Geschichte des Regionalflughafens wurde zuletzt immer wieder durch Negativmeldungen geprägt, 2017 will die Landesregierung über dessen Zukunft entscheiden. Der Flughafen gehört dem Land Hessen (68%), der Stadt und dem Kreis Kassel (je 13%) sowie der Gemeinde Calden (6%).

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Neben Schauinsland/SundAir wird zwischen Ende März und Mitte Juni die griechische Airline Aegean zweimal die Woche die documenta-Standorte Kassel und Athen verbinden. Ob es im Sommer touristische Linienflüge weiterer Airlines geben wird, war am Dienstag offen. Der Flughafen kündigte für Freitag in Kassel eine Pressekonferenz an.

Sommerflugplan bis zuletzt unklar

Der Duisburger Reiseveranstalter Schauinsland war erst im Herbst eine Partnerschaft mit der Airline SundAir eingegangen und ins Charterflug-Geschäft eingestiegen. Neben Kassel stationieren die beiden Unternehmen je einen Airbus an den Flughäfen Berlin-Tegel und Frankfurt.

Bis zuletzt war unklar, ob es überhaupt einen Sommerflugplan am Flughafen Kassel geben wird. Im Herbst hatte sich die bis dahin einzige Linienfluggesellschaft am Kassel Airport, Germania, von dem Flughafen verabschiedet. Versuche, weitere Fluggesellschaften an den Flughafen Kassel zu locken, waren immer wieder gescheitert. Die Zukunft des 2013 eröffneten Flughafens erschien umso ungewisser. Am Dienstag sagte Geschäftsführer Ralf Schustereder: "Kassel Airport hat Zukunft."

Flughafen-Zukunft ungewiss

Ob und wie es tatsächlich mit dem Kassel Airport weitergehen soll, will im kommenden Jahr die schwarz-grüne Landesregierung im Rahmen einer Evaluierung entscheiden. Größter Gesellschafter ist das Land Hessen, zudem beteiligt sind Stadt und Land Kassel sowie die Gemeinde Calden. Sie tragen die Millionenverluste, die der Flughafen seit seiner Eröffnung ausweist.

Eine neue Fluggesellschaft wie SundAir profitiert am Flughafen Kassel zu Beginn von umfangreichen Rabatten bei Start- und Landeentgelten. Sie liegen laut Entgeltordnung zunächst bei 70 Prozent und reduzieren sich innerhalb der ersten drei Jahre.

Leichtes Aufatmen in Landespolitik

Erste Reaktionen aus der Landespolitik signalisierten ein leichtes Aufatmen. Der Vorsitzende des Flughafen-Aufsichtsrates, Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU), nannte die Stationierung der SundAir-Maschine für den Flughafen einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. "Ich hoffe, dass die Region dieses Angebot auch annimmt." Der nordhessische SPD-Landtagsabgeordnete Timon Gremmels sprach auf Facebook von "guten Nachrichten".

Der Flughafen Kassel zählte in diesem Jahr zwischen Januar und Oktober gut 53.000 Passagiere, 2015 waren es 65.000. Das war bereits nur ein Zehntel der Zahl, die laut Planungen erreicht werden sollte. Von den ursprünglichen Planungen ist der Flughafen auch mit dem Schauinsland/SundAir-Einstieg weit entfernt: Die Zehnjahresprognose für das Jahr 2024 geht von 497.000 Passagieren aus.