Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) vor einer Wand mit Opel-Logo in Rüsselsheim.
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Die Landesregierung fordert Klarheit über den geplanten Verkauf von Opel an PSA und pocht auf den Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen. Unterdessen führt die Chefin des Opel-Mutterkonzerns General Motors in Rüsselsheim Gespräche über die mögliche Übernahme.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) pochen auf den Erhalt der Standorte, der Marke Opel und der Arbeitsplätze. Die Situation über einen möglichen Verkauf müsse schnellstmöglich geklärt werden, sagten Bouffier und Al-Wazir am Mittwoch in Wiesbaden. Sowohl die Arbeitnehmer in Rüsselsheim als auch an anderen Opel-Standorten erwarteten dies.

Nach Gesprächen mit dem Vorstandsvorsitzenden von Opel und dem Vorsitzenden des Betriebsrats erklärte Bouffier, die Landesregierung werde für den Standort Rüsselsheim und Opel insgesamt eintreten und gegebenenfalls auch kämpfen. Al-Wazir fügte hinzu, die Bedeutung des Standorts Rüsselsheim stehe und falle mit dem Entwicklungszentrum. "Deshalb ist es so wichtig, dass weiter am Opel-Standort in die Entwicklung innovativer Produkten und Technologien investiert wird, weil damit die Zukunftsfähigkeit von Opel insgesamt entschieden wird."

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GM-Chefin wirbt für Opel-Verkauf

Am Mittwoch reiste die Spitze des bisherigen Opel-Mutterkonzerns General Motors nach Rüsselsheim und führte dort Gespräche zur möglichen Übernahme durch den fanzösischen PSA-Konzern, wie ein Opel-Sprecher bestätigte.  

Über Inhalte ist noch nichts bekannt, es seien auch im Anschluss keine Stellungnahmen geplant, sagte ein Opel-Sprecher. In einem Brief an die Opel-Mitarbeiter warb GM-Chefin Mary Barra jedoch bereits für einen Verkauf des Autobauers an PSA. Zwar gebe es keine Garantie für eine Einigung, ein möglicher Deal würde "die PSA-Gruppe sowie Opel/Vauxhall aufgrund der sich ergänzenden Stärken beider Unternehmen in die Lage versetzen, ihre Position auf dem sich rasch verändernden europäischen Markt zu verbessern", schrieb die GM-Chefin in dem Brief, der auch dem hr vorliegt. Zuerst hatte die "Allgemeine Zeitung Mainz" darüber berichtet.

Opel und Peugeot in Zahlen
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GM und PSA würden damit ihre jeweiligen strategischen Möglichkeiten voll ausschöpfen. "Wir würden alles daran setzen, bei der Transaktion sicherzustellen, dass die Interessen aller Beteiligten gewahrt werden", heißt es weiter in dem Schreiben.  

Einem Bericht des "Manager-Magazins" zufolge könnte es zudem um eine neue Elektro-Strategie gehen. So soll Opel-Chef Karl-Thomas Neumann seit Monaten an einem Zukunftsprojekt arbeiten, das Opel bis 2030 zu einer reinen Elektromarke umbauen werde. Opel wollte dies nicht kommentieren. Neumann warb jedoch in einem Brief an die Mitarbeiter, der dem hr ebenfalls vorliegt, es bestehe durch den Verkauf "sogar die große Chance, einen europäischen Champion zu schaffen, der die vielfachen Herausforderungen der Zukunft nachhaltig meistert".

Kritik am Vorgehen der Konzerne

Unterdessen hat der Poker um den Autobauer auch die Bundesregierung erreicht. PSA-Chef Carlos Tavares ist nach Angaben eines Unternehmenssprechers zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Gewerkschaften bereit. Es gehe dem PSA-Chef um eine Öffnung und ein Bündnis, hieß es. Zuvor hatte die Bild-Zeitung über den Vorstoß berichtet.

Bundesregierung und IG Metall hatten sich von den Verkaufsgesprächen zwischen der Peugeot-Mutter PSA und dem Opel-Eigner General Motors überrascht gezeigt. Die neue Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte die Konzerne kritisiert. Es sei "inakzeptabel", dass die beiden Unternehmen vorab Betriebsrat, IG Metall sowie Landes- und Bundesregierung nicht von ihren Plänen informiert hätten.

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Die Konzerne loten nach eigenen Angaben verschiedene Möglichkeiten zur Expansion und Kooperation aus. Es sei jedoch noch ungewiss, ob eine Einigung erzielt werde. Die beiden Autohersteller arbeiten bereits seit 2012 bei verschiedenen Projekten in Europa zusammen und waren zwischenzeitlich auch auf der Kapitalseite miteinander verbunden. Bei einer Übernahme würde PSA zum zweitgrößten Autoproduzenten in Europa hinter Volkswagen aufsteigen.

Experte sieht Rüsselsheim gefährdet

Bei Opel stehen Einschätzung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer tausende Jobs auf dem Spiel. Vor allem am Stammsitz Rüsselsheim könnten zentrale Einheiten verkleinert oder ganz abgebaut werden, weil ihre Aufgaben im Konzern übernommen werden könnten, betonte Dudenhöffer am Mittwoch. Betroffen wären etwa der Einkauf, der Vertrieb, das Marketing sowie Teile des Entwicklungszentrums. Mindestens ein Drittel der rund 15.000 Jobs in Rüsselsheim stünde bei einer Übernahme zur Disposition.

Die Opel-Produktion würde voraussichtlich in den ebenfalls nicht ausgelasteten PSA-Autobau eingegliedert. Das lasse sich aus der bisherigen Mehrmarken-Strategie der PSA mit Peugeot, Citroen und DS ablesen. "Es gibt keine Markenwerke, sondern nur Konzernwerke, in denen alle Markenprodukte gefertigt werden", betonte der Direktor des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen. Die vorhandenen Kapazitäten seien eher zu groß, so dass die Lage für die Opel-Werke in Eisenach und Kaiserslautern über Nacht schlechter geworden sei.

Frankreich unterstützt PSA-Strategie

Frankreich hat indessen angekündigt, bei einem möglichen Verkauf von Opel an den PSA-Konzern auf die Arbeitsplätze bei dem Autobauer zu achten. "Der Staat wird den Auswirkungen auf die Beschäftigung in allen betroffenen Ländern eine besondere Aufmerksamkeit schenken", sagte eine Mitarbeiterin des Wirtschafts- und Finanzministeriums. Der französische Staat war zuletzt bei PSA Peugeot Citroën mit rund 14 Prozent beteiligt.

Es habe am Mittwoch einen "sehr herzlichen Austausch" zwischen dem französischen Wirtschafts- und Finanzminister Michel Sapin und Wirtschaftsministerin Zypries gegeben. Mit Blick auf das Übernahmevorhaben sagte die Mitarbeiterin, die Regierung sei bisher nicht damit befasst. In allgemeiner Weise werde die Erweiterungsstrategie der PSA-Gruppe aber unterstützt.

In den roten Zahlen

Opel hat rund 38.200 Mitarbeiter in Europa, davon mehr als die Hälfte in Deutschland. Das Traditionsunternehmen wurde 1862 in Rüsselsheim gegründet und 1929 vom US-Konzern General Motors übernommen. Die Adam Opel AG hat als GM-Europatochter seit 1999 keinen Gewinn in Detroit abgeliefert und auch 2016 die Rückkehr in die Gewinnzone nicht geschafft. Stattdessen betrug der operative Verlust für 2016 rund 257 Millionen US-Dollar (241 Mio Euro). Das war immerhin eine deutliche Verbesserung nach 813 Millionen Dollar Verlust im Jahr zuvor.

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