Lastwagen auf der Autobahn bei Limburg
Dicke Luft in Limburg: Die Stadt rät Lastwagen, den Ort am besten gleich auf der Autobahn zu umfahren. Bild © picture-alliance/dpa

Das Land hat den Entwurf eines neuen Luftreinhalteplans für Limburg vorgelegt. Wie von der Stadt gefordert, kommen Umweltzone und ein Lkw-Durchfahrtverbot. Besonders glücklich ist sie trotzdem nicht.

Es stinkt in Limburg - vor allem an der Schiede, mitten in der Innenstadt. Seit Jahren werden dort die von der Europäischen Union festgelegten Grenzwerte für Stickstoffdioxid in der Luft überschritten. Dasselbe gilt für zwei weitere von insgesamt vier Messstandorten in der Stadt. Geht es nach dem Umweltministerium, soll sich dieser Zustand noch in diesem Jahr ändern.

Das Ministerium sieht in seinem Entwurf des neuen Luftreinhalteplans für Limburg vor, dass weite Teile der Innenstadt ab 1. Oktober zu einer Umweltzone werden. Nur Autos mit grüner Plakette dürften dann noch einfahren, allen anderen soll die Einfahrt verboten sein. So gilt es auch in Frankfurt, Marburg, Darmstadt, Offenbach und Wiesbaden. Gießen soll folgen.

Weitreichender wird ein anderes Verbot sein, das ebenfalls am 1. Oktober in Kraft treten soll: ein Lkw-Durchfahrtverbot. In die Innenstadt fahren dürften nur noch Lastwagen zum Be- oder Ausladen. Alle anderen müssten einen Bogen um die Stadt machen - aber eben nicht ganz.

Limburg-Blumenrod als Ausweichstrecke

"Der Schwerlastverkehr wird nicht aus der Stadt verbannt, er wird bloß aus der Innenstadt in einen anderen Stadtteil verlegt", kritisierte der Limburger Bürgermeister Marius Hahn (SPD), als er am Montag den Plan des Ministeriums vorstellte. Der Verlierer dieser Planungen des Umweltministeriums heißt: Limburg-Blumenrod.

Durch den südlichen Stadtteil Blumenrod sollen in Zukunft die Lastwagen fahren, die aus Richtung Diez in Limburg auf die A3 fahren wollen. Es ist die vom Umweltministerium favorisierte Ausweichstrecke für den Schwerlastverkehr. Bisher sind Lkw auf dem Weg zur Autobahn quer durch die Innenstadt - und vorbei an der Messstation an der Schiede - gefahren.

Vergebliches Warten auf Umgehungsstraße

Doch Blumenrod ist ein Wohnviertel. Die neuen Lkw-Route würde an Schulen und Seniorenheimen vorbeiführen und brächte den Bürgern mehr Emissionen, mehr Lärm und mehr Verkehr, befürchtet Bürgermeister Hahn. Die Route werde deshalb nun geprüft. Die Stadtverwaltung werde den zuständigen städtischen Gremien empfehlen, Widerspruch einzulegen.

Jedoch: Eine Route zur A3, die gänzlich außerhalb des Stadtgebiets verlaufen würde, gibt es nicht. Die Limburger warten seit Jahrzehnten auf die sogenannte Südumgehung im Süden der Stadt. Sie würde das Problem lösen, das sich aus dem neuen Luftreinhalteplan ergibt. Jedoch wurde der Bau der Umgehungsstraße in aktuellen Bundesverkehrswegeplan als weniger dringlich zurückgestuft.

Umweltzone, Verkehrsleitrechner, Hinweisschilder

Die übrigen geplanten Maßnahmen im Entwurf des Ministeriums seien aber sinnvoll und wichtig, findet Hahn. Die Umweltzone sei ein guter Schritt. Auch ein neuer Verkehrsleitrechner, wie ihn das Umweltministerium fordert, könne bei der Entlastung der städtischen Luft helfen und werde umgesetzt. Zudem sieht der Plan Hinweisschilder vor, die Autofahrer darauf aufmerksam machen sollen, die Stadt beispielsweise über die Autobahn zu umfahren.

Bleibt das Sorgenkind Blumenrod. Bürgermeister Hahn zufolge war in letzter Zeit niemand aus dem Umweltministerium in Limburg, um sich die für Lastwagen vorgesehene Strecke anzusehen: "Das Angebot, mal zusammen die Strecke durch Blumenrod abzufahren, steht aber nach wie vor."

Weitere Informationen

Luftreinhalteplan

Der aktuelle Luftreinhalteplan für Limburg stammt aus dem Jahr 2012. Weil die dort festgeschriebenen Maßnahmen keine Auswirkung auf die Luftqualität gezeigt haben, verklagte die Deutsche Umwelthilfe das Land Hessen auf Nachbesserung des Plans. Im Oktober 2015 gab ihr das Verwaltungsgericht Wiesbaden Recht und verurteilte das Land dazu, den Plan mit wirksamen Maßnahmen fortzuschreiben. Seitdem hat Limburg auf den neuen Entwurf gewartet.

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Sendung: hr-iNFO, 06.03.2017, 17.00 Uhr