Lufthansa-Flugzeuge am Frankfurter Flughafen
Lufthansa-Maschinen am Frankfurter Flughafen Bild © picture-alliance/dpa

Flottenwachstum an anderen Drehkreuzen, 30 Millionen Euro an Gebühren weniger an Fraport: Im Streit über Rabatte für Ryanair setzt Lufthansa den Frankfurter Flughafenbetreiber unter Druck - und attackiert auch das Land.

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Lufthansa protestiert gegen Rabatte für Ryanair am Frankfurter Flughafen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lufthansa ist nach wie vor sauer auf Fraport

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Lufthansa-Chef Carsten Spohr kritisierte am Donnerstag bei der Bilanz-Pressekonferenz, die entgegen der Gepflogenheiten am Münchner Airport stattfand, erneut die Betreibergesellschaft ihres Hauptflughafens Frankfurt. Fraport räume vor allem dem Billigflieger Ryanair unfaire Rabatte auf Strecken ein, die auch von anderen Fluggesellschaften bedient werden. "Wir wollen auf gleichen Strecken gleiche Konditionen", sagte Spohr.

Dieses Ziel wolle man vorzugsweise mit Verhandlungen erreichen, andernfalls müsse man spätestens im Sommer eine Klage einreichen. Lufthansa rechne damit, schon im Winter rund 30 Millionen Euro weniger Gebühren an die Fraport zahlen zu müssen. Ryanair startet Ende März mit vier Zielen ab Frankfurt und baut sein Angebot im Winter auf 24 Verbindungen aus, oft in direkter Konkurrenz zu Lufthansa.

Indirekt drohte Spohr auch damit, Flüge aus Frankfurt an andere Drehkreuze der Lufthansa-Gruppe zu verlegen. Zumindest die Umsteiger gingen dann dem Frankfurter Flughafen als Passagiere verloren.

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Fünf weitere A350-Maschinen für München

Der Lufthansa-Chef kritisierte auch das Land Hessen, das größter Fraport-Anteilseigner und gleichzeitig Genehmigungsbehörde für die Rabattstaffel ist: "Hessen subventioniert den schärfsten Gegner des größten Arbeitgebers in Hessen." Nach Angaben der Hessen Agentur beschäftigt Lufthansa mehr als 37.000 Menschen in Hessen, so viele wie kein anderes Unternehmen.

Ryanair geht Ende März am Frankfurter Flughafen mit zunächst vier Verbindungen an den Start. Schon zum Winterflugplan soll die Zahl der Ziele auf 24 erhöht werden. Die allermeisten davon steuert auch Lufthansa an. Als neuer Anbieter profitiert die irische Billigfluglinie von anfangs kräftigen Rabatten in Frankfurt.

Spohr gab auch bekannt, dass Lufthansa zusätzlich zu den bereits zehn geplanten Airbus A350 fünf weitere Maschinen dieses vergleichsweise kostengünstigen Typs in München stationieren will. Dieser mit knapp 300 Plätzen kleinere und damit leichter zu füllende Langstreckenjet werde zu Verschiebungen innerhalb des Multi-Drehkreuz-Modells der Lufthansa-Gruppe führen, meinte Spohr.

Lob für München: "Gemeinsam Wachstum gestalten"

München werde eine größere Rolle spielen und mehr Übersee-Verbindungen anbieten können, und auch von Düsseldorf könne er sich Fernflüge der Tochter Eurowings vorstellen. "Der Standort München wird für die Lufthansa Gruppe immer wichtiger, vor allem durch das partnerschaftliche Miteinander und den Willen, gemeinsam Wachstum zu gestalten", sagte Spohr laut Redemanuskript.

Das durfte auch als kräftiger Seitenhieb auf den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport verstanden werden, der dem Billigflieger Ryanair mit Rabatten schnelles Wachstum am größten Lufthansa-Drehkreuz ermöglicht.

Lufthansa schafft Rekordgewinn

Die Lufthansa gab bei der Pressekonferenz in München auch bekannt, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr trotz Terrorangst und Pilotenstreiks erneut einen Rekordgewinn eingeflogen hat. Die Airline strich 1,8 Milliarden Euro Gewinn ein und damit fast fünf Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Dax-Konzern berichtete.