Ryanair-Flugzeug im Anflug
Ryanair-Flugzeug im Anflug Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Auch nach Umstellung seines Flugplans missachtet der Billigflieger Ryanair noch zu oft das Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen und landet nach 23 Uhr. Der hessische Verkehrsminister Al-Wazir (Grüne) mahnte erneut zu Nachbesserungen.

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Ein Ryanair-Flugzeug im Wartestand

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Immer mehr verspätete Starts und Landungen

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Wegen vieler verspäteter Landungen nach 23 Uhr am Frankfurter Flughafen musste der Billigflieger Ryanair auf Druck des hessischen Verkehrsministeriums seinen Flugplan umstellen. Doch auch die neuen Zeiten zeigen nicht die Wirkung, die das Ministerium zufriedenstellen kann. Die "umgestellten Flugpläne haben im Dezember zu einer gewissen, aber offensichtlich noch zu keiner ausreichenden Verbesserung geführt", sagte Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) laut einer Mitteilung vom Donnerstag.

An Deutschlands größtem Airport gilt ein Nachtflugverbot zwischen 23 und 5 Uhr. Verspätete Flieger dürfen noch bis 0 Uhr landen, wenn die planmäßige Ankunftszeit vor 23 Uhr liegt. Das war laut Ministerium 2017 genau 704 Mal der Fall.

Löwenanteil an nächtlichen Landungen hat Ryanair

Allein Ryanair hatte daran einen Anteil von 23 Prozent, und das, obwohl der Anteil aller Billigflieger am gesamten Flugaufkommen nur rund zwei Prozent beträgt. "Negativer Höhepunkt war der November, wo Ryanair für 78 Prozent der Verspätungslandungen verantwortlich war", sagte Al-Wazir.

Die Landesregierung hatte die irische Fluggesellschaft deshalb in die Verantwortung genommen. Es bestand der Verdacht, dass die Verspätungen bereits von vornherein einkalkuliert waren. Ryanair hatte daraufhin die Abflüge einiger Verbindungen nach Frankfurt nach vorn verlegt.

Dem Minister reicht das aber nicht. "Um es sehr deutlich zu sagen: Ryanair muss die Verspätungsquote endlich in den Griff bekommen", sagte er. Genaue Zahlen über Verspätungen im Dezember nannte seine Behörde zwar nicht. Al-Wazir kündigte aber an: "Die Fluglärmschutzbeauftragte und die Luftaufsicht werden hier weiter sehr genau hinschauen."

Anstieg der Nachtflüge um 42 Prozent

Insgesamt waren die Nachtflüge im vergangenen Jahr gegenüber 2016 stark angestiegen. So gab es 2017 in Frankfurt 440 verspätete Starts und 704 verspätete Landungen. Im Vorjahr waren es noch 342 Starts nach 23 Uhr gewesen, die Zahl der nächtlichen Landungen hatte bei 464 gelegen.

Für den Anstieg von knapp 42 Prozent machte das Ministerium unter anderem viele Unwetter im Sommer und Herbst, aber auch eine Zunahme des Flugverkehrs und eine daraus resultierende europaweite Verschlechterung der Pünktlichkeit verantwortlich. Zudem hätten Lotsenstreiks in Frankreich vor allem bei Ferienfliegern zu Verspätungen geführt.

Eine Stellungnahme von Ryanair zu dem Thema erreichte die Redaktion am 08.01.2017. Darin erklärt das Unternehmen, bei der Planung der Flüge werde das Nachtflugverbot ab 23 Uhr berücksichtigt und die Flüge würden und mit zusätzlicher Pufferzeit im Flugplan geplant, um späte Landungen zu vermeiden. Wenn möglich und vorbehaltlich der Verfügbarkeit von Flughafen-Slots wolle man die Flüge künftig mit noch mehr Abstand zum Nachtflugverbot planen, um die Auswirkungen solcher Verspätungen zu minimieren.

Sendung: hr-iNFO, 04.01.2017, 17.00 Uhr