Ein Ryanair-Flugzeug im Wartestand
Ein Ryanair-Flugzeug im Wartestand Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Der Billigflieger Ryanair hat auf die angekündigten Pilotenstreiks reagiert und sich erstmals zur Anerkennung von Gewerkschaften bereiterklärt. Die Vereinigung Cockpit zeigte sich offen für Verhandlungen - und eine Absage des Streiks.

Die bisherige Ryanair-Politik war es, Gewerkschaften überhaupt nicht anzuerkennen - dann drohte die Pilotengewerkschaft Cockpit am Dienstag erstmals in der Unternehmensgeschichte mit Streiks. Und das ausgerechnet im Weihnachtsgeschäft. Auch der Ryanair-Standort Frankfurt wäre betroffen.

Dem Unternehmen wurde der Druck nun offenbar doch zu groß, es folgte eine 180-Grad-Wende: Ryanair hat sich am Freitag erstmals zur Anerkennung von Gewerkschaften bereit erklärt. Man wolle mit Pilotengewerkschaften in mehreren Ländern sprechen und sie als Arbeitnehmervertretung akzeptieren, teilte Ryanair-Chef Michael O'Leary mit. Er möchte damit "jegliche Sorge" der Kunden ausräumen, es könne in der Weihnachtszeit zu Störungen durch Streiks kommen.

Ryanair-Piloten in Italien hatten für Freitag Streiks angekündigt, die italienische Pilotengewerkschaft Anpac sagte sie nach der Kehrtwende aber wieder ab. Ryanair-Flugbegleiter wollten dennoch streiken. In Irland und in Portugal wollen Ryanair-Piloten am 20. Dezember die Arbeit niederlegen.

Vereinigung Cockpit verhandlungsbereit

Auch in Deutschland hat die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen, jedoch kein Datum genannt. Lediglich für die Zeit vom 23. bis 26. Dezember schloss die Gewerkschaft Maßnahmen aus.

VC teilte am Freitagabend in Frankfurt mit, man werde von den geplanten Streikmaßnahmen absehen, sobald man kurzfristige Verhandlungstermine für die geforderten Tarifverträge vereinbart habe. "Sollte sich die Ankündigung der Ryanair als reine Hinhaltetaktik herausstellen, werden wir auf diese auf das Schärfste reagieren", sagte VC-Präsident Ilja Schulz. VC forderte Ryanair zu Verhandlungen Anfang nächster Woche auf.

Vorwurf: "systematisches Sozialdumping"

Noch am Dienstag hatte sich Ryanair unbeeindruckt von den Streik-Drohungen in Deutschland gezeigt, in einem Statement wurde die Drohung von Cockpit als PR-Maßnahme abgetan.

Die Piloten wollen Tarifverhandlungen erzwingen. VC warf der Billigairline "systematisches Sozialdumping" vor. Fast alle anderen Fluggesellschaften böten bessere Arbeitsbedingungen als Ryanair. Unternehmenschef O'Leary hatte es bisher stets abgelehnt, Gewerkschaften als Vertreter seiner Beschäftigten anzuerkennen. In der 30-jährigen Unternehmensgeschichte gab es bislang keinen einzigen Streik.

Wegen Flugausfällen unter Druck

Allerdings musste Ryanair im September den Ausfall tausender Flüge bis März bekanntgeben - offiziell, weil das Unternehmen bei der Planung der Jahresurlaube der Piloten Fehler gemacht hatte, laut VC aber auch, weil viele Piloten das Unternehmen verlassen haben.

O'Leary bot den Piloten zunächst mehr Geld an und versprach eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Nun erklärte er sich zur Anerkennung von Gewerkschaften bereit - das sei eine "wichtige Änderung für Ryanair". Allerdings müssten die Piloten innerhalb der Gewerkschaften Tarifkommissionen speziell für Ryanair bilden.

Sendung: hr-iNFO, 15.12.2017, 13.00 Uhr