Neuer Fahrkartenautomat RMV
Bei Anschlusstickets zahlt der RMV-Kunde oftmals drauf. Bild © picture-alliance/dpa

Wer als RMV- Dauerkarten-Besitzer ein paar Stationen über das Tarifgebiet hinausfährt, muss unter Umständen für diese Strecke mehr zahlen. Der Verkehrsverbund kennt diese Ungerechtigkeit. Besser macht es der nordhessische NVV. Fragen und Antworten.

Was ist das Problem?

Wenn RMV-Kunden über ihr abonniertes Tarifgebiet hinaus fahren wollen, brauchen sie ein Anschlussticket. Allerdings ist das oftmals teurer als ein Einzelticket von der Tarifgrenze zum gewünschten Zielort.

Grafik zum Beispiel eines Anschlusstickets
Obwohl die Strecke bis zur Tarifgrenze in Frankfurt eigentlich in der Monatskarte enthalten ist, zahlt der RMV-Kunde oft drauf. In unserem Beispiel, von Frankfurt zum Feldberg, kostet ihn das Anschlussticket 5,35 Euro. Eigentlich kostet die Strecke von der Grenze bis zum Zielort aber nur 2,60 Euro. Bild © Colourbox.de/hessenschau.de

Deutlich macht das ein Beispiel: Wer mit einer für Frankfurt geltenden Jahreskarte zum Feldberg will, hat die Strecke bis zur Haltestelle Niederursel abgedeckt. Von dort bis zum Feldberg kostet ein Einzeltticket 2,60 Euro. Der Jahreskarteninhaber muss aber laut RMV schon in Frankfurt ein Anschlussticket erwerben, also eine Ergänzung zu seiner Karte.

Die kostet mit 5,35 Euro mehr als das Doppelte. Der RMV bezeichnet das Anschlussticket als "rabattierte Einzelfahrkarte", denn er vergleicht den Ticketpreis von 5,35 Euro mit dem Preis, den jemand ohne Zeitkarte von Frankfurt zum Feldberg bezahlen müsste. Das wären 8,35 Euro.

Was sagt der RMV dazu?

"Das Problem ist uns bekannt", gibt RMV-Sprecher Meyer unumwunden zu. Bei der momentanen Berechnung der Preise für Anschlusstickets gebe es Gewinner und Verlierer, denn der Rabatt sei bei diesem Ticket eben manchmal größer und manchmal kleiner.

Die Ursache sieht Meyer in der Komplexität des RMV-Angebots, hinter dem 160 einzelne Verkehrsunternehmen stehen. "Wir haben mehr als 1000 Linien, also viele Möglichkeiten und Wege um ans Ziel zu kommen." Über welche Punkte man dabei komme und bis wohin die Karte auf dieser Linie gelte, da gebe es unzählige Kombinationsmöglichkeiten.

"Wir verkaufen die Tickets am Automaten, aber auch am Schalter und im Bus. Eine Lösung für dieses Problem muss überall funktionieren, nicht nur bei der neuesten Automatengeneration, sondern auch innerhalb von Sekunden im Bus." Einfach nur ein Einzelticket von der Tarifgrenze zum Zielort zu verkaufen, sei auch keine Lösung. "Einzelfahrkarten gelten nur für den direkten Fahrtantritt", sagt Meyer. Die könne man nicht vorab verkaufen.

Kann ich das als Fahrgast umgehen?

Laut RMV gibt es dafür im Moment nur eine Möglichkeit: "Wenn ich an einer Haltestelle umsteige oder freiwillig aussteige, kann ich auch dort ein Ticket nachlösen und eine neue Fahrt antreten." In vielen Fällen kann der Passagier damit sparen. So wäre das auch für die Fahrt von Frankfurt zum Feldberg: Steigt der Fahrgast in Niederursel aus und löst dort ein Ticket für 2,60 Euro, spart er im Vergleich zum Anschlussticket 2,75 Euro.

Allerdings dürfte er, findet der RMV, nicht wieder in denselben Zug einsteigen, sondern müsste auf den nächsten warten. „Wenn ich in ein Fahrzeug einsteige, muss ich ein Ticket dabei haben, das bis zum Fahrtziel gilt", erklärt Meyer. Auch das entsprechende Ticket für die fehlende Strecke schon während der Fahrt zu kaufen, zum Beispiel in der App, ist laut RMV keine zulässige Option. Offen bleibt einstweilen, was passiert, wenn der Passagier aus welchen Gründen auch immer sein Ziel während der Fahrt neu definiert.

Wie sieht das der Fahrgastverband Pro Bahn?

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert diese schwer durchschaubare Preispolitik des RMV bei den Anschlusstickets, vor allem aber die Aussage des RMV, es sei nicht erlaubt, die Strecke zu stückeln um so Geld zu sparen.

"Aus unserer Sicht ist es zulässig. Ich mache als Fahrgast nichts Falsches, ich habe ja die ganze Strecke bezahlt", erklärt Wilfried Staub von Pro Bahn Hessen seine Sicht. Sollte sich der RMV in einem Streitfall quer stellen, werde der Fahrgastverband den Passagier zur Not bis in die letzte Instanz vertreten.

Will der RMV etwas daran ändern?

"Es ist nicht das, was wir im Optimalfall haben wollen. Wir wollen immer ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten", sagt RMV-Sprecher Meyer zur aktuellen Konstruktion. Deswegen habe der Verkehrsverbund reagiert und eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich Gedanken über Lösungen für das Problem machen soll.

2018 soll es erste Ergebnisse geben, sagt Meyer und schränkt ein: "Das können natürlich auch Zwischenschritte sein. Wie lange die Umsetzung dann dauert, können wir noch nicht sagen."

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Wie der NVV Anschlussfahrten regelt

Besser macht es der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV). Für Anschlussfahrten gilt: bis zur letzten Station im Tarifgebiet darf man fahren, dann kann man im Zug ein Ticket für den fehlenden Abschnitt nachziehen. Man kann das entsprechende Ticket aber auch schon vorher am Schalter kaufen - zum selben Preis wie eine normale Einzelfahrkarte für die Strecke von der Tarifgrenze bis zum Ziel.

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