Das neue Navigationssystem auf dem Cockpit-Bildschirm
Das neue Präzisionsnavigationssystem soll für spurgetreue Abflüge sorgen. Bild © Deutsche Flugsicherung (DFS)

Anwohnern bliebe einiger Lärm vom Frankfurter Flughafen erspart, wenn die Abflugrouten genauer eingehalten würden. Ein neues Navigationssystem soll Piloten helfen, in der Spur zu bleiben. Die Tests haben begonnen.

Abflugrouten am Frankfurter Flughafen sind so gestaltet, dass Anwohner möglichst wenig durch Lärm belastet werden. Das funktioniert aber nur, so lange die Routen auch genau eingehalten werden.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat zusammen mit dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport und der Lufthansa ein Navigationssystem entwickelt, das dafür eine bislang in Deutschland ungekannte Präzision ermöglichen soll. Mit dem Required Navigation Performance (RNP-1) genannten Verfahren soll das Fliegen von Kurven beim Abflug genauer möglich sein, um Abweichungen von der festgelegten Route zu vermeiden.

Jets müssen speziell ausgerüstet sein

Eine Boeing 747 der Lufthansa mit Ziel Tokio hatte am Donnerstag als erste Maschine das neue System angewandt. In einem Pilotbetrieb soll es nun ein halbes Jahr lang auf der sogenannten Südumfliegung getestet werden. Davon profitieren könnten das südliche Nauheim und Trebur (beide Groß-Gerau) sowie auf rheinland-pfälzischer Seite Nackenheim, Bodenheim und einige Mainzer Vororte, wie die DFS am Freitag mitteilte.

Nutzen können das GPS-basierte Verfahren allerdings nur Jets, die mit einer speziellen Satellitennavigationstechnik ausgerüstet sind. Auf wieviel Prozent der in Frankfurt abfliegenden Maschinen das in etwa zutrifft, konnte eine DFS-Sprecherin nicht sagen. Die Lufthansa habe aber nahezu ihre ganze Flotte mit der neuen Technik ausgestattet.

Al-Wazir lobt Vorreiterrolle

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) würdigte das Verfahren als Beitrag zur Begrenzung des Fluglärms im Rhein-Main-Gebiet. "Ich freue mich über dieses weitere Beispiel für Frankfurts Vorreiterrolle beim Fluglärmschutz", sagte er laut einer Mitteilung vom Freitag. Der Minister appellierte an alle Airlines, ihre Flugzeuge ebenfalls für das neue System fit zu machen.

Angestoßen hatte die Einführung laut Ministerium die Fluglärmschutzbeauftragte des Landes. Sie hatte regelmäßig auftretende Abweichungen von den vorgesehenen Routen beklagt, die vor allem in Trebur und Mainz zu zusätzlichen Lärmbelastungen geführt hätten.

Nach Testauswertung Ausweitung auf andere Routen

Wie hoch die Entlastung mit dem neuen Verfahren sein wird, ist allerdings noch unklar. Während des Probebetriebs findet ein umfangreiches Monitoring statt, DFS und das Umwelt- und Nachbarschaftshaus werten die Ergebnisse aus. Werden hinreichend positive Resultate erzielt, soll das Verfahren später auf weitere Abflugrouten ausgeweitet werden.

Sendung: hessenschau, 21.7.17, 19.30 Uhr