Michael Lohscheller, Vorstandsvorsitzender von Opel
Weichensteller: Opel-Vorstandschef Michael Lohscheller Bild © Imago

Wie geht es weiter bei Opel? Darauf haben die Chefs des Autobauers nun Antworten gegeben. Auf Kündigungen will Opel verzichten. Beim Umbau des Konzerns muss sich die Belegschaft auf eine hohes Tempo einstellen.

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Der Rüsselsheimer Autobauer soll auch unter der Führung des französischen Mutterkonzern PSA auf seine deutschen Wurzeln setzen. "Opel bleibt eine echte und wirkliche deutsche Marke", sagte Opel-Chef Michael Lohscheller am Donnerstag bei der Präsentation des Sanierungsplans für den angeschlagenen Konzern. Das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim werde beim Umbau des Konzerns eine Schlüsselrolle einnehmen, sagte Lohscheller.

Auch PSA-Chef Carlos Tavares betonte, am Opel-Haupsitz seien enorme Kompetenzzentren angesiedelt: "Diese Möglichkeiten werden wir nutzen, um unseren Plan umzusetzen." In der Vergangenheit sei alles in Detroit entschieden worden, sagte er. "Heute ist es nicht Paris, sondern das Zentrum der Entscheidungen ist Rüsselsheim."

Opel-Management wird verkleinert

Tavares machte aber auch deutlich: "Opel ist in einer dramatischen Situation. Wir haben keine Minute zu verlieren." Um die Ziele des Plans zu erreichen, müsse die Geschäftsführung alles Nötige in die Hand bekommen. So will PSA das Management des Rüsselsheimer Autobauers nicht an der kurzen Leine führen: "Wir haben kein Mikro-Management mit Opel-Vauxhall vor. Opel bleibt in der Hand des Opel-Chefs und des Vorstands", sagte Tavares, der gleichzeitig an die Arbeitnehmervertreter appellierte, den Plan zu unterstützen.

Vom drastischen Konzernumbau ist auch das oberste Management von Opel betroffen. "Selbstverständlich werden ich und mein Team dazu beitragen", sagte Opel-Chef Lohscheller. Veränderungen müssten an der Spitze beginnen. Das Management werde schlanker und von neun Direktoren auf sechs reduziert. "Bei der Suche nach Kostenreduzierungen drehen wir jeden Stein um", sagte Lohscheller.

Umbau ohne betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen

Mit Spannung hatten die Beschäftigten von Opel auf die Verkündung des Sanierungsplans gewartet. Am Morgen veröffentlichte der Konzern eine Mitteilung mit seinen Absichten und informierte die Mitarbeiter vorab in einer Betriebsversammlung. Opel will demnach bei seinem Neustart nach der Übernahme durch die französische Peugeot-Mutter PSA ohne betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen auskommen. Dafür muss allerdings erneut mit den Gewerkschaften verhandelt werden.

Einen Kündigungsschutz haben die die rund 19.000 Opelaner bislang nur bis Ende 2018. Die Lohnkosten sollen über Abfindungen, innovative Arbeitszeitkonzepte und Altersteilzeit gesenkt werden, kündigte das Unternehmen am Donnerstag in Rüsselsheim an.

Opel will bei seinem Sanierungsprogramm "Pace" (engl. Tempo) mit einem schnellen Schwenk auf die Technologie des neuen Mutterkonzern PSA in die Gewinnzone kommen. Dafür werden auch zwei bereits geplante Modelle, die noch auf der Technik des früheren Eigners General Motors basieren, in den Werken Eisenach und Rüsselsheim durch neue Projekte auf PSA-Plattformen ersetzt. Die Kosten pro hergestelltem Auto sollen um 700 Euro sinken, so dass bereits ab 800.000 Autos die Gewinnzone erreicht werde, kündigte Opel an.

Ampera wird gestrichen

"Dies ist ein großer Tag für Opel", sagte der neue Opel-Chef Michael Lohscheller. Es seien Elektrovarianten für jede Baureihe vorgesehen. Dabei spielt der noch von GM entwickelte Opel Ampera-E, der am Dienstagabend mit dem "Goldenen Lenkrad" von "Auto-Bild" ausgezeichnet worden war, keine Rolle mehr. Im Jahr 2020 will Opel mit PSA-Technologie bereits vier Elektro-Modelle inklusive des neuen Corsa auf dem Markt haben und vier Jahre später jedes Modell auch in einer E-Variante anbieten können. Zu diesem Zeitpunkt soll es keine Fahrzeuge auf GM-Basis mehr im Programm geben.

Jeder neue Opel werde im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum geplant. Durch eine schlankere Produktpalette, eine kostengünstigere Produktion sowie einen gemeinsamen Einkauf will Opel/Vauxhall bis 2020 jedes Jahr 1,1 Milliarden Euro Kosten einsparen. So soll ein operativer Gewinn in Höhe von 2 Prozent des Umsatzes erreicht werden. Danach sollen es sogar 1,7 Milliarden Euro jährliche Einsparungen sein, wie Lohscheller erklärte.

Exporte über Europa hinaus

Opel plant eine Exportoffensive, mit der bis 2022 rund 20 neue Märkte erschlossen werden sollen. Der Gang nach China und Brasilien werde darüber hinaus geprüft, kündigte der Opel-Chef an.

Der Autohersteller mit Stammsitz in Rüsselsheim hat unter der Ägide des bisherigen Besitzers General Motors seit 1999 keinen Jahresgewinn mehr geschafft. Zum 1. August dieses Jahres hat die Peugeot/Citroën-Mutter PSA das Unternehmen samt der britischen Schwestermarke Vauxhall übernommen. PSA-Chef Carlos Tavares hat die Opel-Fabriken als vergleichsweise ineffizient bezeichnet und das deutsche Management mit einem Sanierungsplan beauftragt.