Ein Ryanair-Flugzeug im Wartestand
Ein Ryanair-Flugzeug im Wartestand Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Lange Schlangen und volle Flieger: Erstmals sind am Dienstagmorgen zwei Maschinen des Billigfliegers Ryanair vom Frankfurter Flughafen gestartet. hessenschau.de nimmt Sie mit und fasst die Fakten zusammen.

Was passiert am Dienstag?
Der irische Billigflieger Ryanair hat am Dienstag mit zwei Maschinen seinen Betrieb in Frankfurt aufgenommen. Der für 6.50 Uhr geplante Start der ersten Maschine nach Palma de Mallorca verzögerte sich um 19 Minuten, dann ging es los. Zuvor bildeten sich lange Schlangen am Schalter, ein einzelner Demonstrant wurde aus dem Terminal geführt. Der Jungfernflug war bis auf wenige Plätze ausgebucht und landete gegen 9 Uhr auf der Balearen-Insel.

Auf dem Flugplan stehen ab sofort morgendliche Flüge nach Mallorca und Malaga, am Nachmittag nach Alicante und Faro (und jeweils zurück).

Externer Inhalt Ende des externen Inhalts

Was bedeutet das?
Wie geht es weiter?
Reicht die Kapazität am Flughafen?
Um was gibt es Streit?
Ist Ryanair wirklich billiger?
Und die versteckten Kosten?
Wie kann Ryanair so billig sein?
Was sagt die Gewerkschaft dazu?
Was ist mit der Umwelt?
Ihre Meinung (Kommentare)?

Externer Inhalt
Ende des externen Inhalts

Was bedeutet das?
Für Ryanair bedeutet dies, dass die Lowcost-Airline auch auf großen und zentralen Flughäfen wachsen will, nicht zuletzt um Geschäftsleute zu gewinnen. Für Lufthansa ist die Ansiedlung des Billig-Konkurrenten am Heimatstandort eine Provokation. Für den Frankfurter Flughafen bedeutet dies einen Wechsel der Strategie: Bislang hatte er sich auf Umsteiger, Geschäftsleute, Interkontinentalflüge und die Lufthansa verlassen, zuletzt aber stockte das Wachstum. 2016 sank die Zahl der Passagiere um 0,4 Prozent auf 60,8 Millionen. Kapazitäten liegen brach. Nun lockt der Flughafen Billigflieger.

Wie geht es weiter?
Schon im September erweitert Ryanair seinen Flugplan in Frankfurt auf 21 Ziele, im Oktober um weitere 3. Insgesamt wird Ryanair dann ab Frankfurt mit mit 7 Maschinen 24 Ziele bedienen. Geplant sind 2,3 Millionen Passagiere im Jahr (Lufthansa: 39,2 in Frankfurt) . Darunter sind Ziele, die viele Airlines anfliegen wie (z.B. Mallorca), die nur Ryanair direkt anfliegt (Alicante) und Strecken, auf denen die Lufthansa erstmals Konkurrenz bekommt (Toulouse). Der Billigflieger Wizzair fliegt ab Sommer nach Sofia und Budapest. 2018 soll die Lufthansa-Billigtochter Eurowings kommen.

Reicht die Kapazität am Flughafen?
Der Flughafen strebt an, die Zahl der in einer Stunde höchstens möglichen Zahl von Starts und Landungen ab Winter von 100 auf 104 hochsetzen zu lassen. Die Zahl bestimmt sich daraus, was Flugrouten und Terminals an Kapazität hergeben. Vor der Inbetriebnahme der neuen Landebahn 2011 waren höchstens 84 Slots (Flugbewegungen) pro Stunde verfügbar. Nun ist das Frankfurter Start- und Landebahnsystem grundsätzlich für 126 Starts und Landungen zugelassen. Dies wolle man "irgendwann" auch erreichen, sagte ein Sprecher. Die heutige Terminalkapazität reicht für 68 Millionen Passagiere (heute 60,8). Ein drittes Terminal für weitere 14 Millionen Passagiere soll 2023 öffnen.

Externer Inhalt Ende des externen Inhalts

Um was gibt es Streit?
Der Frankfurter Flughafen hat Ryanair mit einer neuen Gebührenordnung gelockt, die dem Neuling 40 bis 50 Prozent niedrigere Landegebühren einräumt. Über drei Jahren baut sich der Rabatt dann ab. Das gibt es auch anderswo. Lufthansa und Condor kritisieren aber vor allem, dass der Rabatt auch auf Strecken gewährt wird, die schon durch Konkurrenten angeboten werden, nicht nur für neue Ziele. Lufthansa-Chef Carsten Spohr kritisierte auch das Land Hessen, das größter Fraport-Anteilseigner und gleichzeitig Genehmigungsbehörde für die Rabattstaffel ist. Hessen subventioniere den schärfsten Gegner des größten Arbeitgebers in Hessen, beklagte Spohr. Lufthansa will nun selbst nur reduzierte Gebühren zahlen, ein Rechtsstreit ist nicht ausgeschlossen.

Ist Ryanair wirklich billiger?
Ryanair wirbt mit Preisen ab 9,99 Euro, aber verkauft die Tickets durchaus teurer, wenn es die Nachfrage hergibt. Am Montag kostete ein Hin- und Rückflug Frankfurt-Mallorca in der ersten Oktoberwoche bei Ryanair 178,98 Euro, bei Condor 219,98 Euro und bei Lufthansa 228,73 Euro. Toulouse am 20. September (einfach) kostete am Montag bei Ryanair 28,99 Euro, bei Lufthansa 118,64 Euro. Nicht immer ist Ryanair billiger: Ein Retour-Ticket vom 5. bis 8. Januar nach Barcelona kostete bei Ryanair 100,98 Euro, bei Lufthansa 98,56.

Und die versteckten Kosten?
Koffer aufgeben (30 Euro/20 kg), Platzreservierung, damit Freunde zusammensitzen (ab 2 Euro), Essen und Trinken? Alles lässt sich Ryanair extra bezahlen. Wer nicht online eincheckt, sondern am Flughafenschalter, zahlt 45 Euro drauf. Wer seine Bordkarte vergisst, zahlt am Flughafen 15 Euro für einen neuen Ausdruck. Allerdings: Auch bei den günstigsten Tarifen von Lufthansa und Condor ist kein aufgegebenes Gepäck mehr enthalten, auch Condor lässt sich längst jeden Kaffee und jedes Wasser an Bord bezahlen. Discount-Fliegen heißt auch: Jeder zahlt nur, was er auch nutzt.

Wie kann Ryanair so billig sein?
Ryanair fliegt nur mit einem einzigen Flugzeugtyp (Boeing 737-800), was den Einsatz von Besatzungen, den Tausch von Flugzeugen und die Wartung effizienter macht. Bei Ryanair reinigt die Crew das Flugzeug tagsüber selbst, nur abends kommt in Frankfurt ein Dienstleister und putzt. Ryanair lastet seine Maschinen aus, in dem sie schnell wieder starten: In Frankfurt sollen Flugzeuge 25 Minuten nach Erreichen der Parkposition wieder abgefertigt sein. Ryanair befördert Reisende direkt im Punkt-zu-Punkt-Verkehr, eine teure Organisation für Umsteiger braucht sie nicht. Ryanair beschäftigt die Crews zu günstigeren - die Gewerkschaften sagen prekäreren - Bedingungen als andere.

Was sagt die Gewerkschaft dazu?
Leiharbeit, Scheinselbstständigkeit: Zuletzt berichteten ARD und FAZ, wie Ryanair Personalkosten drückt. Ryanair widerspricht dem und erklärt, man halte sich an geltendes Recht. Zudem hätten Beschäftigungsmodelle nichts mit Sicherheit zu tun, dafür sorgten strenge Luftfahrtregeln. Die Einkommensteuer werde in Irland bezahlt, die Sozialversicherung am Ort der Basis, hier also: Frankfurt. Markus Wahl von der Pilotengewerkschaft Cockpit sieht das anders. "Dass Beschäftigungsmodelle mit der Sicherheit nichts zu tun haben, ist kurzer Hand falsch", sagt er hessenschau.de. "Dass Ryanair jetzt auch aus Frankfurt fliegt, bedeutet, dass sich unanständige Arbeitsmodelle jetzt auch an Deutschlands größtem Flughafen breitmachen." Es sei falsch, so eine Airline mit Nachlässen bei Landegebühren zu locken. Ähnlich sieht das auch die SPD im Landtag. SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel will nicht mit Ryanair fliegen.

Was ist mit der Umwelt?
Die Umweltbilanz der Billigflieger ist im Vergleich zu anderen Airlines vergleichsweise günstig. So stuft atmosfair.de Ryanair in der zweitbestbesten von fünf Effizienzklassen ein, verweist aber auf durch Subventionen erzeugten Mehrverkehr. Condor rangiert ebenfalls in der zweitbesten Wertung, Lufthansa auf der Mittelstrecke eine Kategorie schlechter. Grund: Billigflieger fliegen mit neueren und damit eher spritsparenden Maschinen, sie befördern Passagiere direkt ans Ziel und nicht über Umsteige-Verbindungen auf Umwegen. Da sie viele Sitze in eine Maschine quetschen und diese gut auslasten, sinkt die Schadstoffbelastung je Kopf. Umweltschützer Thomas Norgall vom BUND Hessen sieht das Problem darum in einem anderen Punkt: Billigflieger würden viele Menschen dazu bringen, überhaupt oder öfter zu fliegen. "Genau andersrum müsste es sein: Wir brauchen Rahmenbindungen, die das Klima schützen, und nicht Rahmenbedingungen, die das Klima weiter schädigen", sagt er hessenschau.de. Auch er kritisiert die Fraport-Gebührenrabatte für Ryanair.

Ihre Kommentare Ryanair in Frankfurt - Ärgernis oder gutes Angebot?

13 Kommentare

  • Es lebe die Geschwindigkeit und der wirtschaftliche Fortschritt. Immer schneller und billiger ans Ziel kommen, da soll es doch auf ein paar Kollateralschäden mit der einhergehenden Luftverschmutzung und dem vorzeitigem Ableben des ein oder anderen nicht ankommen. Das ist der Preis den ein paar wenige halt zahlen müssen.

    Aber wen interessiert es!? Jeder denkt ja wie ein Raucher... mich trifft das nicht *LOL*

  • Ryanair ist eine europäische Fluggesellschaft, die sich an irisches und sofern erforderlich an das Recht im Land der jeweiligen Basis zu halten hat und dies nach einigen verlorenen Klagen offensichtlich auch tut. Sie unterliegt der gleichen Beaufsichtigung ihrer Sicherheits- und Geschäftspraktiken wie jede andere Airline. Was die Preisgestaltung angeht: Deutsche Bahn verlangt ebenfalls Gebühren für eine Platzreservierung, Koffer sind frei (muss ich allerdings selbst verladen), Snacks kosten ähnlich viel. Auf der Strecke FFM-Berlin (Hoffentlich auch bald Ryanair) fliege ich trotz aller belastenden Zusatzgebühren (z.B. unnötige Luftverkehrsabgabe) günstiger, pünktlicher und sicherer als mit der Bahn und habe immer einen zugewiesenen Sitzplatz. Im Service unterscheiden sich alle Airlines nicht mehr großartig. Extras kosten und das Lächeln bei Ryanair-Mitarbeitern ist im Preis sogar drin. Bei den sog. Premiumfliegern scheint es extra zu kosten oder es ist im Tarifvertrag nicht geregelt.

  • Diese ständige Gejammer des deutschen Wutbürgers gepaart mit der unsäglich einseitigen und gegen den Flughafen gerichteten Berichterstattung des von uns bezahlten HR sind nicht mehr zu ertragen...

Alle Kommentare laden