Ryanair-Maschine am Frankfurter Flughafen
Ryanair-Maschine am Frankfurter Flughafen Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Arbeitskampf zwei Tage vor Heiligabend: Die Pilotengewerkschaft Cockpit ruft die Ryanair-Piloten in Deutschland am Freitag zum Warnstreik auf. Der Billigflieger will dennoch alle Flüge durchführen.

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Alle bei Ryanair festangestellten Piloten sollten ihre Arbeit in Deutschland am Freitagmorgen von 5.01 Uhr bis 8.59 Uhr niederlegen, erklärte die Pilotengewerkschaft Cockpit am Donnerstag in Frankfurt. Grund für den Warnstreik seien ergebnislose Verhandlungen mit Ryanair in dieser Woche.

Zwischen 6 Uhr und 9 Uhr stehen am Flughafen Frankfurt am Freitag sechs Ryanair-Starts auf dem Flugplan, nach Gran Canaria, Porto, Athen, Glasgow, London und Catania. Um 9.15 Uhr soll zudem eine Maschine nach Lissabon abheben.

Wie viele der Piloten dieser Flüge festangestellt sind und sich am ersten Arbeitskampf beteiligen, ist unklar. Da es sich um den ersten Streik bei Ryanair handelt, gibt es keine Erfahrungswerte. Ryanair rief alle Passagiere auf, am Freitag wie geplant zu erscheinen. Man plane, alle angekündigten Flüge zu absolvieren und die Verzögerungen so gering wie möglich zu halten, erklärte die Fluglinie am Donnerstagabend. Die eigenen Piloten habe man aufgefordert, das Wohl der Passagiere so kurz vor Weihnachten an erste Stelle zu setzen.

Konflikt spitzt sich zu

Der Konflikt um die Arbeitsbedingungen beim Billigflieger Ryanair hatte sich im Dezember zugespitzt. Nach einer ersten Streik-Drohung hatte das irische Unternehmen am Mittwoch erstmals Gespräche mit Piloten-Gewerkschaften angeboten. Die Streikdrohungen wurden daraufhin zurückgenommen. Während der Billigflieger von einem "positiven und erfolgreichen" Treffen sprach, zeigte sich die irische Gewerkschaft Impact am Mittwoch aber "enttäuscht".

Nach Darstellung der VC waren die ersten Sondierungsgespräche mit dem Unternehmen in Dublin gar nicht erst zustande gekommen. Ryanair habe am Mittwoch zwei der fünf anwesenden VC-Tarifkommissionsmitglieder abgelehnt und damit die gewerkschaftliche Autonomie missachtet. "Ryanair spielt weiter auf Zeit und verhindert so den Einstieg in Tarifverhandlungen", sagte der VC-Verhandlungsführer Ingolf Schumacher.

Ryanair kritisiert Gewerkschaft

Ryanair hatte kurz vor der Ankündigung des Warnstreiks noch mitgeteilt, mit der VC am 5. Januar in Frankfurt sprechen zu wollen. Später erhob die Fluglinie den Vorwurf, der Delegation von Cockpit sei nicht von Ryanair-Piloten gewählt worden und ihr gehöre ein Pilot an, der seit über einem Jahr gar nicht mehr für Ryanair fliege.

In Deutschland hatte die Pilotengewerkschaft Ryanair schon in den vergangenen Tagen davor gewarnt, mit den Gesprächen lediglich auf Zeit zu spielen, um sich ohne Streiks über die wichtige Reisezeit um Weihnachten zu retten. Auch die Gewerkschaft des Kabinenpersonals (UFO) forderte verbindliche Verhandlungstermine für sich.

Gewerkschaften beklagen geringe Fix-Gehälter

Die Arbeitnehmervertreter verlangen eine Vielzahl von Verbesserungen in den Arbeitsverhältnissen der rund 4.000 Ryanair-Piloten. Unter anderem stören sie sich an schlecht strukturierten Einsatzplänen, plötzlichen und als willkürlich empfundenen Versetzungen, geringen Fix-Gehältern und dem weit verbreiteten System sogenannter Vertragspiloten.

Die irische Airline war wiederholt in die Kritik geraten. Unter anderem soll es dort laut VC keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, aber umstrittene Dienstplanregeln und viele in Scheinselbstständigkeit arbeitende Kollegen geben. Ryanair betont dagegen immer wieder, man handele auf Grundlage von irischen oder nationalen Gesetzen für die Luftfahrt.

Ryanair-Basis in Frankfurt wächst

Ryanair hat seit März eine Basis am Frankfurter Flughafen, die der Billigflieger stetig ausbaut. Die Zahl der Strecken soll von 24 im laufenden Winterflugplan auf 38 im kommenden Sommer wachsen. Wegen der Expansion des irischen Billigfliegers am größten deutschen Flughafen hat Betreiber Fraport den Bau des Terminals 3 in Teilen auf 2020 vorgezogen.

Zuletzt war Ryanair in der Kritik, weil die Flugzeuge oft nach Eintritt des Nachtflugverbots um 23 Uhr in Frankfurt landeten. Zuvor hatte es wegen der Rabatte für Ryanair heftigen Widerspruch von Lufthansa gegeben, dem wichtigsten Kunden des Flughafens. Auch die Landespolitik bemängelte die von Gewerkschaften angeprangerten Arbeitsbedingungen bei Ryanair.