Glasfaserkabel auf dem Land
Glasfaserkabel für schnelles Internet - noch nicht alle Winkel Hessens sind versorgt Bild © Imago

Die große Mehrheit der Haushalte in Hessen verfügt inzwischen über schnelles Internet. Doch nicht alle Menschen profitieren vom Breitbandausbau. Es gibt sie noch, die wenigen weißen Flecken auf der digitalen Landkarte.

Von solchen Datengeschwindigkeiten kann Ernst Eidmann nur träumen: Mehr als 70 Prozent der hessischen Haushalte können mittlerweile - theoeretisch - mit einer Datengeschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde im Internet surfen. Eidmann erreicht nicht einmal 400 Kilobit pro Sekunde, was umgerechnet 0,4 Mbit/s bedeuten. Oder einfach nur unfassbar langsam ist.

Man muss wissen, dass der Rentner in Hundertmorgen wohnt. Ein sogenannter Weiler, der zur südhessischen Gemeinde Reinheim gehört. In Hundertmorgen leben nur eine Handvoll Menschen. "Ich fühle mich hier wie in der dritten Welt", bringt der 66-Jährige seinen Unmut gegenüber hessenschau.de zum Ausdruck.

Flächendeckend heißt nicht 100 Prozent

Dabei gehört Reinheim zu den Kommunen, die mittlerweile flächendeckend über schnelles Internet verfügen. Aber flächendeckend bedeuten in dem Fall nicht 100 Prozent, sondern eben ein paar Prozentpunkte weniger. Und so muss Hundertmorgen in die Röhre schauen.

In Dilshofen, einem benachbarten Weiler, hat man immerhin eine Versorgung von 8 Mbit/s. Das Örtchen profitiert von seiner Nähe zu den beiden Reinheimer Ortsteilen Georgenhausen und Zeilhard, wohin Glasfaser gelegt wurde. Das genügt schon, um Dilshofen schnelleres Internet zu ermöglichen.

Alle 21 Landkreise im Breitbandausbau aktiv

Hundertmorgen hat Pech. Es liegt einfach zu weit vom Reinheimer Ortsteil Ueberau weg, wo satte 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stehen. Und eine Glasfaserleitung nach Hundertmorgen zu legen, ist für den Netzbetreiber einfach zu unrentabel. "Und das in einer Wirtschaftsregion wie dem Rhein-Main-Gebiet", schimpft Ernst Eidmann.

Die Situation in dem südhessischen Mini-Dorf ist aber die Ausnahme, ansonsten schreitet der Breitbandausbau in Hessen unaufhaltsam voran. "Alle 21 Landkreise sind im Breitbandausbau aktiv", unterstreicht Wolfram Koch, Leiter vom Breitbandbüro Hessen in Wiesbaden. Bei den gewerblichen Flächen sei Hessen das am besten ausgebaute Bundesland.

Die "letzte Meile" bleibt ein Problem

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Daten & Fakten

Der TÜV Rheinland misst im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), wie weit der Breitbandausbau fortgeschritten ist. Fazit: Bei den Bandbreiten bis mindestens 2 Mbit pro Sekunde ist der Anschluss der Ortschaften bis auf einige Mini-Lücken schon recht flächendeckend. Bei 6 Mbit/s werden die Löcher an einigen Stellen hingegen schon etwas größer. Im Schwalm-Eder-Kreis etwa liegt die Abdeckung nur bei 92 Prozent. Richtig auseinander geht es bei den großen Bandbreiten von 30 Mbit/s und mehr. Hier liegen die Werte in einigen Landkreisen noch deutlich unter 50 Prozent.

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Bis Ende 2018 sollen die Haushalte landauf und landab mit Turbo-Internetanschüssen versorgt sein. So der hehre Plan von Wirtschaftsminister Tarik Al-Wazir (Grüne). Und bis zum Jahr 2020 sollen sogar zwei Drittel der Haushalte über Anschlüsse mit 400 Megabit pro Sekunde verfügen. Wie gesagt: flächendeckend heißt nicht 100 Prozent.

Jenseits aller Strategiepapiere gibt's noch ein anderes Problem. Stichwort: "letzte Meile". Je weiter ein Haushaltsanschluss vom Kabelverteilerkasten entfernt ist, desto stärker sinkt die Geschwindigkeit. Da hilft's auch wenig, wenn der Verteiler-Kasten mit Glasfaser versorgt wird. Denn die Verbindung zwischen Verzweiger und Haushalten erfolgt oft noch per Kupferkabel - und da geht die meiste Power verloren. Um den letzten Engpass zu beheben, unterstützt das Land auch in diesem Punkt finanziell die Kommunen.

Wenn ein Windows-Update nach 24 Stunden abbricht

Bei Ernst Eidmann herrscht gefühlt immer noch digitale Steinzeit. Ein Update von Windows 10 brach nach 24 Stunden(!) ab. Ein Bekannter habe seinen Rechner mitgenommen und das Programm installiert. "Eine Mail zu öffnen, dauert Minuten", berichtet der Rentner frustriert.

Die Telekom hatte für die Bewohner von Hundertmorgen im vergangenen Sommer eine Sonderlösung in Aussicht gestellt. Aber seitdem ist noch nichts passiert, so der 66-Jährige, "aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt". Bis dahin gilt: Es gibt sie noch, die wenigen weißen Flecken im hessischen Breitband-Atlas.