Ein Mann mit "Security"-Jacke im Treppenhaus.
Ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstleisters steht in einem Treppenhaus. Bild © picture-alliance/dpa

Nach der Brandkatastrophe von London überprüfen die hessischen Kommunen den Brandschutz in Hochhäusern. In Hanau und im Landkreis Offenbach entdeckte man Probleme - und fand kreative Lösungswege.

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Der Sicherheitsmann als Brandschützer: Weil die Fassade eines Hochhauses in Heusenstamm (Offenbach) offenbar mit brennbarem Material gedämmt wurde, muss der Hauseigentümer jetzt eine Sicherheitsfirma beauftragen, das Haus zu bewachen.

Der Kreis Offenbach meldete am Donnerstag, alle 101 Hochhäuser im Landkreis begutachtet zu haben. Dies war eine Vorgabe aus dem Wirtschaftsministerium, nachdem bei einem Brand im Londoner Grenfell Tower vor einem Monat mindestens 80 Menschen starben und sich das Feuer insbesondere über die brennbare Fassadendämmung ausbreitete.

In Deutschland ist der Dämmstoff Polystyrol, auch unter dem Markennamen Styropor bekannt, bei Hochhäusern verboten. Von einem Hochhaus spricht man, wenn der Fußboden des obersten Stockwerks höher liegt als 22 Meter. Und in zwei Fällen wurde man im Kreis Offenbach fündig.

Die Fassade muss runter - und zwar schnell

Das besagte Haus in Heusenstamm wurde 1963 gebaut, war damals aber noch kein Hochhaus. Erst in den 90ern wurde es aufgestockt. Nun hat es acht Stockwerke, das oberste liegt knapp über der 22-Meter-Marke. Außerdem wurde das Haus im Zuge der Aufstockung auch gleich neu gedämmt - mit Polystyrol.

In Wuppertal wurde vor drei Wochen ein Haus mit ähnlichen Voraussetzungen geräumt. In Heusenstamm geht man einen anderen Weg: Dort sollen nun Wachleute rund um die Uhr die Fassade im Auge behalten und dafür sorgen, dass nichts Brennbares in die Nähe kommt, sei es ein Moped oder eine Mülltonne. Grillen auf dem Balkon ist für die Bewohner absolut tabu, Zigaretten sind kritisch. Außerdem muss der Hauseigentümer innerhalb von zwei Wochen die brennbare Dämmung im Erdgeschoss entfernen lassen, für die restliche Fassade hat er zwei Monate Zeit.

Ähnlicher Fall in Hanau

Der zweite Fall im Kreis Offenbach spielt in Dietzenbach. Dort sei an einer fensterlosen Hochhausfassade eine Dämmung angebracht worden, ohne dass dafür eine Genehmigung eingeholt wurde. Hierzu soll es kurzfristig eine Anhörung geben.

Bereits vergangene Woche hatte die Stadt Hanau in einem ähnlichen Fall genauso reagiert, mit Sicherheitsdienst und Entfernen der Fassadendämmung. Außerdem wurden neue, per Funk vernetzte Rauchmelder eingebaut und Feuerlöscher verteilt. Eine zusätzliche Feuerwehrzufahrt gehört ebenfalls zum Konzept - obwohl das Haus ohnehin kurz vor der Sanierung steht.

Architekten und Feuerwehren fordern weitere Schritte

Bereits vor zwei Wochen wurde ein weiterer Fall in Offenbach bekannt. Dort war unerlaubterweise der achte Stock eines Hauses am Odenwaldring bewohnt. So wurde das Haus zum Hochhaus. Daraufhin ließ die Stadt kurzerhand das obere Stockwerk räumen - damit ist die Polystyrol-Dämmung wieder legal.

Als zusätzliche Brandschutzmaßnahme hatte erst am Mittwoch die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen gefordert, Polystyrol bei Neubauten bereits ab einer Gebäudehöhe von sieben Metern zu verbieten. Schon zuvor hatten die Feuerwehren in deutlichen Worten vor dem Dämmstoff gewarnt und zusätzlich sogenannte Brandriegel zwischen den einzelnen Stockwerken gefordert

Sendung: hr-iNFO, 13. Juli 2017, 17.25 Uhr