Opel-Chef Michael Lohscheller (re) und PSA-Chef Carlos Tavares (li.)
Opel-Chef Michael Lohscheller (re.) und PSA-Chef Carlos Tavares bei der Präsentation des Opel-Sanierungsplans in Rüsselsheim Bild © picture-alliance/dpa

Keine betriebsbedingten Kündigungen oder Werksschließungen: Der Landtag hat den Sanierungsplan für Opel begrüßt. Auch die Arbeitnehmer sehen darin eine gute Basis für weitere Verhandlungen. Die wichtigsten Punkte und Reaktionen im Überblick.

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"Der Status Quo ist keine Option" - so hat es Opel-Chef Michael Lohscheller bei der Vorstellung von des Zukunftsplans für Opel in Rüsselsheim auf den Punkt gebracht. Konkret geht es darum, das Unternehmen grundlegend umzubauen. Wohin die Reise gehen soll, hat das Opel-Management in den vergangenen 100 Tagen ausgearbeitet. Die oberste Devise des nun verkündeten Strategieplans "Pace" lautet: Opel muss profitabel werden - und zwar schnell.

Was sind die wichtigsten Punkte im Plan?

  • Opel will den Konzernumbau ohne betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen schaffen. Für die Arbeitnehmer ist das sicherlich die wichtigste Ankündigung von Opel-Chef Lohscheller. Offen sind allerdings noch die genaue Ausgestaltung sowie der Zeitraum des Kündigungsschutzes. Zudem will Opel die Lohnkosten senken. Erreicht werden soll dies über Abfindungen, innovative Arbeitszeitkonzepte und Altersteilzeit. Der auf diesem Wege stattfindende Stellenabbau soll nach Informationen des Wiesbadener Kuriers jedoch zum größten Teil Rüsselsheim betreffen. Aus Unternehmenskreisen soll durchgesickert sein, dass firmenweit 4.500 Jobs gestrichen werden.
  • Ziel des Sanierungsplans ist es, Opel in die Gewinnzone zu steuern. Dafür soll Opel/Vauxhall bis 2020 jedes Jahr 1,1 Milliarden Euro Kosten einsparen, bis 2016 sogar 1,7 Milliarden Euro pro Jahr. Deshalb sollen die Produktpalette schlanker und die Produktionkosten reduziert sowie ein gemeinsamer Einkauf etabliert werden. Als Zielmarke beim operativen Gewinn nannte Lohscheller zwei Prozent des Umsatzes.
  • Auch bei der Technik enthält der Plan ehrgeizige Ziele: Im Jahr 2020 soll Opel mit PSA-Technologie vier Elektro-Modelle inklusive dem Corsa auf dem Markt haben und ab 2024 jedes Modell auch in einer E-Variante anbieten können. Für den Hauptsitz von Opel besonders wichtig: Das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim soll künftig innerhalb des PSA-Konzerns eine Schlüsselrolle einnehmen. Jeder neue Opel soll hier entwickelt werden.
  • In puncto Vertrieb schlägt PSA ebenfalls einen anderen Weg ein als die früherer Eigentümerin General Motors: Geplant ist eine Exportoffensive, mit der Opel bis 2022 rund 20 neue Märkte erschließen soll.

Was sagen die Arbeitnehmer und ihre Vertreter?

Die Arbeitnehmervertreter sind offenbar bereit, über den neuen Sanierungskurs unter dem Dach von PSA zu verhandeln. "Der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen über 2018 hinaus und die Zusage, keine Werke schließen zu wollen", seien eine Verhandlungsbasis, teilten der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug und der IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger mit. Wichtig sei nun, die Zusagen für den Zeitraum bis 2020 auch schriftlich zu fixieren.

Die Arbeitnehmervertreter begrüßten außerdem die Pläne, die CO2-Emissionen der Fahrzeugflotte reduzieren zu wollen. Dies sei ein "überlebenswichtiger Baustein für die Zukunft von Opel". Die Produktion der Opel-Fahrzeuge sollte nun schnellstmöglich von "GM- auf PSA-Architekturen" umgestellt werden, forderte Schäfer-Klug. Zugleich müsse es klare Verantwortlichkeiten für das Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim geben.

Was sagen Landesregierung und Opposition?

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Sujet: Opel

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kommentar zu Opel: Ein "weiter wie bisher" konnte es nicht geben

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Von Seiten der Politik wurde ebenfalls einhellig begrüßt, dass die Sanierung von Opel ohne Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen und in enger Kooperation mit den Arbeitnehmervertretern erreicht werden soll. Auch das Bekenntnis zum Standort Rüsselsheim bewerten Landesregierung und Opposition positiv.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), und sein Stellvertreter, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), erklärten, die Autoindustrie stehe vor großen Herausforderungen. Opel müsse es gelingen, die entscheidenden Weichen zu stellen, um zukunftsfähig zu werden. Die Landesregierung werde den weiteren Prozess begleiten und auch die Gespräche mit der Geschäftsleitung und den Betriebsräten fortführen, sicherten Bouffier und Al-Wazir zu.

SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel meinte, Opel könne wieder zu einer erfolgreichen Marke werden. Nötig sei, dass die anstehenden Veränderungen im Einvernehmen mit dem Betriebsrat gestaltet würden. Die Linke äußerte Bedenken hinsichtlich der technischen Ziele im Sanierungsplan. Um die Klimaziele zu erreichen, brauche es einen Wandel hin zu kleineren und sparsameren Fahrzeugen. "Die Elektrifizierung der bestehenden Produktpalette löst das Problem nicht", sagte Fraktionsvorsitzende Janine Wissler.

Die FDP im Landtag äußerte Bedenken, ob Opel die CO2-Grenzwerte der EU-Kommission im Jahr 2020 erreichen könne. Davon hänge die wirtschaftliche Lage des Unternehmens ab. PSA sei bei der Motorenentwicklung zwar weiter, das bedeute jedoch auch, "dass in Zukunft französische Technologie in Opel-Fahrzeugen zum Einsatz kommen wird", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher, Jürgen Lenders.