Hessencheck: Ein Seniorenwohnheim im Kreis Fulda
Firmenchef Willi Kropp und sein Sohn auf einer Baustelle, links eines von sieben Seniorenheimen des Familienunternehmens. Bild © Nina Steinert/hr

Vom Bauunternehmer zum Dienstleister: Vor einigen Jahren entschloss sich der Fuldaer Willi Kropp, sein erfolgreiches Baugeschäft zu erweitern - er betreibt nun Seniorenheime. Ein Beispiel für eine gelungene Anpassung im Strukturwandel. Doch es begann mit vielen Risiken.

"Ich hatte viele schlaflose Nächte", erzählt Willi Kropp im Café des Seniorenstifts mediana in Fulda. Nachdenklich aber zufrieden steht er inmitten der Bewohner, die sich hier versammelt haben, um den nachmittäglichen Kaffee und Kuchen zu genießen. Die schlaflosen Nächte, das war vor 26 Jahren. Damals hatte der Fuldaer Bauunternehmer die Idee, ein Seniorenheim auf die Beine zu stellen und selbst zu betreiben.

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Daten & Fakten

Der Landkreis Fulda ist in wirtschaftlicher Hinsicht so etwas wie das Musterkind in Hessen. Die Arbeitslosigkeit ist nirgends im Land geringer: Im Oktober betrug die Quote 3,0 Prozent. Im Zeitraum seit 1998 ging die Zahl der Arbeitslosen um mehr als 60 Prozent zurück - so stark wie in keinem anderen hessischen Landkreis. Zudem ist Fulda der einzige Landkreis in Hessen, in dem sowohl die Zahl der Teilzeit- als auch der Vollzeitbeschäftigten gestiegen ist.

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Die Idee war durchaus gewagt, denn Kropp hatte mit der Branche bislang nicht viel zu tun. Der Unternehmer spricht von einem Risiko, viel externes Wissen habe er sich dazu holen müssen. "Wir wussten ja am Anfang nicht, wie man eine Seniorenresidenz betreibt." Hinzu kam das finanzielle Wagnis: "Das war eine große Investitionssumme damals, wir hatten mit zehn bis elf Prozent Zinsen eine Phase der Hochzinspolitik."

Strukturwandel und die Überalterung der Gesellschaft waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht so große Themen wie heute. Dennoch, so erzählt Kropp im Gespräch, sei ihm damals schon klar gewesen, diese Entwicklung sei unaufhaltsam und darauf müsse er reagieren.

Bauunternehmer in dritter Generation

Nicht mal zwei Kilometer weiter ist Willi Kropps Sohn Oliver auf einer Baustelle tätig. Mitten in Fulda sollen neue Wohnungen entstehen. Noch gibt es erst ein Stockwerk, doch Plakate an der Baustellenwand verraten, es werden noch weitere fünf folgen. Oliver Kropp grinst und erzählt, das Bauen sei ja eigentlich das, was seine Familie schon in der dritten Generation mache, womit sie seit Ende des Zweiten Weltkriegs viel Erfahrung hätte.

1950 gegründet, ist die Firma seit Jahrzehnten im Tief- und Hochbau zu Hause. Ein konstanter Erfolg, der zu großen Teilen seinem Vater zu verdanken sei, sagt der Juniorchef, der das Unternehmen jetzt mit ihm zusammen leitet. "Mein Opa, der das Unternehmen aufgebaut hat, ist sehr früh gestorben. Also musste mein Vater mit gerade mal 21 Jahren plötzlich die Firma mit damals circa. 20 Mitarbeitern leiten. Das war eine große Verantwortung, denn hinter jedem Angestellten stand ja auch eine Familie." Die Herausforderung gelang offenbar, denn die Firma existiert heute noch und hat inzwischen rund 100 Mitarbeiter.

Sprung ins kalte Wasser

Viel bemerkenswerter ist jedoch, was der Familie inzwischen außerhalb ihres gewohnten Betätigungsfeldes gelang - in der Dienstleistungsbranche. 1990 war das entscheidende Jahr, das die Wende brachte. Obwohl es zu diesem Zeitpunkt im gesamten Landkreis Fulda nur Seniorenheime in kirchlicher oder staatlicher Trägerschaft gab, wagte Willi Kropp den Sprung ins kalte Wasser. Er eröffnete das erste privat betriebene Altenheim im Kreis.

Dabei habe er sich auch nicht von Rückschlägen zurückwerfen lassen, erzählt Kropp. Die ersten drei Jahre sei die Residenz sehr schwach belegt gewesen. Es habe lange gedauert, bis die Menschen seiner Einrichtung vertraut hätten, oft habe er sich gefragt, ob die Investition eine gute Idee war.  Aus heutiger Sicht lässt sich sagen: Ja, das war es. Dem ersten Seniorenheim vor 26 Jahren sind mittlerweile sechs weitere gefolgt - und damit auch viele neue Arbeitsplätze entstanden. 1.100 Mitarbeiter arbeiten allein mittlerweile für die verschiedenen Seniorenheime der Familie Kropp.

Standortvorteil ICE-Anschluss

Vom Bauunternehmer zum Dienstleister: Firmenchef Willi Kropp steht exemplarisch für eine gelungene Anpassung in Zeiten des strukturellen Wandels. Diese ist im Landkreis Fulda offenbar besonders gut gelungen. Kaum eine Region brummt so wie der hessische Osten. Mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 3,0 Prozent hat der Kreis den niedrigsten Wert im gesamten Bundesland. Die Anzahl der Beschäftigten ist in den letzten 15 Jahren hier um 22 Prozent gestiegen, auch damit ist der Kreis hessenweit sehr weit vorn.

Im Landkreis Fulda gebe es viele Unternehmer wie die Kropps, sagt die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Fulda. Innovative mittelständische Unternehmen sorgten für 80 Prozent der Jobs in der Region. Ein Standortvorteil des Kreises ist laut IHK der ICE-Bahnhof in Fulda, der ein großes Kongresszentrum nach sich zog sowie einige Hotels. Der Kreis sei außerdem an viele Autobahnen angeschlossen und logistisch gut angebunden.