Opel steht nach einer Schonzeit ein harter Sanierungskurs bevor: So sehen die meisten Kommentatoren die Zukunft des Rüsselsheimer Autobauers nach dem Verkauf an PSA. Zugleich betonen sie die Chancen. Eine Medienschau.

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Opel

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr-Kommentar: Letzte Chance für Opel

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hr-iNFO

"Dass PSA zufrieden ist, kann ich nachvollziehen, sie gehen das wohl geringste Risiko ein. Wenn der Plan aufgeht, verdienen sie Geld, wenn der Plan nicht aufgeht, dürften sie ohne viele Hemmungen kürzen, streichen, schließen. Und dass die Arbeitnehmervertreter bei Opel zuversichtlich sind, ist in meinen Augen der pure Selbsterhaltungstrieb. Nach schweren Jahren halte ich den Zusammenschluss mit Peugeot tatsächlich für eine Chance – allerdings auch für die letzte Chance, die Opel hat. Wenn es jetzt nicht funktioniert, befürchte ich, dann war es das für Opel."

Darmstädter Echo

"Nach der zuletzt recht unglücklichen Verbindung mit GM eröffnen sich Opel zwar Chancen im Export, vor allem in China - falls GM das zulässt. Letztlich aber ist das Zusammenschrauben der Traditionshersteller unglaublich komplex. Und PSA-Chef Tavares sagt ja deutlich, wo die Reise hingeht. Das Einzige, was beschützt, sei Leistung. Dabei ist Opel bereits produktiver, hat weniger Fertigungstiefe als PSA. Aber die Skaleneffekte fehlen eben. Hier wird sich Positives tun, ohne die industrielle Logik auszubremsen, nach der PSA wieder flott gemacht wurde: Kostenschnitte, Stellenabbau."

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zum Video Was bedeutet die Übernahme für Opel?

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Süddeutsche Zeitung

"Noch gilt Schonzeit, zumindest was die Jobs in Deutschland anbelangt. Man respektiere die von GM eingegangen Verpflichtungen, erklärt Tavares. Damit sind vor allem die Jobgarantien gemeint. Die meisten davon laufen allerdings schon Ende 2018 aus. Die ganz genauen Sparpläne werden wohl erst nach den Wahlen in Frankreich und Deutschland bekannt werden, die Politik in beiden Ländern hat kein Interesse an großen Diskussionen vor den Abstimmungen. Danach dürfte es allerdings schnell gehen."

Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Es ist etwas völlig Neues für die Rüsselsheimer, dass PSA eine Vorstellung davon hat, wie ihnen die Deutschen weiterhelfen könnten; ein wenig haben sie sich in den vergangenen Jahren in die Deutschen verliebt. Und die Franzosen verstehen etwas von Markenführung; das haben sie mit der Neupositionierung der Marke Citroën bewiesen. Tavares wird nicht zögern, die Antriebs- und Elektronikplattformen seines Konzerns in die Modellpalette von Opel zu integrieren. Schon in kurzer Zeit wird das Opel-Angebot größer sein als das, was die Opel-Händler gegenwärtig zeigen können."

tageszeitung (taz)

"Und das ist Opel jetzt: Teil eines europäischen Autokonzerns, der nach VW der zweitgrößte des Kontinents ist. Der starken Marke Opel bietet das nicht nur neue Absatzmöglichkeiten in Fernost, die GM bislang verhindert hat, sondern eine ganz andere Perspektive. Wie jeder Autokonzern muss auch PSA/Opel in die E-Mobilität und autonomes Fahren kräftig investieren. Opel, die Industrie-Ikone aus Rüsselsheim, wird dabei sicher nicht leer ausgehen."

Stuttgarter Nachrichten

"Für General Motors ist der Verkauf ein Armutszeugnis. Nach fast 90 Jahren zieht der US-Konzern die Reißleine: Er stuft die europäische Tochter als Ballast ein. Die Amerikaner haben offenbar keine Fantasie mehr, wie Opel auf Erfolgskurs kommen könnte - eine Marke mit langer Tradition, die vor dem Zweiten Weltkrieg der größte deutsche Autobauer war und später mit Modellen wie dem Kapitän, dem Kadett oder dem Manta Kunden begeisterte. Dass die Rüsselsheimer seit Jahren rote Zahlen schreiben, ist auch auf eine falsche Strategie zurückzuführen."

Badische Neueste Nachrichten

"Der 6. März wird in die Geschichte der deutschen Traditionsmarke eingehen - es ist kein guter Tag für Opel. Denn es ist absehbar, dass der französische PSA-Konzern dort nach einer Übergangsfrist einen knallharten Sanierungskurs fahren wird. Dabei haben sich die Opelaner von dem Schock, der Schließung ihres Werks in Bochum, noch gar nicht erholt."

Deutsche Welle

"Natürlich machen sich nun viele bei Opel und Vauxhall Sorgen um ihren Job. Die von GM gegebenen Standortzusagen werden von PSA zwar übernommen, sie laufen aber in absehbarer Zeit aus. Und dann werden die Karten mit Sicherheit neu gemischt. Fast 20 Werke hat der neue Konzern jetzt in Europa. Das rechnet sich für einen sogenannten Volumenhersteller nur, wenn diese Fabriken hoch effizient sind. Und auf Effizienz trimmen, das kann Carlos Tavares. Er, der 58-jährige Portugiese, hat den PSA-Konzern, der 2011 in eine tiefe Krise gerutscht war, knallhart saniert."

Automobilwoche

"Doch neben all diesen künftigen Vorteilen  bei Entwicklung, Einkauf und Fertigung vergrößert PSA mit Opel seine ohnehin schon  starke Abhängigkeit vom europäischen Mark. Mit Opel macht das Europageschäft künftig 71 bis 77 Prozent vom Gesamtabsatz aus. Bei VW liegt dieser Anteil bei 38 Prozent, bei Renault auch nur bei 54 Prozent. Die beste Perspektive hat Opel daher außerhalb Europas. PSA ist in China bislang enttäuschend schwach geblieben und in Nordamerika gar nicht präsent. Der Blitz hat dort die besten Überlebenschancen, wo Peugeot und Citroën am schwächsten sind."

Börsen-Zeitung

"Der nun aus der Opel-Übernahme durch PSA entstehende zweitgrößte Autokonzern Europas ist bei Gelingen der Transaktion, die erst gegen Jahresende abgeschlossen sein soll, nach wie vor international kein gewichtiger Player. In China waren die Franzosen zwar früh vertreten, haben daraus aber wenig gemacht. Opel wiederum wäre gerne in China und auch in Russland in größerem Stil angetreten, durfte aber nicht. Tavares muss sich daran messen lassen, diese Schwächen zu beseitigen."

Frankfurter Rundschau

PSA-Chef Carlos Tavares hat eine Aufgabe vor sich, die rund gerechnet ein Jahrzehnt mit Höchstanstrengungen bedeutet. Er muss Opel fit machen, muss unrentable Modelle streichen und defizitäre Produktionsanlagen dicht machen. Er muss aber gleichzeitig die Internationalisierung des Konzerns angehen, denn er ist derzeit auf den beiden weltgrößten Automärkten USA und China kaum präsent. 

heute.de

"Für Opel deutet sich damit eine ziemlich harte Rosskur an. Gleichzeitig aber auch die Chance, nach Jahren endlich wieder profitabel zu werden. Denn Profitabilität ist der beste Garant für eine langfristige Zukunft, sowohl für das Unternehmen als auch für seine Mitarbeiter."

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Ihre Kommentare Opel-Verkauf - Chance oder Risiko?

3 Kommentare

  • E-Autos bauen, jetzt.
    nicht erst in 13 Jahren !

  • Hoffentlich eine Chance und hoffentlich auch eine Chance, die genutzt wird. Früher stellte sich die Frage nach einem Auto nur zwischen Golf oder Astra. Danach kam eine Zeit wo der Mutterkonzern GM immer mehr die Finger im Spiel hatte was Opel langfristig das Genick brach. Europa ist nun mal nicht Amerika. Diese Erfahrung hat auch Ford mit der Neuauflage des Scorpio damals gemacht. PSA ist europäisch und somit näher am Kunden. Könnte eine Chance sein.

  • Opel wird wichtiger Teil des innovativsten Automobilherstellers des europäischen Kontinents. Damit bekommt Opel eine riesige Chance wieder qualitativ hochwertige und innovative Autos zu bauen. So wird es möglich, verloren gegangene Kunden zu begeistern und zurück zu gewinnen.