Straßenwärter bei der Arbeit an einer Autobahnabfahrt
Straßenwärter Andreas Bork (l.) und Christian Melk bei der Arbeit an einer Autobahnabfahrt Bild © van Bebber (hessenschau.de)

Flaschen voll Urin, Fast-Food-Tüten und auch mal ganze Wohnzimmer: Tag für Tag verwandeln Autofahrer Hessens Straßen und Parkplätze in eine Müllkippe. Sagen die Straßenwärter von Hessen Mobil etwas, werden sie noch angemotzt.

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Mit voller Blase verliert der Autofahrer an Hessens Straßen jede Hemmung: Streckenwart Klaus Ziller und zwei Kollegen räumen den Parkplatz Hohe Wart an der A67 bei Raunheim (Groß Gerau) auf. Wenige Meter von den Männern in den orangen Arbeitsklamotten stellen sich Reisende an den Zaun und pinkeln, obwohl das Klohäuschen nur 30 Schritte entfernt ist.

"Wenn man da was sagt, wird noch gemotzt", sagt Ziller. Der 61-Jährige sorgt seit 34 Jahren im Dienst von Hessen Mobil an Autobahnen für Ordnung. Immer dreckiger sei es geworden, sagt Ziller. 3.000 Tonnen Müll werfen Autofahrer Jahr für Jahr an Hessens Straßenränder. Ziller kann am Müll am Seitenstreifen ablesen, welche Fast-Food-Kette in der Nähe eine Filiale hat.

Seitenfenster als Müllschlucker

Auf dem Parkplatz an der A67 stoßen Ziller und seine Kollegen Christian Melk (18) und Andreas Bork (50) bald auf Plastikflaschen voller Urin. Lkw-Fahrer erleichtern sich während der Fahrt in die Flaschen und lassen sie dann zurück - oder gefährlicher: schmeißen sie bei voller Fahrt aus dem Fenster.

Streckenwart auf einem Parkplatz an der A67
Streckenwart auf einem Parkplatz an der A67 Bild © van Bebber (hessenschau.de)

Überhaupt scheinen viele Autofahrer das Seitenfenster mit einem Müllschlucker zu verwechseln. Gerade in Ausfahrten sammelt sich der Müll, weil bei reduziertem Tempo gern mal aufgeräumt wird. Neben den "Urin-Bomben" der Fernfahrer sammeln sich hier Kaffeebecher und Dosen. Ziller, Melk und Bork arbeiten zwischen Leitplanke und Lastwagen.

Melk ist nach einer dreijährigen Ausbildung gerade Straßenwärter geworden. Er zählt auf, was Kollegen und er sonst noch finden: mal eine Pistole, mal Drogen, aufgebrochene Tresore, Kühlschränke und immer wieder Papier, Becher, Windeln.

Ganze Wohnzimmer am Straßenrand

30.000 Arbeitsstunden im Jahr räumen die Mitarbeiter von Hessen Mobil auf, Aufträge an Fremdfirmen für Grundreinigung und Müllentleerung noch nicht mitgerechnet. Zeit, die den Mitarbeitern für andere wichtige Arbeiten an der Autobahn fehlt. 15.000 Tonnen Müll klauben sie im Jahr von Rastplätzen. "Manchmal finden wir ganze Wohnzimmer", sagt Melk.

Straßenwärter bei der Arbeit auf einem Parkplatz an der A67
Andreas Bork (l), Klaus Ziller und Christian Melk auf einem Parkplatz an der A67 Bild © van Bebber (hessenschau.de)

Streckenwart Ziller berichtet, immer häufiger kippten Leute einfach den Hausmüll auf die Parkplätze. Das ist auch gefährlich, denn es lockt Wildschweine an, die auf die Autobahnen und Parkplätze laufen. Und Ziller und seine Kollegen kommen inzwischen mit dem Aufräumen kaum noch nach. Ihr schlichter Wunsch: dass die Leute einfach Mülleimer und Toilettenhäuschen nutzen.

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Müll an Straßen

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23 Kommentare

  • EUROPASTOLZ aus Haiger-Flammersbach schrieb am 19.04.17, 10:31 Uhr: "Diese Art Müllentsorgung scheint bei einigen Menschen auch eine Art Aggression dem Staat gegenüber zu sein" (...) "Das Müllentsorgen als Art zivilen Ungehorsams..." - Wildes Müllentsorgen, um der Regierung zu zeigen, dass man mit der Politik nicht einverstanden ist? Hallo, geht's noch?

  • 'Sei DU selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt. ' M.Ghandi

  • Ohne Stichprobenkontrolle von Streifen durch Polizei oder Hilfs- wird das nicht besser. Die Kontrollen müssen unregelmäßig stattfinden.

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