Feuerwehrleute arbeiten am Dachstuhl eines beschädigten Hauses
Feuerwehrleute arbeiten am Dachstuhl eines beschädigten Hauses in Grünberg-Lumda. Bild © picture-alliance/dpa

In Grünberg schlägt ein Tornado eine Schneise der Verwüstung. Ganze Dachstühle werden angehoben. Die Schäden gehen in die Millionen. Zeitgleich wütet auch in Schlüchtern ein schwerer Sturm.

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Es ging blitzschnell: Gegen Abend fegt ein Tornado zunächst durch Grünbergs (Gießen) Stadtteil Reinhardshain, reißt mehrere Dachziegel fort, nimmt auf freiem Feld an Fahrt auf und schießt anschließend durch den Ortsteil Lumda. Das 673-Seelen-Dorf trifft es am schlimmsten: Hunderte von Dachziegeln wirbelen durch die Luft, dicke Bäume knicken um, Dächer werden abgedeckt und sogar ganze Dachstühle angehoben und einige Zentimeter weiter wieder abgesetzt. "Der komplette Ort wurde verwüstet", sagte ein Polizeisprecher. Insgesamt 84 der rund 200 Häuser von Lumda werden beschädigt, davon 20 schwer. Bis in die Nacht sind Dachdecker im Einsatz, um die Häuser für die Nacht zumindest provisorisch mit Planen abzudichten.

Am Vormittag besucht Innenminister Volker Bouffier (CDU), Lumda und macht sich ein Bild von der Lage. In Einzelfällen, wenn Menschen beispielsweise nicht versichert seien, "werden wir im Rahmen unserer Elementarschadenhilfe helfen", verspricht der Minister. In Grünberg geht man von einem Schaden in Millionenhöhe aus.

Feuerwehr selbst betroffen

Auch in Schlüchtern (Main-Kinzig) wütet zeitgleich ein heftiger Sturm, trennt zahlreiche Dächer ab und kippt Container um. Umherfliegende Ziegel schlagen in Autos und Fensterscheiben ein. Der Sturm habe eine Schneise durch die ganze Stadt geschlagen, sagt ein Sprecher der Feuerwehr. Es habe 25 Einsätze gegeben.

In Schlüchtern ist auch die Feuerwehr selbst betroffen: Das halbe Dach des Gerätehauses wird zerstört, Ziegel beschädigen 27 Privatwagen der Einsatzkräfte. Zudem wird der Funkmast zerstört. "Wir kamen gerade von einem Kellerbrand und wurden auf der Rückkehr überrascht", sagt der Sprecher. Nach ersten Einschätzungen liegt der entstandene Schaden in Schlüchtern bei etwa einer Million Euro.

Tornados selten in Deutschland

Menschen werden nicht verletzt – weder in Schlüchtern noch in Grünberg. Die Stärke des Tornados ist nach Einschätzung der hr-Wetterredaktion für Deutschland außergewöhnlich. Meteorologe Tim Staeger sagt, Tornados, die Schäden in solcher Höhe verursachen, würden bundesweit pro Jahr höchstens fünfmal registriert.