Teilnehmer der Demonstration für zivile Seenotrettung im Mittelmeer in Frankfurt

Aus Solidarität mit den Seenotrettern im Mittelmeer haben in Hessen rund 1.300 Menschen für die Rettung von Schiffbrüchigen und Geflüchteten demonstriert. Sie gingen in Frankfurt, Kassel und Marburg auf die Straße.

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Rund 1.300 Menschen sind in Hessen am Samstag zum Auftakt der bundesweiten Proteste gegen die Kriminalisierung von Seenotrettern auf die Straße gegangen. Aufgerufen hatte die Organisation Seebrücke, die im Sommer 2018 gegründet wurde. Sie fordert die Entkriminalisierung der Seenotrettung, sichere Fluchtwege und sichere Häfen für Flüchtlinge.

Mit den Aktionen würdigten die Demonstranten auch den Einsatz der Kapitänin der "Sea-Watch 3", Carola Rackete. Sie war mit 40 Flüchtlingen an Bord ohne Erlaubnis der italienischen Behörden in den Hafen der Mittelmeerinsel Lampedusa eingelaufen und vorübergehend unter Hausarrest gestellt worden. Mittlerweile ist sie wieder auf freiem Fuß, muss sich aber weiter vor Gericht verantworten. Nach Angaben der Initiative "Seebrücke" ertrinkt jede sechste Person während des Fluchtversuchs über das Mittelmeer.

"Das deutsche Innenministerium ist mitverantwortlich"

In Frankfurt versammelten sich laut Polizei rund 700 Menschen unter dem Motto "Notstand der Menschlichkeit - Sicherer Hafen Frankfurt statt Sterbenlassen" am Mainufer.

Anita Starosta, Sprecherin von "Seebrücke" Frankfurt, betonte, Kapitänin Rackete habe das einzig Richtige getan, indem sie Leben gerettet und sich "menschenrechtswidrigen Gesetzen" widersetzt habe. Rackete sei ein Vorbild, Flucht und Migration seien Menschenrechte. Auch wenn Rackete inzwischen wieder freigelassen wurde, sei die "Sea-Watch 3" noch beschlagnahmt. Die Situation habe sich nicht entspannt.

"Das deutsche Innenministerium ist mitverantwortlich, dass die Geretteten über zwei Wochen an Bord der Sea-Watch 3 ausharren mussten", kritisierte Melanie Wurst, ebenfalls Sprecherin der "Seebrücke Frankfurt". Kurz nach der Rettung hätten mehrere deutsche Städte einen sicheren Hafen angeboten. "Deutschland hätte direkt alle Menschen aufnehmen können", meinte Wurst.

Friedlicher Verlauf auch in Kassel, Marburg und Gießen

In Hessen fanden unter anderem auch in Kassel und Marburg Demonstrationen, Kundgebungen und Aktionen statt. Insgesamt waren nach Angaben der Organisation Seebrücke am Samstag in bundesweit mehr als 90 Orten Aktionen geplant.

Zu einer Kundgebung am Obelisken in Kassel erschienen am Samstagnachmittag nach Angaben der Polizei rund 110 Menschen. Die Demonstration sei friedlich verlaufen, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Nord. Die Teilnehmer legten eine Liste mit Daten von 35.000 im Mittelmeer ertrunkenen Menschen aus und appellierten für "Meer Rettung" und "EUmanity".

„Europa, Deine Würde und Deine Werte ertrinken im Mittelmeer.“ #Seebrücke #Kassel

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In Marburg folgten nach Polizeiangaben rund 500 Menschen dem Aufruf der Seebrücke-Organisatoren. Es habe keine besonderen Vorkommnisse gegeben, so die Polizei. Die Teilnehmer hielten Transparente mit den Aufschriften "Seenotrettung ist kein Verbrechen!" und "Stoppt das Sterben im Mittelmeer". Eine weitere Demonstration gab es in Gießen. Dort nahmen nach Polizeiangaben mindestens 420 Menschen teil.

Zu Beginn der Woche hatten bereits rund 250 Menschen in Frankfurt vor dem italienischen Konsulat gegen die Festnahme der Sea-Watch-Kapitänin demonstriert.

hessenschau, 06.07.2019, 19.30 Uhr