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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Vier von fünf Blaulichtern für den neuen Murot

Ulrich Tukur mit finsterem Blick im roten Hawaii Hemd

Nach über einem Jahr Pause ist LKA-Ermittler Felix Murot zurück auf der Tatort-Bühne. Sie ahnen es schon: Er wird keinen klassischen Krimi präsentieren - einen sehenswerten allemal.

Die Story

Felix Murot (Ulrich Tukur) will ausspannen, die Seele baumeln lassen, sich selbst neu entdecken. Deshalb macht er Urlaub im Taunus, liest Edgar Allan Poes Doppelgänger-Epos "William Wilson", radelt durchs Grüne, isst gut. "Vielleicht kehre ich ja als ein anderer zu Ihnen zurück", schreibt er prophetisch seiner Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp).

Da lernt er einen Mann kennen, der so aussieht wie er. Oder besser: wie eine prollige, rülpsende Version seiner selbst. Walter Boenfeld heißt er, ist Autohändler und hat ein Faible für Wein jeglicher Farbe. Die beiden verstehen sich bestens, so dass Boenfeld schließlich Murot zu sich nach Hause einlädt.

Weitere Informationen

"Die Ferien des Monsieur Murot"

Informationen zu LKA-Ermittler Felix Murot und seinem neuen Fall bei daserste.de

Zum Nachschauen gibt es "Die Ferien des Monsieur Murot" ab Sonntagabend in der ARD-Mediathek.

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Bei Wein und Whisky philosophieren sie über das Leben und die Liebe - bevor der sturzbesoffene Murot auf der Gartenliege einschläft. Als er aufwacht, ist Boenfeld tot - er wurde auf einer Landstraße überfahren, absichtlich offenbar. Murot beschließt, in Boenfelds Rolle zu schlüpfen und den Mord aufzuklären.

Die Szene

"Der geht ja ab wie Blutstuhl!" Mit diesen Worten eröffnet Walter Boenfeld eine gemeinsame Fahrt in Murots NSU-Oldtimer. Es folgen: ein Fast-Einbruch in Boenfelds Haus, ein Besäufnis mit literweise Rot- und Weißwein, ein philosophisches Gespräch über "Romantischkeit", ein höllischer Saunagang, ein Klamottentausch und ein fataler Spaziergang.

In keiner Sekunde hat der Zuschauer das Gefühl, hier ein und denselben Schauspieler vor sich zu haben. Ulrich Tukur hat sichtbar Spaß am Drehbuch von Grzegorz Muskala und Benjamin Braeunlich. Und auch später, als die Stimmung ernster wird, ist er es, der den Film mit nuanciertem Spiel trägt.

Die Stimmung

Apropos Stimmung: Auch wenn der Tatort zwischen Schwarzer Komödie, Krimi und philosophischem Drama wechselt: Herausgekommen ist ein feiner, runder Film, dessen Darsteller bis in die Nebenrollen überzeugen und bei dem die Doppelgänger-Prämisse am Ende gar nicht mehr absurd wirkt.

Die (vermeintliche) Vorlage, Jacques Tatis "Die Ferien des Monsieur Hulot", liefert dabei vor allem den musikalischen Rahmen.

Die Fragen

Was wäre aus mir geworden, wenn ich an der ein oder anderen Stelle meines Lebens eine andere Entscheidung getroffen hätte? Oder wenn ich einer Person begegnet wäre, die meinen Lebensweg verändert hätte? Murot kann in diesem Film auf gleich zwei Leben blicken: zunächst auf sein eigenes, denn irgendwann wohnt er seiner eigenen Beerdigung bei. Deprimiert muss er feststellen: "Viele sind ja nicht gekommen."

Dass es zu zweit auch nicht unbedingt besser ist, erfährt der überzeugte Einzelgänger, als er sich plötzlich in einer Ehe mit einer mörderisch-schönen Frau wiederfindet (hervorragend gespielt von Anne Ratte-Polle).

Fazit

"Die Ferien des Monsieur Murot" ist kein klassischer Whodunit-Krimi - ein typischer Murot also, wenn auch ein ruhiger. Das ist nach dem krawalligen "Angriff auf Wache 08"-Tatort von 2019 eine gelungene und überaus sehenswerte Abwechslung.

Sendung: hr1, 20.11.2020, 11.15 Uhr