Malerische Landschaft im Biosphärenreservat Rhön

Das Biosphärenreservat Rhön hat sich längst zu einer Modellregion für Naturschutz, Artenvielfalt und Tourismus entwickelt. Wir erklären, was es mit dem UNESCO-Schutzgebiet auf sich hat und warum sich ein Besuch lohnt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found 30 Jahre Biosphärenreservat Rhön

Biosphärenreservat Rhön
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Aufgrund seiner malerischen Landschaft mit weitem Panoramablick wird es das "Land der offenen Fernen" genannt. Seit 30 Jahren besteht das Biosphärenreservat Rhön. Das Schutzgebiet hat sich zu einer viel beachteten Region im Dreiländereck von Hessen, Bayern und Thüringen entwickelt. Am 6. März 1991 wurde es von der UN-Bildungsorganisation UNESCO als Einrichtung der Vereinten Nationen anerkannt.

Was ist überhaupt ein Biosphärenreservat?

Ein Biosphärenreservat (BR) ist eine Modellregion für das Zusammenleben von Mensch und Natur. Es fördert etwa nachhaltige Wirtschaftsformen, Naturschutz, Forschung und Bildung für nachhaltige Entwicklung ebenso wie internationale Kooperation. Das BR Rhön ist das einzige in Hessen und eines von 16 von der UNESCO anerkannten in Deutschland. Zugleich ist es eines der ältesten und größten bundesweit. Weltweit gibt es mehr als 700. Alle zehn Jahre wird von der UNESCO geprüft, ob alle Voraussetzungen erfüllt werden - in der Rhön 2024 wieder.

Wo befindet sich das Gebiet?

Zwischen Friedewald (Hersfeld-Rotenburg) im Norden und Hammelburg (Bayern) im Süden beziehungsweise zwischen Hünfeld (Fulda) im Westen und dem bayerischen Mellrichstadt im Osten. Es erstreckt sich über rund 243.000 Hektar in drei Bundesländern. Bayern stellt den größten Teil mit 53 Prozent, 27 Prozent entfallen auf Hessen, 20 Prozent auf Thüringen.

Die Karte zeigt die Verortung des Biosphärenreservat Rhön mit seinem hessischen, thüringischen und bayrischen Teil.

Welche Bedeutung haben Biosphärenreservate?

Das BR Rhön hat sich zum Leuchtturm-Projekt und Vorbild für andere entwickelt. "Es gibt immer wieder Regionen, die uns nacheifern und auch anerkannt werden wollen", sagt Torsten Raab, Leiter der hessischen Verwaltungsstelle. Die Auszeichnung sei eine Möglichkeit, eine Region - auch mit Fördergeld - zu entwickeln. Das UNESCO-Prädikat lässt sich auch für Tourismus-Zwecke nutzen. Im Vorjahr gab's auch Interesse in der Region zwischen Rheingau und Taunus. Doch die Pläne zerschlugen sich - zu viel Uneinigkeit in der Region. Derweil regt sich Interesse im Spessart, den sich Hessen und Bayern teilen.

Welchen Stellenwert genießt es in der Politik?

Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) sagt zum 30-jährigen Bestehen: "Das Biosphärenreservat hat sich mit wegweisenden Projekten einen hervorragenden internationalen Ruf erarbeitet." Es habe sich zu einem Hotspot zum Erhalt der biologischen Vielfalt entwickelt. Und zu einem Motor für die Regionalentwicklung. Die Leiterin der Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats in Thüringen, Ulrike Schade, findet, dass das kurz nach der Wiedervereinigung entstandene Reservat zum Zusammenwachsen von Ost und West beigetragen habe.

Rhönschaf

Was hat das Reservat in 30 Jahren erreicht?

Einiges getan hat sich etwa beim Natur- und Artenschutz. Zu nennen ist das Rhönschaf mit seinem charakteristisch schwarzen Kopf und den weißen Beinen. In den westlichen Bundesländern galt es als fast ausgestorben. Dann hat man in der Rhön diese alte Haustierrasse wiederentdeckt und nachgezüchtet. In der hügeligen Gegend dienen die Tiere als Landschaftspfleger. Heute steht das Rhönschaf nicht mehr auf der Liste der bedrohten Haustierrassen.

Gibt's weitere Beispiele für gelungenen Artenschutz?

Die Artenschutz-Förderung ist vielen Tieren zugute gekommen: etwa der Rhönquellschnecke, dem Birkhuhn und dem Rotmilan. Der Greifvogel mit dem gegabelten Schwanz hat sich zum Rhöner Wappenvogel entwickelt. Er fühlt sich dort so wohl, dass einige gar nicht mehr ihr Winterquartier im Süden aufsuchen. Inzwischen gibt es hier mit rund 350 Revierpaaren eine der größten Populationen in Deutschland. Nicht sonderlich erhöht hat sich dagegen der Bestand des scheuen Birkhuhns - trotz Importe von Artgenossen aus Schweden.

Rotmilan im Flug

Was ist dem Reservat nicht gelungen?

"Wir haben nicht nur Erfolge vorzuweisen", räumt der hessische Koordinator Raab ein. "Der Artenschwund macht sich auch hier bemerkbar." Durch den Wandel in Klima und Landwirtschaft gingen in Hessen bereits Arten verloren, etwa das Birkwild. Zudem kommt es zu Verlagerungen. Wärmeliebende Arten, etwa Feuerlibellen, tauchen auf. Auf Kälte getrimmte Tiere wie einige Käferarten verschwinden. Forscher untersuchen im Biosphärenreservat die Artenvielfalt und Auswirkungen von Wasserknappheit. Dafür gibt es eine Kooperation mit der Uni Frankfurt. Kernfrage: Was passiert, wenn die Sommer so trocken bleiben wie zuletzt?

Was kann man als Besucher in der Rhön lernen?

Um die Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur deutlich zu machen, liegt ein Schwerpunkt der Arbeit in der Umweltbildung. Natur- und Landschaftsführer werden ausgebildet und sind zusammen mit den Rangern unterwegs, um ihr Wissen weiterzugeben, auch in Schulen und Kindergärten. Bei Führungen teilen die Ranger ihr Wissen gern.

Welche kulinarischen Spezialitäten gibt es in der Rhön?

Wer die Rhön besucht, wird leicht mit Lebensmittel-Produzenten, Händlern und Gastronomen mit regionalen Produkten in Kontakt kommen. "Als in Deutschland noch wenige Menschen über diesen Trend gesprochen haben, haben wir damit schon angefangen", sagt Raab. Mittlerweile befinden sich rund 300 Betriebe bei der Dachmarke Rhön. "Wir haben eines der breitesten Angebote an regional erzeugten Lebensmitteln in Deutschland", so Raab.

Die Palette an Leckereien ist groß: Fleisch und Wurstwaren vom Rhönschaf und von Rhöner Rindern kommen auf den Tisch oder in die Einkaufstasche. "Ein besonders zartes Fleisch mit einem besonderen Geschmack", findet Raab. Säfte, Honig, Obst und Gemüse, Brotaufstriche aus Früchten von Rhöner Streuobstwiesen gibt es auch. Wer etwas mit Alkohol mag, kann mal Apfelsherry probieren. Weitere regionale Spezialitäten, Produzenten und Gaststätten findet man auf marktplatzrhoen.de.

Warum lohnt sich ein Besuch noch?

Die Wasserkuppe - Hessens höchster Berg - mit all seinen Angeboten ist der Besuchermagnet. Immer beliebter wird auch der Sternenpark. Diese Auszeichnung wird Gebieten mit einer besonders schützenswerten und nahezu natürlichen Nachtlandschaft verliehen. Viele Tiere und Pflanzen der Rhön sind nachtaktiv und benötigen die nächtliche Dunkelheit mit natürlichen Lichtverhältnissen, wo keine künstliche Beleuchtung stört.

Erlebbar für Besucher ist der Sternenpark bei äußerst beliebten und schnell ausgebuchten Sternenführungen. An einigen Orten in der Rhön wurden extra Himmelsschauplätze mit Panoramaliegen eingerichtet. In Deutschland gibt es nur wenige weitere anerkannte Einrichtungen dieser Art, etwa den Sternenpark Westhavelland.

Wird das Jubiläum auch gefeiert?

Große Feiern sind derzeit wegen Corona nicht möglich. Dennoch stehen mehr als zwei Dutzend Veranstaltungen zur Feier des Jubiläums auf dem Programm, einige davon in Hessen. Was davon letztlich in welchem Umfang stattfinden kann, ist unklar. "Wir haben extra einiges in den Sommer und Herbst gelegt, damit die Chancen steigen", sagt Raab. Den aktuellen Stand der Planung gibt es hier.

Was steht auf dem Programm?

Geplant sind länderübergreifende Biosphärenwochen (29. Mai bis 13. Juni), unter anderem mit geführten Wanderungen und Gastro-Angeboten. Zuvor gibt es am 6. Mai in Hilders einen Aktionstag mit Eröffnung des neuen Biosphären-Infozentrums. Am 20. Juni soll ein Brot- und Biermarkt in Poppenhausen veranstaltet werden. Vom 30. Juli bis 22. August stehen die Sternenparkwochen unter anderem mit Führungen an. Einen besonderen Hingucker dürfte es in Eiterfeld geben. Dort stehen vom 13. bis 15. August die Deutschen Schafschur-Meisterschaften auf dem Programm.

Sendung: hr4 für Osthessen, 03.03.2021, 15.30 Uhr