Mit rund 20 "Rosinenbombern" wird in Wiesbaden-Erbenheim 70 Jahre Luftbrücke gefeiert.
Mit rund 20 "Rosinenbombern" wird in Wiesbaden-Erbenheim 70 Jahre Luftbrücke gefeiert. Bild © Volker Siefert (hr)

Auf dem US-Militärflugplatz Wiesbaden-Erbenheim ist am Pfingstmontag an die Berliner Luftbrücke vor 70 Jahren erinnert worden. Historische "Rosinenbomber" warfen Süßigkeiten an Fallschirmen ab. Star des Tages war ein 98-Jähriger.

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Mit rund 20 "Rosinenbombern" ist am Pfingstmontag auf dem US-Militärflugplatz Wiesbaden-Erbenheim an die Berliner Luftbrücke vor 70 Jahren erinnert worden. "So was sieht man nicht alle Tage", sagte ein Besucher über die historischen Flugzeuge vom Typ Douglas DC-3.

"Onkel Wackelflügel" in historischem Flugzeug

Um 12.09 Uhr setzte die "Placid Lassie" auf dem Flugplatz Wiesbaden-Erbenheim auf. Die Maschine hat im Zweiten Weltkrieg während der Invasion der Alliierten in Europa Fallschirmjäger über der Normandie abgesetzt. Noch vor wenigen Tagen war sie bei den D-Day-Feierlichkeiten in Frankreich. Am Pfingstmontag hatte sie den wichtigsten Gast zum 70. Jubiläum der Berliner Luftbrücke an Bord: Gail Halvorsen.

Der 98 Jahre alte einstige US-Pilot hatte einst für Berliner Kinder Süßigkeiten an Fallschirmen abgeworfen und damit den Begriff "Rosinenbomber" geprägt. Halvorsen wurde auch "Uncle Wiggly Wings" (Onkel Wackelflügel) genannt, weil er mit den Tragflächen seiner Maschine klapperte, um die Kinder am Boden auf seine "Candy bomber"-Abwürfe aufmerksam zu machen.

US-Luftwaffenveteran Gail Halvorsen alias "Candy Bomber" auf der Festveranstaltung in Wiesbaden-Erbenheim.
US-Luftwaffenveteran Gail Halvorsen alias "Candy Bomber" auf der Festveranstaltung in Wiesbaden-Erbenheim. Bild © picture-alliance/dpa

Für viele Besucher war Gail Halvorsen der Star der Veranstaltung. Auf einem Army-Jeep stehend fuhr der 98-Jährige durch die Menge. Er habe bei seiner ersten Landung als Luftbrücken-Pilot Berliner Kinder am Zaun stehen sehen, erzählte Halvorsen. Die Begegnung mit ihnen habe sein Leben verändert.

Und so ähnlich wie die ausgehungerten Kinder vor 70 Jahren in Berlin reagierten an diesem Tag auch die Kinder in Wiesbaden. Als bei einem "candy drop" während einer Flugshow Süßigkeiten aus einem "Rosinenbomber" über einer Wiese abgeworfen werden, stürmen Tausende Kinder los auf der Jagd nach Süßem. 

32.000 Besucher feiern mit

Zu den Feierlichkeiten am Montag kamen rund 32.000 Besucher. Das Fest auf dem Flugplatz war Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Berlin, zu denen die "Rosinenbomber" Mitte der Woche von Wiesbaden weiterfliegen werden.

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Die Alliierten hatten sich zur Luftbrücke entschlossen, nachdem die Sowjets die Autobahnen in die Westsektoren Berlins am 24. Juni 1948 sperrten. Sämtliche Straßen, Eisenbahnlinien und Wasserwege nach West-Berlin wurden gekappt.

Fast ein Jahr lang versorgten die Piloten der Westalliierten Großbritannien, USA und Frankreich die mehr als zwei Millionen Einwohner des blockierten Westteils der Stadt. Mit fast 280.000 Flügen wurden mehr als zwei Millionen Tonnen Güter nach West-Berlin gebracht.

Wiesbaden als Wiege der Luftbrücke

"Das war die größte humanitäre Hilfsaktion, ein Zeichen von Völkerverständigung", sagte Thomas Keller, der Vorsitzende des "Fördervereins Luftbrücke Berlin 70", der die Gedenkveranstaltung organisierte.

Wiesbaden sei die Wiege der Luftbrücke. Dort befahl laut dem Wiesbadener Stadtlexikon der damalige amerikanische Militärgouverneur Lucius Clay den Beginn der Versorgung Berlins. Von dem Flugplatz starteten am 26. Juni 1948 die ersten 32 Flüge in Richtung Berlin. 

Sendung: hr-iNFO, 10.06.2019, 17.30 Uhr