Eine Line-Dance-Gruppe unterhält die Gäste auf der 800-Jahr-Feier in Marburg.

Musik und gute Laune statt Motorlärm und Gehupe - Mit einer riesigen Festtafel und einer Flaniermeile auf der gesperrten Stadtautobahn hat die Stadt Marburg ihren 800. Geburtstag gefeiert. Zehntausende Menschen ließen sich das nicht entgehen.

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Marburger 800-Jahr-Feier auf der Stadtautobahn

hessenschau vom 05.06.2022
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Als Hessens größte Jubiläumstafel war es angekündigt: Anstelle einem nicht endenden Band aus Autos und Lastwagen strömten am Pfingstsonntag bis zu 50.000 Menschen auf die durch Marburg führende Bundesstraße 3. Die sogenannte Stadtautobahn diente an diesem Tag als Austragungsort für die 800-Jahr-Feier der Stadt. Das Motto: "Tischlein-deck-dich".

Essen auf der einen, radeln auf der anderen Seite

Auf der einen Fahrbahnseite waren auf dem etwa 2,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen Marburg-Süd und Cölbe/Wehrda 800 Festzeltgarnituren aufgebaut. Hier wurde gegessen, getrunken und ausgelassen gefeiert. Wer sich hier fortbewegen wollte, tat dies zu Fuß. Die Gegenseite konnten Radfahrer, Skater und Rollerfahrer nutzen.

Die Marburger feiern mitten auf der B3 ihre Stadt.

Die Stadtautobahn war nach Auskunft von Koordinator Richard Laufner der einzige Ort in der Stadt, an dem die 800 Biertische hintereinander Platz fanden. Doch auch aus anderen Gründen hielten die Organisatoren sie für die perfekte Location für die außergewöhnliche Feierlichkeit.

"Wir haben gesagt: Da muss es hin"

"Wir lieben und wir hassen sie", sagte Laufner. Einerseits ermögliche die Stadtautobahn die schnelle Fortbewegung, andererseits zerschneide sie gewissermaßen die Stadt. "Und weil das so eine besondere emotionale Beziehung ist, haben wir gesagt: Da muss es hin!"

Open-Air-Konzert auf der Stadtautobahn

Rund 370 Vereine, Institutionen, Nachbarschaftsverbünde, Ehrenamtliche und Unternehmen hatten sich an der Organisation beteiligt und präsentierten sich auf dem Fest. Gemäß dem Motto kam die Verköstigung auch nicht zu kurz. An zahllosen Ständen wurde vor allem regionale Kost angeboten. Geröstete Heuschrecken fielen eher in die Rubrik "Außergewöhnliches".

Zudem gab es reichlich Musik, von Chorgesang über Kinderlieder bis hin zu Jazz und DJs. An den Tischen 661 und 662 warteten die hr1-Moderatoren Simone Reuthal und Thomas Koschwitz auf Gesprächspartner - auch hr4-Moderator Uwe Becker stellte sich den Fragen der Feiernden. Mitmachen konnten Besucherinnen und Besucher außerdem beim Müll-Cleanup, beim Bingo oder bei der "Meile des Handwerks".

Uwe Becker mit Kolleg*innen von hr1

Oberbürgermeister: Ein großes Fest für alle

Die Feiernden nahmen die Angebote dankbar an, zumal das Wetter bis auf einige Tropfen stabil blieb. Manche wurden emotional. "So hat man Marburg noch nie erlebt. Das ist schon eine tolle Sache", sagte ein Besucher. Und eine Frau gestand: "Mir kamen direkt die Tränen, weil es ein unglaublicher Moment war, so viele Menschen zu sehen."

Auch Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) sah das Konzept aufgegangen. "Ein toller Erfolg und eine friedliche Festmeile", resümierte das Stadtoberhaupt. "Ich habe nur fröhliche Menschen getroffen und in zufriedene Gesichter geblickt." Die erwartete Besucherzahl sei weit übertroffen worden.

Zwei Bundesstraßen für "Lahntal total" gesperrt.

Neben der 800-Jahr-Feier Marburgs sorgte noch ein weiteres Event in der Region dafür, dass der Autoverkehr mal einen Gang runterschalten musste. Bei "Lahntal total" konnte man mit dem Fahrrad auf einer 35 Kilometer langen Aktionsroute auf der B62 und der B3 von Biedenkopf-Wallau bis Marburg fahren.

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Radeln bei "Lahntal total"

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Die betreffenden Abschnitte wurden ab 6 Uhr für Autos gesperrt, die Sperrung sollte bis 21 Uhr andauern. Auf der Strecke boten die teilnehmenden Kommunen Biedenkopf, Cölbe, Dautphetal und Lahntal eigene Programmpunkte an.

Viele Radfahrer aus der Region nutzten die Gelegenheit aber auch, um gleich weiter auf der B3 zur Marburger 800-Jahr-Feier zu fahren und sich die berüchtigte Stadtautobahn aus der Nähe anzuschauen. "Wir wollen sie unbedingt mal sehen", sagte einer, "kommt man ja sonst mit dem Fahrrad nicht hin."

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