Die besten Cafés in Frankfurt

Für einige ist es nur ein Knopfdruck nach dem Aufstehen – für andere ist Kaffee eine Leidenschaft. Die "Third-Wave-Coffee"-Bewegung zelebriert Kaffee in Perfektion: vom Rösten bis zum Brühen. Wie das schmeckt, haben wir in Frankfurter Third-Wave-Cafés getestet.

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zum Video Chef-Röster Ploch: "Kaffee ist spannend und abwechslungsreich"

Kaffee Frankfurt
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Kaffee hat sich in mehreren "Wellen" von einem Luxusprodukt zur Massenware entwickelt – darunter hat allerdings die Qualität gelitten. Third-Wave-Cafés wollen den Kaffee wieder perfektionieren. Auch in vielen Frankfurter Cafés feilen Baristi an der optimalen Zubereitung: von der Bohnenauswahl über den Mahlgrad bis zur Brühtemperatur. Wir, die hr-Volontär*innen Jannika, Lisa und Marcel, haben uns auf die Suche gemacht nach dem Geheimnis des perfekten Kaffees.

Roast Me: Von der grünen Bohne zum Aromaträger

Los geht’s in der Kaffeerösterei Hoppenworth & Ploch im Frankfurter Nordend – denn guter Kaffee fängt mit guten Bohnen an. Im Laden stapeln sich Säcke voll roher Kaffeebohnen. Anders als in anderen Cafés liegen die Säcke hier nicht nur zur Deko, betont Chef-Röster Julian Ploch, der das Café zusammen mit Matthias Hoppenworth betreibt.

Die besten Cafés in Frankfurt

Der Rohkaffee wird direkt im Laden geröstet – in einer 11.000 Euro teuren Röstmaschine aus den Sechzigerjahren. "Rohkaffee hat ungefähr 200 verschiedene Aromen, die man schmecken kann", erklärt Julian Ploch. Beim Rösten liefen chemische Reaktionen ab, zum Beispiel die Karamellisierung. "Durch solche Prozesse werden die Aromen komplexer – und wir haben am Ende im Röstkaffee ungefähr 1.000 Aromen."

Was Julian Ploch am Kaffee-Rösten begeistert, ist vor allem das Experimentieren mit den verschiedenen Geschmacksrichtungen: "Es gibt beim Kaffee ganz viele verschiedene Varietäten, ähnlich wie beim Wein." Einer seiner aktuellen Favoriten: ein fruchtiger Filterkaffee mit Erdbeer-Aroma.

Geschmacks-Check: Der Filterkaffee schmeckt wirklich nach Erdbeere und erinnert etwas an Früchtetee! Der feine Fruchtgeschmack wird umso stärker, je mehr der Kaffee abkühlt. Wer es klassischer mag, bekommt einen Espresso mit mehr Röstaromen: Dieser hat uns zum Beispiel im fein-würzigen Cappuccino mit Nuss- und Kakaonoten überzeugt.

Mahlen, abwiegen, extrahieren: die perfekte Zubereitung

Mit vier Tassen Kaffee intus geht es weiter nach Süden in Richtung Main. Ganz nah an der "Schönen Aussicht" lockt die Holy Cross Brewing Society Kaffee-Jünger an. Zwischen schwarz-weiß gestrichenen Backsteinwänden trinken die Gäste Spezialitäten wie Affogato und Coldbrew.

Die besten Cafés in Frankfurt

Wir wollen wissen: Wie wird aus der Bohne ein richtig guter Kaffee? Dafür gebe es viele Regeln, erklärt Barista Anne-Sophie Ritscher. Wichtig seien vor allem der richtige Mahlgrad und das Verhältnis zwischen Wasser und Kaffeemehl: "Wir nehmen 18,5 Gramm Kaffeebohnen für einen doppelten Espresso, daraus werden am Ende 42 Gramm fertiger Kaffee."

Anne-Sophie Ritscher arbeitet neben ihrem Studium im Café. Sie sagt, ihre Arbeit habe sie zum Kaffee-Nerd gemacht: "Ich bin unbedarft reingestolpert, aber mit der Zeit wird man nerdig. Es gibt sogar Formeln, man kann viel rumrechnen, wie viele gelöste Stoffe man am Ende im Kaffee haben möchte."

Trotz aller Liebe zum Detail gebe es im Holy Cross aber auch ganz normalen Kaffee, betont Anne-Sophie Ritscher. "Hier kommen viele Leute vorbei, die einfach nur einen Cappuccino trinken wollen.“

Geschmacks-Check: Der Cappuccino schmeckt mild, cremig und unaufdringlich. Besondere Aromen wie Nuss oder Schokolade fallen uns nicht auf. Den Cappuccino gibt es auch als Iced Cappuccino. Trotz der Eiswürfel ist er nicht verwässert, allerdings auch nicht so erfrischend wie erwartet. Überzeugt hat uns der Affogato, eine Mischung aus starkem, dunklem Espresso und süßem Vanilleeis – ideal als Dessert im Sommer.

Seidiger Milchschaum statt Bauschaum

Klar, Puristen trinken ihren Kaffee schwarz. Aber für viele gehört eine Milchschaumkrone zum Getränk dazu – am besten noch kunstvoll mit "Latte-Art"-Herzchen verziert. Was die perfekte Kaffeemilch ausmacht, lassen wir uns im Kaffeewerk Espressionist in der Nähe der Frankfurter Messe erklären. Den Third-Wave-Coffee-Nerds ist nicht nur die Qualität der Milch wichtig, sondern auch Regionalität und Nachhaltigkeit. "Wir nehmen frische Landmilch mit natürlichem Fettgehalt. Die beziehen wir von einem Hof in Wächtersbach", sagt Barista Till Benner.

Die besten Cafés in Frankfurt

Kompliziert wird es beim Milchschaum: Auch hier unterscheidet sich klassischer Kaffee vom Third-Wave-Coffee, sagt Till Benner: "Der Schaum auf klassischem Cappuccino hat eine sehr feste Textur – wir sprechen da gerne von Bauschaum." Er selbst bevorzugt "sämigen und seidigen" Milchschaum aus Frischmilch: "Die lässt sich besser schäumen als H-Milch oder laktosefreie Milch." Wichtig ist Benner auch, dass die Milch nicht zu heiß wird: "Sonst karamellisiert der Zucker in der Milch und kann leicht bitter schmecken."

Geschmacks-Check: Barista Till Benner hat nicht zu viel versprochen: Der Milchschaum auf dem Cappuccino ist perfekt. Sämig, etwa einen halben Zentimeter hoch und durchzogen von dunkler Crema. Die Milch hat ideale Trinktemperatur.

Unser Fazit

Kaffee kann kompliziert sein – muss er aber nicht. Wer will, kann für das perfekte Mischverhältnis Kaffee abwiegen, mahlen oder sogar selbst rösten. Wem das zu aufwändig ist, der kann das den Profis überlassen – und eines der vielen Frankfurter Third-Wave-Cafés besuchen. Das Zubereiten dauert zwar einen Moment länger, aber das Warten lohnt sich. Viel teurer als bei Kaffee- und Bäckereiketten ist der Craft-Coffee auch nicht.

Vier Locations für guten Third-Wave-Coffee in Frankfurt finden Sie auf unserer Übersichtsseite: