Schäferwagen hinter Zweigen auf Bio-Bauernhof

Bald beginnen die Sommerferien. Immer mehr Menschen achten auch beim Reisen auf Nachhaltigkeit. Beispiele aus Hessen zeigen, wie das geht. Selbst wer ins Flugzeug steigt, kann einige Tipps befolgen.

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Nachhaltig reisen in den Ferien

hessenschau von 16:45 Uhr
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Ökologisch gebaute Ferienhäuser, Gemüse und Obst aus eigenem Anbau, artgerechte Tierhaltung - Urlaub auf dem Bauernhof kann nachhaltig sein. Auf dem Bio-Hof von Andreas Schöneweiß in Vöhl-Harbshausen (Waldeck-Frankenberg) lebt man "völlig biologisch", wie der Betreiber selbst sagt. Hier könnten Gäste erleben, wie ein Bio-Hof funktioniere.

Zertifikate bieten Orientierung

Genau solche Faktoren spricht auch Karen Wittel bei ihren Kunden an. Sie ist Inhaberin eines Reisbüros in Frankfurt, das sich auf nachhaltiges Reisen spezialisiert hat. Ihrer Meinung nach sei es am besten, sich kleine Unterkünfte zu suchen und größere Ketten zu meiden. Außerdem könne man nach Zertifikaten schauen - hier herrsche allerdings häufig noch wenig Transparenz.

Potrait Karen Wittel, die vor einer Fototapete mit Strandmotiv sitzt.

Im Fall des Bio-Bauernhofs von Andreas Schöneweiß ist das Zertifikat eindeutig: Der Hof wird nach Bioland-Richtlinien geführt. Diese fordern unter anderem artgerechte Tierhaltung und den Verzicht von Gentechnik in der Landwirtschaft. Hinzu kommt, dass der Hof mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein muss. Denn schon bei der Anreise könne man nachhaltige Möglichkeiten nutzen, rät Reiseexpertin Wittel.

Ministerium fördert nachhaltigen Tourismus

Yvonne Heider

Wenn die Anfahrt mit Bus und Bahn nicht möglich sein sollte, sei Autofahren aber auch in Ordnung, findet Yvonne Heider, Geschäftsführerin des Tourismus Management Hessen (TMH). "Vor Ort kann man entscheiden: Fahre ich weiter Auto, nehme ich den öffentlichen Nahverkehr oder leihe mir etwa ein Elektrorad aus?", erklärt sie.

Das TMH arbeitet im Auftrag des hessischen Umweltministeriums. Ziel ist es, ganz Hessen zu einem zertifizierten, nachhaltigen Reiseziel zu machen. Hierfür investiere man im Zeitraum von 2021 bis 2023 rund 1,9 Millionen Euro, heißt es vom Ministerium. Gezielt schaue man auf den ländlichen Raum, wo Tourismus ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor sei.

Hausboot setzt auf Ressourcenschonung

Das Bioland-Zertifikat ist nicht das einzige, das den Hof Schöneweiß nachhaltig macht. Die Unterkünfte wurden nach ökologischen Gesichtspunkten gebaut und haben begrünte Dächer. Warmwasser wird von einer Solaranlage im Garten erzeugt, Strom kommt von einer Photovoltaikanlage.

Andreas Schöneweiß vor der Photovoltaikanlage
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So funktioniert nachhaltiges Reisen in Hessen

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Ganz so weit in Sachen Ressourcenschonung ist der Bootsverleiher Hausboote Lahn zwar noch nicht, doch auch die Betreiber der schwimmenden Fluss-Ferienhäuser setzen mehr und mehr auf Nachhaltigkeit. So kommt der Strom für die Bordbatterie ebenfalls aus Photovoltaik-Panels auf dem Dach. Dazu sind die Materialien der Boote sowie die im Inneren verwendeten Produkte größtenteils biologisch abbau- oder recyclebar.

Der einzige Knackpunkt ist der Motor: Ein Benzinmotor ist selbst bei geringem Tempo eine Belastung für die Umwelt. Doch die Lahn-Boote sollen perspektivisch umgebaut werden und einen Elektromotor erhalten.

Eine Woche über die Lahn

"Die Ressourcen gehen zu Ende, die Umweltverschmutzung ist enorm", beklagt Erwin Ott, der gemeinsam mit seiner Frau und zwei Enkeln Urlaub auf dem Hausboot macht. Das Konzept der Betreiber und der Aufenthalt auf dem Boot selbst gefalle ihnen daher sehr gut.

Foto von einer Frau, einem Mann und zwei Kindern, die in der Tür eines Hausbootes stehen. Im Hintergrund ein Fluss und ein Ufer.

Die Familie kommt aus Erpel, einer Ortsgemeinde in Rheinland-Pfalz, und hatte nur eine Stunde Anfahrt nach Limburg. Eine Woche lang fahren sie mit dem Hausboot über die Lahn und halten abends immer an einer anderen Stadt an.

Yvonne Heider vom TMH beobachtet, dass sich immer mehr Menschen für nachhaltigen Urlaub interessieren: "Der Klimawandel hat Nachhaltigkeit in den Fokus gerückt und der Ukraine-Krieg zeigt, wie abhängig wir von fossilen Brennstoffen sind."

Tipps für Fernreisen

Wen es dennoch in die Ferne ziehe, der könne auch mal fliegen, meint Reisebüro-Inhaberin Karen Wittel, nennt aber ein paar Punkte, auf die man dann achten solle: "Wenn wir eine Flugreise machen, dann sollten wir planen, länger zu reisen und nicht so viele zu machen." Zusätzlich könne man Flüge durch eine Klimaschutzabgabe kompensieren.

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Diese Seiten helfen beim Planen von nachhaltigem Urlaub

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Vor Ort sei es zudem gut, sich statt einer Hotelkette eine kleine, inhaberbetriebene Unterkunft zu suchen. Essen gehen könne man in kleinen Cafés und Restaurants, das unterstütze zusätzlich die lokale Wirtschaft. Auch Andenken solle man eher von kleinen Handwerksbetrieben kaufen und nicht etwa am Flughafen.

Spannender Urlaub in der Heimat

Auch zur konkreten Urlaubsplanung in Hessen hat Wittel einen Tipp: "Bei Tourismus-Infos anrufen, die haben viele Tipps, können Unterkünfte vermitteln, haben Ideen für Ausflüge, Broschüren und Karten." So lasse sich ein Heimaturlaub gut gestalten.

Auf dem Hof von Andreas Schöneweiß gibt es immer etwas zu entdecken. Gäste können zum Beispiel dabei helfen, die Rinder morgens auf die Weide zu treiben oder abends wieder in den Stall zu holen. Auch wenn sein Hof bereits sehr auf den ökologischen Fußabdruck achtet, sieht Schöneweiß noch Ausbaubedarf: Für die Zukunft plant er den Bau einer Tankstelle für E-Autos.

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