Edersee Trockenheit
Wüstenlandschaft: Der Edersee hat so wenig Wasser wie seit dem Jahr 2003 nicht mehr. Bild © picture-alliance/dpa

Der Edersee hat so wenig Wasser wie seit dem Jahr 2003 nicht mehr. In wenigen Tagen könnte der Stand von zehn Prozent erreicht sein. Es gibt nur eine Hoffnung: Viele Regentage.

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hs

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Der Edersee in Nordhessen ist so leer wie lange nicht mehr, die freigelegte Erde gleicht einer rissigen Wüstenlandschaft. Am Dienstagmorgen waren noch rund 10,7 Prozent der üblichen Füllmenge im Stausee, sagte Timo Freitag vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hann. Münden (WSA) hessenschau.de. Bald wird wohl die Marke von 10 Prozent erreicht sein, dann hat der See noch 20 Millionen Kubikmeter Wasser - so wenig wie seit dem Jahr 2003 nicht mehr.

"Ökologisches Minimum"

Aus dem Edersee wird derzeit nur soviel Wasser abgelassen, wie hinein fließt, sagt Freitag. Damit versuche man das "ökologische Minimum" aufrecht zu erhalten - und zwar nicht nur für den Stausse, sondern auch für die Eder. Der Zufluss zur Eder wird so gesteuert, dass der Fluss nur langsam weniger Wasser führt, damit sich das Ökosystem auf die neuen Bedingungen einstellen kann. Es sei eine Ausnahmesituation, sagt Freitag, aber auch nicht völlig ungewöhnlich.

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Das Mini-Sperrmauermodell ist aus den zurückgehenden Fluten des Edersees aufgetaucht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wasserstand im Edersee niedrig

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Vor hundert Jahren begannen die Aufzeichnungen zum Wasserstand im See - rund 20 Mal gab es seitdem ähnlich extremes Niedrigwasser. Das wird aber auch zum Politikum: Der Edersee hilft normalerweise, die Oberweser für Schiffe befahrbar zu halten. Doch mangels Wasser sei die Schifffahrt dort so gut wie nicht mehr möglich. "Nun werden auch die letzten, die noch Freizeitschifffahrt betrieben haben, Probleme bekommen", erklärte Freitag.

Wenig Wasser, wenig Touristen

Auch der Tourismus vor Ort leidet. Ohne ausreichend Wasser kommen weniger Gäste in die nordhessische Ferienregion. Noch ist kaum Nachschub in Sicht: "Der Sommer war eine Ausnahmesituation", sagt Freitag. Allerdings war die Talsperre zu Beginn noch gut gefüllt. Aber auch der leere See wurde zur Attraktion: Der sinkende Wasserpegel brachte versunkene Ruinen an die Oberfläche - "Edersee-Atlantis".

Mittlerweile hofft Freitag auf die nass-kalte Jahreszeit: "Wir brauchen einen ergiebigen Landregen, am besten mehrere Tage lang", sagt er. Für Oktober und November sehe es aber nach bisherigen Vorhersagen noch nicht wirklich gut aus für ergiebige Regentage. Ein bisschen Regen würde nicht ausreichen, um die Edersee-Uferzone von einer Wüsten- zurück in eine Seelandschaft zu verwandeln.