Zwei braune Alpakas stehen in ihrem Gehege.
Die zwei Alpakas Balou und Finn stehen in ihrem Gehege und warten darauf, auf Wanderschaft zu gehen. Bild © Sophia Luft

Wanderungen mit Lamas und Alpakas liegen voll im Trend. Besonders junge Hessen fahren auf die flauschigen Kamele mit den großen Kulleraugen ab und wollen mit ihnen auf Wandertour gehen. Anbieter können sich vor Anfragen kaum retten.

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hs

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Mit gespitzten Ohren und großen Kulleraugen schaut Lama-Wallach Kayal neugierig in die Runde. Vor ihm hat sich eine Menschentraube gebildet, die ihn genau begutachtet. Das Lama streckt seinen langen, flauschigen Hals aufrecht in die Luft und gibt einen hohen Ton von sich. "Man nennt das Summen und man geht davon aus, dass es der Kommunikation in der Herde dient", erklärt Trekking-Führer Reiner Odermatt.

Besonders Alpakas sind zurzeit im Trend

Reiner Odermatt und seine Tiere haben Besuch aus Friedberg. 25 Auszubildende der Altenpflege sind nach Alsfeld gekommen, um eine Lama- und Alpaka-Wanderung zu machen. Solche Wanderungen liegen zurzeit stark im Trend. Besonders junge Leute aus der Stadt reizt das Naturerlebnis. So auch Altenpflegerin Lisa: "Für uns sieht der berufliche Alltag sehr hektisch aus. Und so eine Wanderung ist beruhigend."

Hellbrauner Alpaka-Wallach Balou schaut lustig in die Runde.
Alpaka Balou ist wegen seines kuscheligen Fells besonders beliebt. Bild © Sophia Luft

Seit 15 Jahren bietet Odermatt seine Lama- und Alpakawanderungen an. In den vergangenen Jahren sei vor allem die Nachfrage nach Alpakas stark gestiegen. Und zwar nicht nur im echten Leben, sondern auch als Merchandise-Produkt. Auf Taschen, Handyhüllen, Kleidung - überall findet man ihr Konterfei.

Kulleraugen und der Flauschfaktor begeistern immer mehr Leute für die Trendtiere. Das Aussehen könne aber täuschen, so Odermatt. "Alpakas sind keine Schmuse-Tiere", sagt er. "Es sind Kamele und somit Distanztiere. Die möchten eigentlich nicht permanent geknuddelt werden."

Wanderungen auf Wochen ausgebucht

In der Ferienzeit bekommt Odermatt fast täglich Anfragen für eine spontane Lama- oder Alpaka-Wanderung. Vor allen bei Kindergruppen oder auch Junggesellinnenabschieden sind die Touren sehr beliebt. Freie Termine gibt es momentan aber kaum noch. Wer einen Platz haben will, müsse bei seinem Hof in Alsfeld sechs bis acht Wochen im Voraus buchen. Und so geht es vielen Anbietern in Hessen.

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Eine Gruppe Auszubildender wandert mit Lamas und Alpakas

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wandertour mit Flauschfaktor

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Aus der Gruppe der Friedberger Altenpfleger hat derweil jeder seinen Wander-Partner gefunden. Hintereinander aufgereiht zieht die Karawane los. Erst ins Feld, dann in Richtung Wald. Jeweils zu zweit wird ein Lama oder Alpaka geführt - von links und von rechts. So haben die Azubis mehr Kontrolle über die Tiere, die immer wieder versuchen, einen Grashalm auf dem Weg zu naschen. "Wichtig ist es, dass Sie mit den Tieren auf Augenhöhe laufen", ermahnt Odermatt, "immer auf Höhe seines Halses."

Lama-Wanderung
Eine Gruppe Azubis aus Friedberg wandert mit Lamas und Alpakas. Bild © Sophia Luft

Alle 15 Minuten legt die Gruppe eine kleine Pause am Wegesrand ein. Hier dürfen die Tiere nun endlich grasen. Und für Reiner Odermatt bleibt Zeit, um der Gruppe mehr über die Tiere zu erzählen. Wie zum Beispiel die Hauptunterschiede zwischen Lamas und Alpakas. "Die Tiere unterscheiden sind in ihrer Größe, dem Gewicht und der Wollqualität." So seien Lamas größer und schwerer als Alpakas. Alpakawolle habe die bessere Qualität.

Spucken nur zur Regelung der Rangfolge

Bei fast jeder Wanderung kommt die Frage nach dem Spucken. "Lamas und Alpakas können spucken. Alles, was zur Kamelfamilie gehört, spuckt", erklärt Odermatt. Und alle spucken aus dem gleichen Grund: Um die Rangfolge innerhalb der Herde zu regeln und um sich Feinde auf Distanz zu halten. Menschen würden normalerweise nicht angespuckt, denn sie werden von den Tieren nicht als Herdenmitglied angesehen. Wenn es doch passiert, sei es ein Aufzuchtfehler.

Lamas im Gehege am Fressen
Nach der Wanderung bekommen die Lamas Heu zum Fressen. Bild © Sophia Luft

Bei den Azubis herrscht Begeisterung. Für sie ist der tierische Ausflug nicht nur ein schöner Ausgleich zum stressigen Alltag. Sie haben auch noch etwas über die exotischen Trend-Tiere gelernt. "Die Tiere kennenzulernen und auch zu sehen, wie sie ticken - dass sie auch echt empathisch empfinden - das ist toll", schwärmt Lisa.

Auch für Fabian ist es das erste Mal, dass er Lamas und Alpakas so hautnah erleben durfte. "Erst hatte ich Angst, aber jetzt weiß ich: Lamas und Alpakas sind sehr ruhige Tiere und ich merke, dass ich selbst ruhiger werde. Ich würde so eine Wanderung wirklich jedem empfehlen." Eine Übersicht der Höfe, die Lama- und Alpakawanderungen in Hessen anbieten, finden Sie hier.

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Unterschied Lamas und Alpakas

Ein Lama-Hengst kann bis zu 200 kg schwer werden und bis zu 70 km/h schnell laufen. Er stammt vom Guanaco, einer wildlebenden Kamelart, ab und wurde als Last- und Packtier gezüchtet. Alpakas werden nur ein Drittel so schwer und sind langsamer als Lamas. Sie stammen vom Vikunja ab und wurden als Wolllieferant gezüchtet. Im Gegensatz zur Lama-Wolle kann Alpaka-Wolle zu 100 Prozent verarbeitet werden.

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