Kinder springen in ein Schwimmbecken

Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre sollen ab Februar in Frankfurt kostenfrei Hallen- und Freibäder besuchen dürfen. Gilt das auch für Besucher aus anderen Kommunen? Was sagt die Stadt, was sagen Kritiker? Werden die Eintrittspreise für Erwachsene deshalb teurer? Fragen und Antworten.

Weshalb soll es den kostenlosen Eintritt für Kinder geben?

Die Frankfurter Koalitionsparteien CDU, SPD und Grüne haben sich im vergangenen Jahr auf den freien Eintritt geeinigt. Zum einem sollen dadurch Familien unterstützt werden, die die Schwimmbäder bislang aus finanziellen Gründen nicht oder kaum genutzt haben.

Zum anderen ist es eine Antwort auf die steigende Zahl von Nichtschwimmern. Das Ziel: Ab dem 1. Februar 2019 unbefristet Kindern bis inklusive 14 Jahren den freien Eintritt in alle städtischen Schwimmbäder zu ermöglichen.

Um welche Schwimmbäder geht es?

Der kostenfreie Eintritt soll in allen 13 Schwimmbädern der Stadt Frankfurt gelten. Das sind die drei Erlebnisbäder Panoramabad Bornheim, das Rebstockbad und die Titus Thermen sowie die drei Hallenbäder Hallenbad Höchst, Riedbad Bergen-Enkheim und das Textorbad.

Auch die sieben Freibäder der Stadt sind dabei: das Freibad Brentano, das Freibad Eschersheim, das Freibad Hausen, das Freibad Nieder-Eschbach, das Freibad Silo, das Freibad Stadion und das Riedbad Bergen-Enkheim.

Jugendliche auf der Rutsche im Freibad Frankfurt-Eschersheim.

Profitieren nur Frankfurter Kinder?

Nein, das Frankfurter Angebot soll im Sinne der Gleichbehandlung ausdrücklich für alle Kinder gelten - und damit auch für Kinder aus dem Umland, die die Frankfurter Bäder besuchen.

Wie können Kinder ihr Alter nachweisen?

Das ist zurzeit noch offen. Im Gespräch sind jedoch unter anderem Kinder- und Schülerausweis.

Wie hoch ist der Eintritt für Kinder bisher?

Bisher galt das Körpergrößenprinzip: Für Babys und Kinder bis einen Meter kostete der Eintritt 2 Euro, bis 18 Jahre gibt es einen ermäßigten Preis.

Was zahlen bislang Kinder aus einkommensschwachen Familien?

Kinder von Eltern mit besonders geringen Einkommen zahlen bisher mit dem Frankfurt-Pass 1 Euro Eintritt für die Frankfurter Erlebnisbäder, 50 Cent für alle anderen Bäder.

Was kostet die Stadt der freie Eintritt für Kinder?

Genau steht das noch nicht fest - denn dafür fehlen bisher die Zahlen. Den Fraktionen im Frankfurter Römer ist kein anderes, vergleichbares Konzept in Deutschland bekannt.

Bisher rechnen die Bäderbetriebe offenbar vorsichtig mit einer Summe von etwa 1,8 Millionen Euro, die durch den kostenlosen Eintritt jährlich fehlen. Die Umsatzerlöse der Frankfurter Bäder lagen laut Stadt 2018 bei knapp 9 Millionen Euro, darin sind aber auch die Einnahmen von Saunabesuchen enthalten.

Wird der Eintritt für Ab-15-Jährige deswegen teurer?

Nicht wegen des kostenfreien Eintritts für Kinder bis 14 Jahren, heißt es aus dem Sportdezernat der Stadt Frankfurt. Die durch die kostenfreien Schwimmbadbesuche zu erwartenden Verluste würden wie bisher durch die Stadtwerkeholding ausgeglichen, zu der unter anderem die Bäderbetriebe gehören.

Allerdings soll es bei den Eintrittspreisen durchaus Änderungen geben. Neben einer jährlichen Erhöhung, die noch festgelegt wird, ist ein vergünstigter Kurztarif wie zum Beispiel für Frühschwimmergäste geplant. Außerdem soll es künftig bereits für Besitzer eines Schwerbehindertenausweises ab dem Grad 50 (bisher 60) einen ermäßigten Eintritt geben.

Welche Risiken sieht die Stadt?

Die Stadt geht neben einem Verlust an Eintrittsgeldern auch davon aus, dass sie in den Bädern mehr Aufsichts- und Reinigungspersonal braucht: "Eine Klientel bis sechs Jahre ist leichter zu handhaben als eine Klientel größerer Kinder", sagt Andrea Brandl, Referentin von Sportdezernent Markus Frank (CDU).

Auch müsse sich zeigen, ob sich Erwachsene angesichts zunehmend junger Besucher verprellt fühlen. Deswegen werde man künftig sowohl in Bezug auf die Kostenentwicklung als auch das Besucherverhalten Statistiken führen und diese auswerten. Wie viel mehr Besucher - auch aus dem Umland - zu erwarten sind, sei noch unklar.

Wie sagt die DLRG zum kostenfreien Eintritt?

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Hessen ist angesichts der zunehmenden Zahl von Nichtschwimmern von dem freiem Schwimmbad-Eintritt begeistert, sieht aber die Eltern in der Pflicht:

"Eine super Sache, die für alle Kommunen, die ein Freibad oder ein Hallenbad haben, nachahmenswert ist", sagt DLRG-Hessen-Präsident Michael Hohmann. Wichtig sei aber, dass die Kinder nicht nur zum Plantschen und Toben in die Schwimmbäder gehen, sondern von ihren Eltern auch wirklich beaufsichtigt und zum richtigen Schwimmen und Trainieren angehalten werden. Sonst könne das Konzept zum gegenteiligen Effekt führen.

Wie viele Nichtschwimmer gibt es in Hessen?

Laut einer Forsa-Studie aus dem Jahr 2017 stuften sich bei einer gemeinsamen Befragung der Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz 6 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahre als Nichtschwimmer ein, 7 Prozent bezeichneten sich selbst als schlechte Schwimmer.

Hierbei gaben 23 Prozent der Bevölkerung fehlende Möglichkeiten zum Schwimmen als Grund an. Auch Eltern wurden zu dem Thema befragt und sollten ihre Kinder einschätzen. Insgesamt stuften die Eltern 28 Prozent der 6- bis 10-Jährigen als unsichere Schwimmer oder als Nichtschwimmer ein.

Gibt es auch Kritik am kostenfreien Eintritt?

Ja. In der Stadtverordnetenversammlung ist zum Beispiel die Frankfurter FDP dagegen. Sie sieht nach Angaben von Fraktionsgeschäftsführerin Annette Rinn keinen Nutzen darin, auch Kindern von Gutverdienern das Freibad kostenlos zugänglich zu machen.

Stattdessen fordert sie eine verbessertes Angebot von Schulschwimmunterricht. Die AfD möchte nach Aussagen von Fraktionschef Rainer Rahn ihre Entscheidung von den entstehenden Mehrkosten abhängig machen.

Was muss noch bis zum 1. Februar beschlossen werden?

Vorab muss am 29. Januar der Aufsichtsrat der Bäderbetriebe zustimmen. Am 31. Januar wird dann abschließend in einer Stadtverordnetenversammlung darüber abgestimmt. Eine Mehrheit gilt nach dem Koalitionsbeschluss als sicher. Neben CDU, SPD und Grünen ist auch die Linkspartei für die Idee.

Ihre Kommentare Was halten Sie vom kostenfreien Schwimmbad-Eintritt für Kinder?

17 Kommentare

  • Ich finde es gut das der Eintritt für Kinder frei sein soll, denn für Familien mit mehreren Kinder ist es eine Kostenersparnis .

  • Nichts, aufgrund des Schwimmunterrichts in den Schulen kann jedes Kind schwimmen lernen.
    Die Preise sind nicht zu hoch und es gibt schon Angebote für Leute mit geringem Einkommen.
    Die Spaßbäder sind ohnehin überfüllt. Wer schwimmt denn schon Bahnen?
    Kinderreiche Familien profitieren, die leider nicht selten die Wiesen im Sommer verdreckt hinterlassen oder die Eltern sind gar nicht erst dabei und Geschwisterkinder passen auf.
    Das Geld sollte anderweitig verwendet werden, z.B. für Schwimmkurse vor der Schule. Oder einen Kurs zum Vehalten wie Duschen vor dem Schwimmen, Essen im Schwimmbad, Windeln entsorgen, Kleidung im Wasser, Rücksichtnahme, etc .
    Wenn die Bäder voll sind, würde ich als zahlender Gast nicht mehr kommen wollen.

  • Ich schließe mich der Meinung von Nenny aus Ffm und der von Nicole aus OF an!

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