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Audioseite hr1-Reporter Jan Ackermann über das Paddeln auf der Lahn

Zwei Kanufahrer auf der Fulda

Über 23.000 Kilometer Flüsse und Bäche gibt es in Hessen. Viel zu entdecken also: Unser Autor stellt fünf schöne Kanu-Touren vor.

Eines vorweg: Kanufahren ist durchaus mit Anstrengung verbunden. Paddelschlag folgt auf Paddelschlag, das sollte jedem bewusst sein. Wer sich damit arrangieren kann, kommt sicherlich auf seine Kosten, vor allem in Zeiten von Corona und Sicherheitsabstand. Denn mehr frische Luft und Sicherheitsabstand als im Kanu gibt es in anderen Sportarten kaum. Und das Auge freut sich gleich mit: Hinter jeder Flussbiegung wartet eine neue Landschaft.

Hessen durchziehen 23.600 Kilometer Flüsse und Bäche - mehr als es Straßenkilometer gibt. Aber nur wenige Flüsse eignen sich zum Befahren. Dort, wo es geht, gibt es in der Regel einen Kanu-Verleih, bei dem Boot und Ausrüstung für einen oder mehrere Tage ausgeliehen werden können. Die meisten Kanu-Verleiher bieten einen Shuttle-Service an, um vom Etappenziel zum Startpunkt zurückzukommen.

Kanu, Paddel, wasserdichter Behälter - mehr braucht es nicht

Fürs Kanufahren braucht es nicht viel - und das gibt es beim Verleih für etwa 20 bis 40 Euro pro Tag zum Ausleihen: Neben dem Boot benötigen Kanuten ein Paddel. Das Tragen einer Rettungsweste ist auf den meisten Strecken keine Pflicht, aber dringend zu empfehlen. Nicht nur für Kinder.

Wir zeigen fünf schöne Kanu-Routen, die Sie in den Sommerferien erkunden können:

1. Auf der Lahn (Löhnberg bis Fürfurt oder Fürfurt bis Limburg)

Der Klassiker unter den hessischen Fluss-Routen: die Lahn, der wohl beliebteste Paddelfluss im Herzen Deutschlands. Weil im Lahn-Dill-Gebiet Erze abgebaut wurden, ist der Fluss größtenteils im 19. Jahrhundert mit Schleusen schiffbar gemacht worden. Die Schleusen funktionieren bis heute noch - und sind ganz einfach selbst zu bedienen.

Paddler mit ihren Kanus in einer Schleuse auf der Lahn bei Weilburg

Für Paddler ist das die wohl beste Infrastruktur, die man sich wünschen kann. Das Boot muss nicht mühsam bei Hindernissen umgetragen werden. Auch sonst ist das Lahntal gut ausgebaut: Campingplätze, Kanu-Verleihe, Rastplätze - das alles gibt es fast überall. Die Lahntal-Bahn, ein spritbetriebener Regionalzug, der nahezu alle Orte am Fluss verbindet, bringt Kanuten nach dem Ende der Tour bequem und schnell an ihren Ausgangspunkt zurück.

Die Ufer der Lahn sind in der Regel Naturschutzgebiet und dürfen nur an gekennzeichneten Stellen betreten werden.

Die Lahn bei Limburg: ein Kanu fährt unter einer Brücke durch

Empfehlenswert sind die Strecken von Löhnberg bis Fürfurt (rund 15 Kilometer - für Einsteiger) oder von Fürfurt bis Limburg (rund 25 Kilometer für Sportlichere). Beide Strecken lassen sich jeweils an einem Tag zurücklegen. Auch bei Gießen und Wetzlar gibt es schöne Ecken, die mit dem Boot entdeckt werden möchten.

2. Auf der Weser (Hann. Münden bis Bad Karlshafen)

Streng genommen ist die Weser nur zum kleinsten Teil hessisch. Sie entsteht knapp außerhalb Hessens durch den Zusammenfluss von Werra und Fulda in Hann. Münden. Dann macht der Fluss einige Biegungen, verläuft an der hessisch-niedersächsischen Grenze und führt dann bis zum nördlichsten Ort Hessens, Bad Karlshafen (Kreis Kassel). Später mündet sie hinter Bremen ins Meer.

Wegen ihrer schnellen Fließgeschwindigkeit ist die Weser quasi die Schnellstraße unter den Wanderflüssen. Wer etwas sportlicher ist, knackt sogar die 50 Kilometer an einem Tag. Für alle, die es ruhiger angehen lassen möchten, lässt sich die knapp 45 Kilometer lange Route von Hann. Münden bis Bad Karlshafen aufteilen - nur bis (oder ab) Bodenfelde, das grob auf halber Strecke liegt.

Ein Mann im Kajak fährt auf der Weser auf Bad Karlshafen zu

3. Auf der Fulda (Rotenburg bis Melsungen)

Wer auf der Weser paddelt, der hat unweigerlich auch Fuldawasser unterm Kiel - die Fulda ist ein Quellfluss der Weser. Ruhig gelegen, verläuft sie meist in einem breiten Flusstal mit viel Wald, Wiese und Naturschutzgebieten um sie herum.

Für Familien und Tagestouren eignet sich die Strecke ab Rotenburg bis Melsungen (Schwalm-Eder), denn die Fulda ist ein sehr gemütlicher Wanderfluss. Es gibt zahlreiche Wehre und Schleusen - nicht alle sind befahrbar. Manchmal heißt es dann auch: Alle mit anpacken, Boot aus dem Wasser, Hindernis umtragen.

Das Wehr bei Rotenburg an der Fulda

4. Auf der Nidda (Bad Vilbel bis Frankfurt)

Ein eher ungewöhnlicher Fluss in dieser Liste: klein, flach und wenig ausgebaut. Aber für alle, die im Rhein-Main-Gebiet paddeln wollen, eine der wenigen Möglichkeiten, im Boot zu sitzen. Die Nidda ist landschaftlich nicht mit Lahn oder Weser vergleichbar, da ihr Flussbett recht tief und die Böschung recht hoch sitzt. Damit lassen sich die Ausläufer der Wetterau nicht ganz so schön beobachten.

Der Bug eines roten Bootes auf der Nidda kurz vor Frankfurt am Main

Die Nidda entspringt im Vogelsberg und mündet nach nur 90 Kilometern bei Frankfurt-Höchst in den Main. Ab Bad Vilbel-Dortelweil (Wetterau) bis zum Wehr in Frankfurt-Eschersheim lässt sich der Fluss ohne Hindernisse befahren. Viele Möglichkeiten zum Ausstieg dazwischen gibt es allerdings nicht. Innerhalb Frankfurts zu fahren, ist ebenfalls reizvoll - allerdings durch viele Wehre, die umtragen werden müssen, nicht sehr praktisch. Außerdem liegt kurz vor der Mündung in den Main eine unfahrbare Passage.

An der Nidda gibt es nicht viele Bootsverleiher. Wer hier lebt und öfter paddeln möchte, sollte über den Kauf eines eigenen Kanus nachdenken.

5. Auf dem Main (Frankfurt)

Warum die Großstadt nicht auch mal im Wasser erkunden? Vom Main aus haben Kanuten nicht nur eine schöne Sicht auf die Skyline, sie können sich bei gutem Wetter sogar einen Döner ins Kanu bestellen - vorausgesetzt, das Dönerboot liegt an der Sachsenhäuser Seite vertaut und hat geöffnet.

Das Main-Paddeln stellt sich anders dar als auf den kleineren Wanderflüssen. Der Main ist eine Bundeswasserstraße mit richtig großen Frachtschiffen, die einen für Kanuten gefährlichen toten Winkel vorm Bug haben.

Ein rotes Boot auf dem Main - im Hintergrund die Frankfurter Skyline

Auf solch großen Flüssen gilt daher besondere Vorsicht: Man sollte unter keinen Umständen in der Flussmitte paddeln, sondern sich ganz rechts halten. Dazu wird immer wieder ein prüfender Blick nach hinten empfohlen, um herannahende Schiffe frühzeitig zu sehen und ihnen ausweichen zu können. Für eine Kanu-Jungfernfahrt bietet sich der Main daher nur sehr bedingt an.

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Regeln fürs Paddeln

Wer im Kanu unterwegs ist, sollte bestenfalls immer eine Rettungsweste tragen.
An Flüssen ist ein Ufer immer in der Nähe - wer auf Seen paddelt, der sollte sich ebenfalls auch immer am Ufer halten, um zur Not schnell an Land zu sein.
Alkohol ist verboten, genauso wie im Straßenverkehr (Grenze: 0,5 Promille).
Uferbereiche sollten nur betreten werden, wenn es auch erlaubt ist. Gerade zu Brutzeiten haben Menschen und vor allem auch abgeleinte Hunde nichts am Ufer verloren, weil sie die Vögel stören. Vorfahrtsregeln: Berufsschifffahrt und Segelschiffe haben vor Kanus immer Vorfahrt, Motorboote müssen Kanus vorlassen. Das wichtigste Schifffahrtszeichen für Paddler sieht fast so aus wie die Flagge von Österreich - es bedeutet: Einfahrt verboten.

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